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Bäume in Benediktbeuern gefällt:Bürgerinitiative ist erbost

Die Bürgerinitiative Lainbach-Wald hat knapp 500 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt, um die Rodung des Waldes zu verhindern. 55 vom Borkenkäfer befallene Fichten werden derzeit gefällt.

(Foto: Cölestin Allgäuer/oh)

Südlich des Gewerbegebiets am Mondscheinweg wurde gerodet. Der Bürgermeister bestreitet böse Absichten und will den Lebensraum sogar verbessern.

Von Ingrid Hügenell

Die Bürgerinitiative Lainbach-Wald hat am Freitag Alarm geschlagen. Seit Donnerstag wurden in dem Wald südlich des Gewerbegebiets am Mondscheinweg Bäume gefällt. Die Gemeinde, so argwöhnen Mitglieder der BI, wolle vollendete Tatsachen schaffen. Denn das Gewerbegebiet soll erweitert werden, dazu müsste der Wald weichen. Das will die BI verhindern, sie hat knapp 500 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt - 200 mehr, als nötig gewesen wären.

Am kommenden Mittwoch soll der Gemeinderat darüber abstimmen, ob das Bürgerbegehren zulässig ist, ob es also zum Bürgerentscheid kommen wird. Die Fällaktion wenige Tage vorher bezeichnet Cölestin Allgäuer, Gemeinderat der Freien Bürgerliste und Sprecher der BI, als Affront. "Der Zeitpunkt ist einfach völlig daneben", sagt er. "Es kann mir keiner erzählen, dass es auf die paar Tage angekommen wäre."

Die Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen kontrolliert und bewirtschaftet den Wald, der der Gemeinde gehört. Die WBV habe Ende Oktober auch darauf gedrungen, die etwa 55 vom Käfer befallenen Bäume sofort zu fällen, sagt der Benediktbeurer Bürgermeister Hans Kiefersauer (parteilos). Das habe er dem Gemeinderat auch mitgeteilt. Er habe nachgefragt, ob man nicht wegen des Bürgerbegehrens warten könne. Es habe aber geheißen, das gehe nicht, weil die Käferlarven dann in den Boden wandern könnten um von dort aus im Frühling neue Bäume zu befallen. Er habe diese Woche versucht, bei der WBV zu erfahren, wann die Arbeiten vorgenommen werden sollten, aber wegen der Feiertage niemanden erreicht. Kiefersauer nimmt an, dass auch die WBV selbst nicht genau wusste, wann gefällt wird. Denn mit den Arbeiten sei ein Subunternehmer beauftragt worden. "Die haben einfach angefangen."

Franz Steger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt, sieht die Sache gelassen. Dabei hat die Naturschutzbehörde das Gewerbegebiet abgelehnt. Denn der Wald habe Biotop-Qualität, erklärt Steger. Er ist demnach Teil einer wichtigen Biotop-Achse vom Massiv der Benediktenwand ins Loisach-Kochelsee-Moor. Die Qualität als Lebensraum hängt für Steger aber nicht an den Fichten. "Die machen nicht das Biotop aus", sagt er. Im Gegenteil könne es sogar nützlich sein, wenn die Nadelbäume verschwänden und dort typische Auwald-Arten nachwüchsen. Wenn es sich bei den Fällungen tatsächlich nur um die Entnahme von Fichten handle, die vom Borkenkäfer befallen seien, befinde man sich ohnehin im Bereich der Waldbewirtschaftung, und da müsse der Naturschutz zurückstehen.

Platz für ein Gewerbegebiet wurde durch die Fällungen ohnehin nicht geschaffen. "Es bleibt rechtlich Wald, auch wenn Bäume gefällt wurden", erklärt Förster Max Leutenbauer. Er ist staatlicherseits für den Wald zuständig. Eine Rodungsgenehmigung, die nötig wäre, um das Gewerbegebiet zu errichten, ergebe sich aus den Fällungen nicht. Das Waldgesetz schreibe vor, dass eine solche Fläche innerhalb von drei Jahren aufgeforstet werden müsse, wenn nicht von selbst genügend junge Bäume nachwachsen.

Das will die Gemeinde auch tun. Kiefersauer erklärt, man wolle nicht, wie zunächst geplant, nur einen zehn Meter breiten Waldstreifen stehen lassen, sondern einen 40 Meter breiten. Und der solle in einen "funktionierenden Mischwald" umgebaut werden. Der wäre dann ökologisch wertvoller als der Wald, der jetzt dort auf einer Breite von 70 bis 100 Metern steht. Damit wären Kiefersauer zufolge auch die Forderungen der Naturschutzbehörde erfüllt. "Wir sind willens, etwas Nachhaltiges zu machen", bekräftigt er.

© SZ vom 04.11.2017

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