Kommunalwahlen bringen oft große Veränderungen mit sich. Doch was die Brauneckgemeinde Lenggries heuer erleben musste, war nichts anderes als ein Schock: Nachdem Werner Weindl (CSU) nach einem Vierteljahrhundert als Bürgermeister altersbedingt nicht wieder kandidieren konnte, setzte sich bei der Stichwahl am 29. März der Freie Wähler Markus Landthaler mit 65,6 Prozent deutlich gegen Wolfgang Morlang von der Bayernpartei durch. Doch nicht einmal sechs Wochen später riss ein Herzinfarkt den 50-Jährigen aus dem Leben. Die zutiefst erschütterte Gemeinde musste einen Nachfolger bestimmen. Stefan Klaffenbacher (FWG), Klaus Hanus (Grüne) und Tobias Raphelt (SPD) stellten sich schließlich am 13. September zur Wahl. Der 33-jährige Maschinenbaumeister, Bürokaufmann, Nebenerwerbs-Landwirt und Kandidat der Freien Wähler erhielt die meisten Stimmen und trat bereits am darauffolgenden Montag seinen Dienst im Rathaus an.
Zu diesem Zeitpunkt waren die weiteren neugewählten Bürgermeister sowie eine Bürgermeisterin im Landkreis bereits weit mehr als 100 Tage im Amt. Auch Rainer Kopnicky (CSU), der als einziger Kandidat das Ruder in Königsdorf von Anton Demmel (CSU) übernommen hat. Demmel hatte ein großes Ziel und deshalb seinen Bürgermeisterposten abgegeben: Er wollte Josef Niedermaier als Landrat ablösen. Nicht der einzige mit diesem Ziel, denn auch Filiz Cetin (SPD), Sebastian Englich (Linke) und Klaus Koch (Grüne) bewarben sich um den Chefsessel im Landratsamt. Doch auch wenn Niedermaier beim Kampf um eine dritte Amtszeit in die Stichwahl gegen Demmel musste, setzte er sich schließlich klar durch: Bei einer Wahlbeteiligung von 58 Prozent bekam Niedermaier 62,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. Bei der Kreistagswahl wiederum waren die Grünen die großen Gewinner: Sie haben vier Mandate dazugewonnen und nun insgesamt 13 Sitze. Neu im Kreistag vertreten sind die Linke mit einem Sitz und die ÖDP mit zwei Sitzen. Erstmals mit dabei ist die AfD. Sie konnte zwei Mandate erringen.

Nicht nur auf Kreis-, auch auf kommunaler Ebene wurden die Gremien bunter und legen die Grünen allenthalben zu. In Wolfratshausen etwa, wo Amtsinhaber Klaus Heilinglechner von der Bürgervereinigung die meisten Stimmen erzielte und sich später in der Stichwahl gegen Günther Eibl von der CSU durchsetzte. Eibl hatte sich zuvor ein denkbar knappes Kopf-an-Kopf-Rennen mit Annette Heinloth von den Grünen geliefert, letztlich machten nur 36 Stimmen den Unterschied. Chancenlos waren hingegen die anderen beiden Herausforderer Heilinglechners, Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) und Manfred Menke (SPD).
Wenn sich vier Kandidaten ums Bürgermeisteramt bewerben, kommt es fast immer zu einer Stichwahl. In Bad Tölz mussten die Wähler jedoch nicht zwei Mal an die Urne: Ingo Mehner (CSU) setzte sich bei den Kommunalwahlen mit 50,8 Prozent der Stimmen überraschend schon im ersten Durchgang gegen seine Mitbewerber Franz Meyer-Schwendner von den Grünen (27,9 Prozent), Michael Lindmair von den Freien Wählern (15,2 Prozent) und Michael Ernst von der SPD (6,1 Prozent) durch. "Ich bin überwältigt von dem Ergebnis, mit dem kein Mensch rechnen konnte in so einem starken Feld an Bewerbern", sagte Mehner, der seinen Wahlkampf mit dem Slogan "Gemeinsam Tölz gestalten" geführt hatte. Eine Umwälzung gab es auch im Tölzer Stadtrat. Elf altgediente Mandatsträger waren nicht mehr angetreten, die Kommunalwahl brachte vor allem zwei Veränderungen. Zum einen gelang es den Grünen, die Anzahl ihrer Sitze von vier auf sieben beinahe zu verdoppeln. Dagegen verlor die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) zwei, die SPD einen. Die CSU verteidigte ihre neun Mandate. Zum anderen ist der Stadtrat weiblicher geworden: Die Zahl der Lokalpolitikerinnen, die in dem Gremium vertreten sind, stieg von vier auf neun.

Apropos weiblicher: Das lässt sich nach den Wahlen am 15. März nicht von der politischen Rathauslandschaft im Landkreis und der Region behaupten. Denn nach der Kommunalwahl 2020 ist nur noch ein Bürgermeisteramt im Kreis mit einer Frau besetzt: Verena Reithmann in Icking. Dort hatte sich kein Mann, aber vier Frauen um das Amt beworben, Reithmann setzte sich nach einer Stichwahl durch.
In Geretsried wiederum bestätigten zwar die Wähler Michael Müller (CSU) mit 62 Prozent im Amt, die Mitbewerber Larry Terwey (FDP), Wolfgang Werner (SPD) und Martina Raschke (Grüne) blieben chancenlos. Doch bei der Wahl des Stellvertreters gab es einen Paukenschlag: Sonja Frank von den Freien Wählern hängte Hans Hopfner ab, der zuvor noch als gesetzt galt.
Einem Erdrutsch gleich kam das Wahlergebnis in Penzberg. Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte der ehemaligen Bergarbeiterstadt stellt die CSU den Bürgermeister. Stefan Korpan konnte sich in der Stichwahl mit 66,11 Prozent deutlich gegen die amtierende SPD-Bürgermeisterin Elke Zehetner durchsetzen. Auch der Stadtrat wurde kräftig durchgemischt. Die CSU stellt die Mehrheit mit sechs Sitzen. Die SPD ist nur noch mit vier Räten im Gremium vertreten. Die Grünen konnten ein Mandat gewinnen und stellen nun vier Stadträte. Hinter ihren Erwartungen blieben die Bürger für Penzberg (drei Sitze) und die Freie Lokalpolitik Penzberg (zwei Sitze). Aus dem Stand vier Mandate holte dafür Penzberg Miteinander. Die Gruppierung war 2020 zum ersten Mal zur Wahl angetreten.