Rock'n'Roll im "Hinterhalt" Roll over Gelting

Elvis, Chuck Berry und die "Spider Murphy Gang" - all das haben die jungen Musiker im Programm.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Nachwuchsband "Bonny Tones" hat schon eine treue Fangemeinde

Von Arnold Zimprich, Geretsried

Um zwanzig vor acht ist die Geltinger Kulturbühne "Hinterhalt" noch dünn besetzt an diesem Freitagabend. Doch die Fans der Bonny Tones lassen nicht lang auf sich warten - schon zwanzig Minuten später sind fast keine freien Plätze mehr übrig. Die Band rund um den 16-jährigen Sänger und Gitarristen Maxi Nachtmann hat bereits eine treue Anhängerschaft.

Sabine Nachtmann, die Mutter des Bandleaders, sieht dem Abend gelassen entgegen. "Routine ist aber das falsche Wort", sagt sie. Auf die Frage, wie oft die Bonny Tones schon aufgetreten sind, zuckt sie mit den Achseln. "Da zähle ich schon nicht mehr mit." Vater Herbert hat bereits treue Gäste erspäht: "Gabi aus Wien und Michi und Berta aus Singen am Bodensee sind auch da", sagt er mit einem Blick auf die inzwischen voll besetzten Tische.

Die Bonny Tones stimmen als erstes "Teddy Bear" an, nicht die letzte Nummer von Elvis Presley an diesem Abend. Die Akkorde sitzen, Nachtmann singt sich im schwarz-goldenen Jackett und schwarz-weißen Lederschuhen warm. Zu Fats Dominos "Hey Josephine" hat sich die Band bereits eingegrooved, jeder Ton sitzt, verblüfft reibt man sich die Augen, ob da nun wirklich eine Nachwuchsband auftritt oder routinierte Profis. Der 19-jährige Jannik Dreyer bedient das Schlagzeug so auffällig unauffällig, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen - zum Takt der Hi-Hats wippt das Publikum mit.

"Tim am Bass haben wir uns ausgeliehen", sagt Maxi Nachtmann in der Pause - rund 20 Songs hat die Band zu diesem Zeitpunkt bereits gespielt. Eigentlich würde am Bass Max Söllner stehen, der aber noch in einer anderen Band engagiert und am Freitag meist verplant ist. "Seit rund einem Jahr läuft es so richtig", sagt Sänger und Gitarrist Nachtmann, der sich sein Instrument selbst gebaut hat. "Wir spielen jeden Monat ein bis zwei Gigs" - beispielsweise im Music-Club Aschheim, in dem die Band schon mehrmals aufgetreten ist. Der Wolfratshauser versprüht eine geradezu unerschöpfliche Energie, an diesem Abend ist er in seinem Element. "Unser Repertoire umfasst rund 120 Cover-Stücke." Sein großes Vorbild ist Schorsch Angerer von den Cagey Strings, der 2018 mit nur 53 Jahren verstarb. "Mit sechs Jahren stand ich schon mit Schorsch auf der Bühne", sagt Nachtmann versonnen. Man merkt ihm an, dass er seinen Mentor vermisst.

Doch für Trübsal ist an diesem Abend wenig Zeit und kein Anlass. Das Publikum fordert mehr - und die Band liefert. Das Quartett bedient sich dabei primär bei Elvis, stimmt aber unter anderem auch Little Richards "Long Tall Sally" und Chuck Berrys "C'est la vie" an, auch die "Rock'n'Roll-Schuah" der Spider Murphy Gang ziehen sich die Jungs an - sie sind der Band keinen Deut zu groß.

Keyboarder Timo Freyenberg ist stolz: "Das ist die Musik, die ich für längere Zeit machen willl", sagt der 15-jährige Gymnasiast, der bereits im Vorschulalter mit dem Klavierspielen angefangen hat. Seine musikalische Ader habe er seiner Großmutter zu verdanken. "Seit zwei Jahren spiele ich bei den Bonny Tones, vorher habe ich nur Klassik gespielt."

Zwischendrin werden gar Stunts eingebaut - Keyboarder Freyenberg schultert sein Instrument und spielt es verkehrt herum auf dem Rücken. Da kann auch "Hinterhalt"-Wirtin Assunta Tammelleo nicht mehr an sich halten und legt einen flotten Twist auf die Tanzfläche.

Nachtmanns Zwischen-Moderationen wie "Das nächste Stück ist von Bill Haley und wurde 1954 geschrieben" geben eine Ahnung davon, wie gut er sich mit der Rock'n'Roll-Materie bereits auskennt. Haleys "Rock around the Clock" und "See you later Alligator" gelingen dann auch auf Anhieb, Nachtmann steigt auf einen Tisch und spielt wie Jimi Hendrix die Gitarre auf dem Rücken. "Sie haben mich nicht enttäuscht", sagt ein weiblicher Fan nach dem rund 30 Songs umfassenden Konzert. "Ich habe sie im D'Amato das letzte Mal gesehen. Heute haben sie ein komplett anderes Programm gespielt." Wenn sie so weitermachen, stehen den Bonny Tones - den "fröhlichen Tönen" - noch viele fröhliche Jahre bevor.