Kulturerbe im Landkreis Bad Tölz-WolfratshausenZwei Kunstschätze in neuem Glanz

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Restaurator Stefan Lochner und sein Team restaurieren die Wandgemälde im Kurfürstensaal des Klosters Benediktbeuern.
Restaurator Stefan Lochner und sein Team restaurieren die Wandgemälde im Kurfürstensaal des Klosters Benediktbeuern.
Manfred Neubauer

Die Wandgemälde von Johann Baptist Zimmermann im Kurfürstensaal des Klosters Benediktbeuern werden mit hohem Aufwand restauriert, ebenso der Altar der Rosenkranzbruderschaft in der Winzererkapelle der Tölzer Stadtpfarrkirche. Die Kosten trägt die Messerschmitt-Stiftung.

Von Alexandra Vecchiato und Klaus Schieder, Bad Tölz/Benediktbeuern

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Das Kulturerbe Bayerns zu erhalten, ist eine enorme Aufgabe, insbesondere in finanzieller Hinsicht. Ohne Spenden ist es oftmals nicht möglich, solche Schätze wie den Kurfürstentrakt im Kloster Benediktbeuern oder den Altar der Rosenkranzbruderschaft in der Tölzer Stadtpfarrkirche zu erhalten. Beides kann dank der großzügigen finanziellen Unterstützung von Stiftungen restauriert werden.

Der Kurfürstensaal im Kloster Benediktbeuern ist eines der bedeutendsten Zeugnisse bayerischen Barocks. Und er ist das Herzstück des Südarkadentrakts, den die Salesianer Don Boscos künftig für Tagungen und Seminare nutzen möchten. Früher befand sich dort die Hauskapelle der Patres. Diese Nutzung hat ihre Spuren hinterlassen – vor allem an der Decke mit ihrem wertvollen Stuck und Fresken aus der Werkstatt des Wessobrunner Künstlers Johann Baptist Zimmermann (1680 bis 1758). Das große Gemälde in der Mitte des Saals wird ihm selbst und seinem Sohn Johann Joseph zugeschrieben. Es zeigt Lantfrid, den ersten Abt des Klosters, bei der Aufnahme in den Benediktinerorden. In den kleineren Fresken sind unter anderem die vier Jahreszeiten dargestellt. Der Stuckateur und Maler Zimmermann war 1732, als das Fresko wohl entstand, auf der Höhe seiner Schaffenskraft.

Das zentrale Fresko wird dem Wessobrunner Stuckateur und Maler Johann Baptist Zimmermann und seinem Sohn Johann Joseph zugeschrieben.
Das zentrale Fresko wird dem Wessobrunner Stuckateur und Maler Johann Baptist Zimmermann und seinem Sohn Johann Joseph zugeschrieben.
Manfred Neubauer

Frühere Restaurierungen, Ruß, Wasser und mehr sind verantwortlich, dass kaum noch Details des farbenfrohen Meisterwerks zu erkennen sind. Eine erste Kostenschätzung lag bei einer halben Million Euro für die Wiederherstellung von Fresken und Saal. Lange blieb unklar, wie diese Ausgaben gestemmt werden könnten. Die Messerschmitt-Stiftung aus München springt nun mit einer Summe von 360 000 Euro ein. „Es werden nicht, wie ursprünglich geplant, nur die notwendigsten Konservierungs- und Reinigungsarbeiten durchgeführt, sondern dank der großzügigen Unterstützung können sich die Spezialisten jetzt auch der Aufgabe widmen, die Fresken restauratorisch bestmöglich zu bearbeiten“, sagte Mathias Pfeil, bayerischer Generalkonservator und Leiter des Landesamts für Denkmalpflege. Das Münchner Amt hatte aus Anlass der Zusage durch die Stiftung zu einem Presserundgang geladen. Der Kurfürstensaal wurde unter Abt Magnus Pachinger für die 1000-Jahr-Feier des Klosters errichtet. „Der Saal mit seiner Deckengestaltung ist ein wichtiges Zeugnis barocker Kunst und Architektur in Bayern“, sagte Pfeil weiter, „die Fresken sind ein unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen Erbes Bayerns.“

Hans Heinrich von Srbik, Vorstandsvorsitzender der Messerschmitt Stiftung, Generalkonservator Mathias Pfeil und Benediktbeuerns Bürgermeister Toni Ortlieb im Gespräch im Kurfürstensaal.
Hans Heinrich von Srbik, Vorstandsvorsitzender der Messerschmitt Stiftung, Generalkonservator Mathias Pfeil und Benediktbeuerns Bürgermeister Toni Ortlieb im Gespräch im Kurfürstensaal.
Manfred Neubauer

Schon vor dem verheerenden Hagelsturm im August 2023 wurde mit den Arbeiten im Südarkadentrakt begonnen. Der Fürstentrakt blieb von der Unwetter-Katastrophe verschont. Das Gebäude soll künftig Gäste willkommen heißen. Unter anderem ist auch eine neue Küche geplant. Die Pflege von Bau- und Kunstdenkmälern bedürfe enormer Kraftanstrengungen, so Pfeil, sowohl finanzieller als auch ideeller Art. „Kunstschätze wie den Kurfürstensaal zu erhalten, ist ein Dauer-Bekümmernis“, betonte der Generalkonservator.

Pater Heinz Menz, Direktor des Klosters Benediktbeuern, würdigte die besondere Atmosphäre des Saals.
Pater Heinz Menz, Direktor des Klosters Benediktbeuern, würdigte die besondere Atmosphäre des Saals.
Manfred Neubauer

Klosterdirektor Pater Heinz Menz erinnerte indes an die Geschichte des Saals. Viele Menschen hätten durch das Gebet in der früheren Kapelle ihre Emotionen in den Raum getragen, die besondere Atmosphäre bleibe spürbar. „Es ist und bleibt ein Raum, der Menschen zusammenführt“, betonte Pater Menz. Der Saal sei „überwältigend“, meinte ebenfalls Hans Heinrich von Srbik, Vorstandsvorsitzender der Messerschmitt-Stiftung. Mit der Finanzierung der Restaurierung solle der Saal „an einem der schönsten Orte Bayerns“ wieder so erstrahlen wie einst. Die Messerschmitt-Stiftung wurde 1969 gegründet und ist die größte private Denkmalschutzstiftung in Deutschland.

Nach den ersten Reinigungen kommen die ursprünglichen Farben wieder hervor.
Nach den ersten Reinigungen kommen die ursprünglichen Farben wieder hervor.
Manfred Neubauer

Für die Arbeiten an den Deckengemälden ist Diplom-Restaurator Stefan Lochner und sein Team verantwortlich. Lochner war unter anderem an der Restaurierung des Deckenfreskos von Giovanni Battista Tiepolo im Treppenhaus der Würzburger Residenz tätig. Wie er bei dem Pressegespräch erklärte, gebe es Risse, durch die Feuchtigkeit in den Maluntergrund drang. Bei den dadurch entstehenden chemischen Prozessen komme es zu einer Verdunkelung oder Flecken, ähnlich einem Leopardenfell. Bei der jüngsten Restaurierung in den Jahren 1976/77 sei sogenannter Glutinleim aufgetragen worden. Dieser habe Schmutzpartikel eingebunden, was ebenfalls zu einer Verdunkelung der Deckengemälde beitrug. Obendrein müssten Risse und Fehlstellen ausgebessert werden.

Hilmar Gries, Verwaltungsleiter des Klosters, hofft „um Ostern 2025“ mit den Sanierungsarbeiten fertig zu sein. „Die Spende der Messerschmitt-Stiftung ist für uns ein Segen“, sagte er.

Aus dem Jahr 1833 stammt der Altar der Rosenkranzbruderschaft in der Winzererkapelle der Tölzer Stadtpfarrkirche.
Aus dem Jahr 1833 stammt der Altar der Rosenkranzbruderschaft in der Winzererkapelle der Tölzer Stadtpfarrkirche.
Manfred Neubauer

Vor vier Jahrhunderten wurde in Bad Tölz die Rosenkranzbruderschaft gegründet. Das war nicht etwa ein kleiner Zirkel frommer Beter, sondern eine veritable Organisation. Sie habe „mehrere Hundert Mitglieder“ gezählt, berichtet Claus Janßen, Vorsitzender des Historischen Vereins im Oberland. Ihr Sitz war zunächst eine Gruftkapelle, die gleich neben der Stadtpfarrkirche lag. Eine Votivtafel von 1653 zeigt noch, wie sie innen aussah – mitsamt dem Stifter, der sich damit für eine Wunderheilung bedankte. Die Kapelle wurde im Zuge der Säkularisation profaniert, die Bruderschaft zog in die verwaiste Franziskanerkirche und 1830 schließlich in die Winzererkapelle der Stadtpfarrkirche. Dort ließ sie drei Jahre später einen Altar fertigen, der eines der frühesten neugotischen Werke im süddeutschen Raum darstellt. Und ein ungewöhnliches noch dazu: „Der Altar ist so eigenwillig, ich kenne das aus dem frühen 19. Jahrhundert gar nicht“, sagte Restauratorin Gabi Landskron, die mit ihrem Mann Andreas das Kleinod hergerichtet hat.

Die Geschichte der Winzererkapelle und des Altars erläuterte Claus Janßen, Vorsitzender Historischer Vereins im Oberland.
Die Geschichte der Winzererkapelle und des Altars erläuterte Claus Janßen, Vorsitzender Historischer Vereins im Oberland.
Manfred Neubauer

Den Altar ziert oben eine Gnadenmadonna aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, links und rechts stehen die Figuren der Rosenkranz-Heiligen Dominikus und Katharina von Siena, zwischen ihnen ist eine Arme-Seelen-Gruppe im Fegefeuer zu sehen. Dem Altar selbst sehe man an, dass er „sehr individuell“ gefertigt sei, sagte Christoph Scholter, Gebietsreferent im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Da habe ein Einzelner noch überlegt, wie ein gotischer Altar im Mittelalter ausgesehen haben könnte. Für die Neugotik, die aus der Rückschau in Verruf geraten sei, habe es später Musterbücher gegeben, so Scholter – „das war sehr seriell“.

Ursprünglich hatte das Werk eine grüne Fassung, die in den 1950er-Jahren abgenommen worden sei, sagte Restauratorin Landskron. Damals habe man die Originalfassung freilegen wollen, was allerdings nicht immer funktioniert habe, „beim Silber geschah das mit Verlusten, sodass teilweise überarbeitet wurde“. Beim Altar selbst konzentrierte sie sich nun „auf rein konservierende, pflegende Maßnahmen“. Bei den Heiligen-Skultpuren wurde der wachshaltige Überzug hingegen entfernt, das Silber war dort schon stark geschwärzt und korrodiert. Das sei retuschiert und poliert worden, so Landskron: „Man muss nicht immer alles neu versilbern.“

Messerschmitt-Stiftung bezahlt auch Restaurierung kleiner Objekte

Die Madonna trug bis vor wenigen Jahren noch eine Sternengloriole. Diese Metallkrone wurde abgenommen, der Hinterkopf mit Massezellulosefasern gefüllt und restauriert. Stadtpfarrer Peter Demmelmair, der gerade in Simbabwe weilt, habe diese bescheidenere Darstellung gewünscht, „er wollte wieder ein Andachtsbild haben“, sagte die Restauratorin. Zu dem Altar gehören auch noch kleinere Objekte wie zwei Figuren, 15 Rosenkranzmedaillons, Leuchter, Votivgaben und Rosenkränze. „Wir schauen, ob wir Gelder generieren können, um sie auch noch finanzieren zu können“, sagte Judith Schekulin, stellvertretende Referatsleiterin im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Sprach’s und bekam in der Winzererkapelle sofort die Zusage für das Geld. „Ist genehmigt“, sagte Hans Heinrich von Srbik, Leiter der Messerschmitt-Stiftung. „Da mache ich einen Sonderbeschluss.“ Insgesamt flossen 50 000 Euro in die Restaurierung: 20 000 Euro für den Altar, 20 000 Euro für die zwei Heiligen-Figuren und die Amre-Seelen-Gruppe, 10 000 Euro für die Gnadenmadonna. 2023 war bereits das Sandsteinportal der Winzererkapelle für gut 58 000 Euro restauriert worden.

Das Geld dafür stammt aus der Kappelmaier-Stiftung, benannt nach dem Ehepaar Helga und Kurt Kappelmaier, das Bad Tölz eng verbunden war und guten Kontakt zu Stadtpfarrer Demmelmaier hatte. Nach ihrem Tod wurde ihre Stiftung an die Messerschmitt-Stiftung angeschlossen, das Kapital wird dort aber eigens verwaltet. Das sei ein wunderbarer Übergang, befand Kaspar Demmel, Verwaltungsleiter des Pfarrverbands Bad Tölz und lobte die Restaurierungsarbeiten: „Für mich wirkt der Altar noch mal anders, weil er jetzt besser rauskommt.“

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