bedeckt München

Gastroszene in Eurasburg:Aus für Rosis Café

Rosemarie und Michael Ertl hatten ihr Haus zum Café gemacht.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

In Oberherrnhausen haben Rosemarie und Michael Ertl 13 Jahre lang ein beliebtes Lokal geführt. Jetzt haben sie geschlossen, weil die Belastung zu groß wurde.

Von Benjamin Engel

Individuell und familiär haben Rosemarie und ihr Mann Michael Ertl ihr Café in Oberherrnhausen bei Beuerberg mehr als 13 Jahre lang geführt. Das wird deutlich, wenn die 50-jährige, gebürtige Ascholdingerin vom letzten Betriebstag am 1. November erzählt. "Ich weiß noch, wie ich gedacht habe, meine Bedienungen kommen jetzt das letzte Mal rein", sagt sie. Unter der Arbeit hätten sie beinahe weinen müssen. Dann habe eine der Mitarbeiterinnen einen Lachgummi hervorgeholt, worauf alle gemeinsam hätten lachen müssen. "Wir sind halt so eine richtige Café-Familie", schildert Ertl.

Genau das war es wohl, was Rosis Café zum beliebten Ausflugsziel gemacht hat. Zudem hatte das Lokal individuellen Charme. Das Ehepaar Ertl hatte dafür die Erdgeschossräume ihres Einfamilienhauses in Oberherrnhausen umgebaut. Im Feien saßen die Gäste in ihrem Garten. Aus privaten Gründen hatten Rosemarie Ertl und ihr Mann schon Ende 2019 beschlossen, zum heurigen Jahreswechsel zu schließen. Das haben sie vorgezogen, nachdem der Betrieb unter den derzeit gültigen Pandemie-Regeln für den November verboten wurde. Die weitere Entwicklung bis Jahresende sei zu unsicher, um nochmals aufzumachen. Schade sei nur, dass sie sich von den Gästen nicht richtig habe verabschieden können, sagt Ertl. Zu gerne hätte sie allen Gästen persönlich gedankt.

Ihr sei es schwer gefallen, zu schließen, erzählt Rosemarie Ertl. Sie und ihr Mann hätten so viel "Herzblut" in das Café gesteckt. Doch während des Lockdowns für ihr Lokal im Frühjahr habe sie auch gespürt, dass ihr Mann erleichtert über die ruhigere Phase gewesen sei. Die Doppelbelastung am Wochenende - das Café war freitags bis sonntags sowie feiertags offen - hinter dem Tresen als Barista zu stehen und unter der Woche als angestellter Betriebselektriker zu arbeiten, sei ihm zu viel geworden. Daher hätten sie gemeinsam beschlossen, aufzuhören. Denn seinen Einsatz hätte sie nicht alleine aufwiegen können. Zudem sei das Café zu klein, eine Vollzeitkraft an dessen Stelle zu beschäftigen.

Für Rosemarie Ertl war das Café mit knapp 30 Plätzen drinnen und derselben Anzahl draußen ihr Lebensmittelpunkt. Ausflügler kamen mit dem Rad. Gäste feierten Geburtstage, Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen. Ohne ihre um die zehn Mitarbeiterinnen auf 450-Euro-Basis wäre dies kaum zum schaffen gewesen. "Mit unseren Café-Mädels haben wir Spitzenpersonal gehabt", schildert Ertl. Als sie und ihr Mann das Lokal eröffneten, hatten sie noch gedacht, das Geschäft weitestgehend allein stemmen zu können. Schnell hätten sie gemerkt, dass das so nicht zu schaffen war.

Knapp 1000 Kuchen hat Ertl im Jahr für die Gäste gebacken

Das Leben verlaufe eben nicht so wie geplant, sagt die ausgebildete Arzthelferin. 2005 sei sie in einer Art "Lebenskrise" gewesen. Unter anderem sei es auch beruflich nicht so gut gelaufen. Auf der langen Rückfahrt durch Deutschland von einer Norwegen-Reise mit dem Campingmobil sei sie mit ihrem Mann zur Pause von der Autobahn abgefahren. Dort seien sie in einem Café eingekehrt. "Das war so klein und schnuckelig", erzählt Ertl. Ihrem Mann habe sie sofort gesagt, dass das auch beruflich etwas für sie wäre. Auf der weiteren Rückfahrt habe sie nur noch von dieser Idee gesprochen. "Ich habe nicht mehr locker gelassen." So überzeugt war sie von ihrem Plan. Als die Behörden das Café in ihrem Privathaus genehmigten, begannen sie mit dem Umbau. Ehemann Michael stemmte die Arbeiten großteils selbst. Im früheren Partykeller entstand die Backstube für die selbstgemachten Kuchen. Knapp 1000 davon hat Ertl im Jahr für Gäste gebacken. Darunter waren auch ausgefallenere wie eine Kaiserschmarrn-, eine Bernstein- oder eine Mango-Torte. Je nach Saison wechselte das Angebot, weswegen es einen Erdbeerkuchen nur gab, wenn die Früchte in Deutschland reif waren. Die Bio-Eiscreme stammte vom Wackersberger Beindlhof. Anfangs seien manche skeptisch gewesen, dass das individuelle Café im Privathaus und in dem eher abgelegenen, kleinen Ort funktionieren könne. Doch die Gäste kamen zahlreich.

Wie viel Rosis Café gerade auch den unmittelbaren Anwohnern bedeutet hat, zeigte sich, als es im Frühjahr wegen der Pandemie erstmals schließen musste. "Als der To-go-Verkauf wieder möglich war, hat uns auch das ganze Dorf wahnsinnig unterstützt, viel Eis und Kuchen gekauft", sagt Ertl. Dass viele traurig seien, keinen "leckeren Kuchen" mehr aus ihrem Café essen zu können, merke sie, wenn sie im Gästebuch lese, das sie nach dem Aus ausgelegt hat. Manchmal, sagt sie, werde sie dann traurig. Das Café sei eben ihr "Baby". In einer Familie würden die Kinder aber andererseits auch einmal erwachsen. Dann müsse man sie gehen lassen, tröstet sie sich.

Inzwischen hat Ertl einen neuen, festen Arbeitsplatz gefunden. Und wenn sie ihr Café zu sehr vermisst, denkt sie an einen Spruch im Gästebuch, der ihr besonders gut gefällt. "Aus is' und gar is', und schad is', dass' wahr is'."

© SZ vom 16.11.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite