Unter den Wolfratshauser Sozialdemokraten hat Bürgermeisterkandidat Renato Wittstadt nach seiner umstrittenen Aussage zum Umgang mit der AfD Vertrauen verloren. Die Bemühungen des 68 Jahre alten Beamten im Ruhestand, sich zu erklären, sind für Rainer Holthaus ungenügend. „Tut mir leid, aber ich finde, Wittstadt redet um den heißen Brei herum“, so der SPD-Parteikollege. „Ich werde ihn deshalb nicht wählen.“ Holthaus stimmte als einer von zweien auch gegen die Wahl des Bürgermeisterkandidaten zum Ortsvorsitzenden. Wittstadt gewann die Abstimmung dennoch mit einer Mehrheit von 13 Stimmen bei zwei Enthaltungen.
In einer Podiumsdiskussion zwischen den sechs Wolfratshauser Bürgermeisterkandidaten Mitte November in der Loisachhalle hatte Wittstadt die AfD zwar als sehr problematische Partei bezeichnet. Gleichzeitig erklärte er auf Nachfrage aus dem Publikum, wie er denn mit möglichen AfD-Stadträten im Gremium umgehen werde, erst mit jedem einzelnen sprechen zu wollen, ehe er sich ein Urteil bilde.
Für Holthaus ist das naiv. Aus seiner Sicht unterstütze ein Wähler der AfD eine rechtsextreme Partei. Das gelte ebenso dann, wenn dies nur aus Protest geschehe. „Insofern sollte man sich politisch gegen AfD-Wähler stellen“, so Holthaus. Dafür brauche er nicht mit jedem Wähler dieser Partei zu sprechen. Erst recht stellt sich Holthaus die Frage, was in Erfahrung zu bringen sein könne, wenn sich jemand mit einem AfD-Stadtrat unterhalte. Ein solcher habe sich seiner Meinung nach bewusst auf die Liste einer rechtsextremen Partei stellen lassen. „Damit stellt er sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung“, sagt Holthaus. Das gilt für das Wolfratshauser SPD-Mitglied auch für „parteifreie“ Bewerber auf einer AfD-Liste.
Für Wittstadt funktioniert die Brandmauer gegen die AfD nicht so, wie sie sollte
Auf Nachfrage gibt Wittstadt selbst an, missverstanden worden zu sein. „Das bedauere ich sehr“, sagt der SPD-Bürgermeisterkandidat. „Die AfD war mir nie sympathisch. Ich halte die Partei für sehr gefährlich.“ Aus seiner Sicht bekomme die AfD zu viel Aufmerksamkeit, obwohl die Partei nichts zu bieten habe. Seit Jahren wende die Politik die sogenannte Brandmauer-Methode an. „Ich habe das Gefühl, die funktioniert nicht, wie sie funktionieren sollte“, sagt Wittstadt. Daher suche er nach wirksameren Wegen, um die AfD möglichst klein zu halten. „Wir sollten gemeinsam die Schwäche der AfD aufdecken.“
Wie das funktionieren soll, indem er mit Parteimitgliedern oder Wählern dieser Partei spricht, schafft Wittstadt aber auch nicht deutlich zu machen. Er bleibt dabei, jeden erst einmal ansprechen zu wollen. Denn nur im konkreten Einzelfall könne er sich ein Bild machen, so der Bürgermeisterkandidat der SPD. Er verstehe nicht, welche Faszination diese Partei auslöse. Er frage sich etwa, ob Anhänger und Politiker der AfD es tatsächlich ernst meinten, massenweise Menschen aus Deutschland abzuschieben. „Die Partei hat teils 40 Prozent Zustimmung“, sagt Wittstadt. „Das können doch nicht alles Rechtsextremisten sein.“
Weiterhin beklagt der Bürgermeisterkandidat bei einigen unfaire Kommunikationsmethoden. Nach der Podiumsdiskussion in der Loisachhalle habe ihn niemand persönlich auf seine AfD-Aussage angesprochen. Zur Frage nach dem Umgang mit einem Stadtrat dieser Partei habe er auf die Schnelle nicht mit Ja oder Nein antworten können. „Ich wollte der Frage ausweichen“, so Wittstadt. Aus seiner Sicht sollte die AfD vor der bayerischen Kommunalwahl im März 2026 besser ignoriert werden, um ihr nicht so viel Aufmerksamkeit zu geben. „Mir wäre es ein großes Anliegen, dass die AfD gar nicht in den Wolfratshauser Stadtrat kommt.“
Wittstadt beteuert, nicht mit der AfD zusammenarbeiten zu wollen
In der Diskussion sei er ein wenig angespannt gewesen, vorn auf dem Podium zu sitzen, bekennt Wittstadt. „Ich habe das Problem, dass ich eine zwölfjährige Pause von der Kommunalpolitik hatte.“ Mit der AfD wolle er nicht zusammenarbeiten, stellt der Bürgermeisterkandidat klar. Aber wenn er einem Beschluss grundsätzlich zustimme, würde er diesen nicht nur deshalb ablehnen, weil jemand, der über die AfD-Liste in den Stadtrat gewählt wurde, ihm auch zustimmt.
„Inwiefern einem bestimmten Beschluss zugestimmt werden sollte, ist sicher nicht davon abhängig, dass er auch von AfD-Stadträten unterstützt wird“, findet auch der Sozialdemokrat Holthaus. „Damit würde ja jede Beschlussfassung sabotiert werden können.“ Es sei aber sehr genau hinzuschauen, ob der Beschluss nur eine Mehrheit finde, weil ihm auch AfD-Stadträte zustimmten.

