Bislang sind nur Stahl und Beton zu sehen. Doch bis Ende 2024 soll am Roche-Standort in Penzberg eines der modernsten und nachhaltigsten Forschungsgebäude in Europa entstehen. Bis zu 250 Millionen Euro investiert der Konzern in den Neubau des Labor- und Bürokomplexes im Nonnenwald. Mehr als 800 Mitarbeitende werden dort forschen - hauptsächlich, um neue Tests in den Bereichen Kardiologie, Infektionskrankheiten, Neurologie, Onkologie und Frauengesundheit zu entwickeln. Zur Grundsteinlegung am Mittwoch kamen unter anderem der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek und der Leiter der Staatskanzlei, Florian Herrmann.
Das neue, 33 Meter hohe Diagnostik-Forschungsgebäude trägt den Namen "Leap". Die vier Buchstaben stehen einerseits als Abkürzung für "Laboratory Excellence Accelerator Penzberg", andererseits bedeutet das Wort im Englischen "Sprung" - für das Unternehmen ein Sinnbild dafür, dass mit dem neuen Gebäude der Sprung in eine "exzellente Laborarbeit der Zukunft" gewagt werde. Forscher und Forscherinnen, die aktuell auf dem Penzberger Werksgelände sowie in München auf insgesamt 28 Standorten verteilt sind, finden darin nach ihrem Einzug 2025 modernste Arbeitsbedingungen vor. Unter ihnen sind auch jene, die den Covid-Antikörpertest entwickelten. Die siebengeschossigen Labor- und Bürogebäudeteile werden durch ein Atrium verbunden. Die Baumaterialien wurden nach ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt. Beim Bürokomplex wird etwa Holz als Baustoff verwendet.

Dass der Konzern erneut so viele Millionen am Standort Penzberg investiert, sei ein "riesiger Motivationsschub", sagte Claus Haberda, Geschäftsführer der Roche Deutschland Holding GmbH und früherer Penzberger Werkleiter. Er wünschte sich einen unfallfreien Verlauf auf der Baustelle und dass trotz Materialknappheit und Kostensteigerungen alles laufe, wie geplant. Vor zweieinhalb Jahren habe kaum jemand etwas von PCR-Tests gewusst, sagte Christoph Franz, Präsident des Verwaltungsrats der Roche Holding AG. Die Corona-Pandemie habe dies geändert. Weltweit habe Roche 1,7 Millarden dieser Tests zur Verfügung gestellt, was auch eine Wertschöpfung bedeute und unter anderem Arbeitsplätze sichere. Dies bedeute eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. In Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft, die in Penzberg mit finanzieller Unterstützung von Bund und Freistaat ein Zentrum für Immunologie, Infektions- und Pandemieforschung errichtet, könne ein "Ökosystem der Innovation" geschaffen werden. Ein Paradebeispiel dafür, dass Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in Bayern an einem Strang ziehen. Franz machte allerdings keinen Hehl daraus, dass er in Zukunft solche Investitionen wie das "Leap" gefärdet sieht. Der Verwaltungsratspräsident sprach von kurzsichtigen Entscheidungen auf politischer Ebene in Anspielung auf das von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geplante Gesetz zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch wenn er die Notwendigkeit sehe, das deutsche Gesundheitssystem nachhaltiger zu finanzieren, könnten global agierende Unternehmen wie Roche sich gezwungen sehen, künftig im Ausland Investitionen zu tätigen, sollten sich die politischen Rahmenbedingungen verschlechtern. Franz wünschte sich eine "Kultur des Dialogs". Dieser Dialog sei in Berlin nicht erwünscht, entgegnete Gesundheitsminister Holetschek in seinem Grußwort. Er zitierte aus einem Schreiben Lauterbachs. Darin soll der Bundesgesundheitsminister erklärt haben, dass für einen Pharma-Dialog auf Bundesebene keine Zeit sei, da schnell gehandelt werden müsse. Das Angebot eines Austauschs nicht wahrzunehmen, sei ein "verheerendes Signal", sagte Holetschek.

Ursprünglich sollte Ministerpräsident Markus Söder zur Grundsteinlegung nach Penzberg kommen. Doch er musste zur von Bundeskanzler Olaf Scholz einberufenen Ministerpräsidentenkonferenz nach Berlin. Allerdings ließ es sich Söder nicht nehmen, ein Grußwort zu übermitteln. In seiner launigen Videobotschaft ließ er die Festgäste wissen, dass er lieber mit ihnen in Penzberg gefeiert hätte, als in der Hauptstadt zu sitzen. Das ganze Jahr habe er sich auf diesen Termin gefreut, denn die Grundsteinlegung sei ein besonderes Ereignis: "Ein Bekenntnis zur Innovation", betonte Söder. Die Corona-Pandemie hätte aufgezeigt, wie wichtig es sei, wieder selbständiger zu werden und sich unabhängig von Produktionsketten im Ausland zu machen.
Zum Abschluss wurde der Grundstein, der eigentlich eine Zeitkapsel in einer verschlossenen Vitrine ist, befüllt. Holetschek überreichte einen Löwen mit bayerischem Wappen aus Porzellan als Geschenk. Haberda steuerte ein Holzmodell des neuen Gebäudes bei, Ann Costello, Head of Roche Diagnostic Solutions, einen Covid-Antikörpertest und Franz eine Miniaturausgabe der DNA-Skulptur auf dem Kreisverkehr vor dem Roche-Werk. Die kleine Doppelhelix wurde auf einem echten Stück Pechkohle montiert, das in der "Leap"-Baugrube gefunden wurde.

