Das Max-Rill-Gymnasium unweit von Bad Tölz ist ein exquisiter Ort: ein verwunschenes Schloss jenseits des Alltagsgetöses. Die kleine Privatschule, die seit Jahren viel Lob für ihre anspruchsvollen Theaterproduktionen erhält, möchte sich mit einem besonderen Format als Ort des intellektuellen Austauschs profilieren: „Schlaglicht Kultur“, nennt sich die hochkarätig besetzte Vortragsreihe, deren Ziel es sei, „gesellschaftlich relevante und aktuelle Fragen auf höchstem Niveau“ zu diskutieren, heißt es in der Ankündigung der Schule. Damit solle ein Beitrag zur Stärkung einer konstruktiven und streitbaren Diskussionskultur geleistet werden, „die das Fundament einer liberalen Demokratie bildet“.
Die Veranstaltung am 4. März trägt der Ankündigung Rechnung und widmet sich einem viel diskutierten Thema: „Erfindung, Lüge, Wahrhaftigkeit – vom Erzählen in Zeiten der Verunsicherung“. Referenten sind die in München lebenden Autoren Amelie Fried und Peter Probst, deren Kinder vor Jahren selbst das Max-Rill-Gymnasium besucht haben. Sie lesen aus ihren aktuellen Büchern und sprechen darüber, wie Geschichten im Spannungsfeld zwischen Aktualität und Fiktionalität gelingen können.
Dass auch die Themen der neuen Veranstaltungsreihe einen aktuellen Bezug haben müssen, sei eine Vorgabe an die Referenten, sagt Nikolaus Frei. Der promovierte Literaturwissenschaftler, Schauspieler und Regisseur, der seit gut 20 Jahren das Max-Rill-Theater leitet, hat zusammen mit seinem Kollegen Francesco Di Palma und Schulleiterin Karin Krekel die Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. „Wir hoffen, dass wir einen Weg finden, junge Menschen und alle Interessierten mit den Themen abzuholen.“
Keinesfalls wolle man sich in einen Elfenbeinturm zurückziehen, sondern im Gegenteil eine Kultur der unmittelbaren Auseinandersetzung fördern: „Kontroversen aushalten lernen“, sagt Frei. In der Gesellschaft ließen sich zurzeit zwei Strömungen beobachten: eine immer größere Passivität einerseits und eine Radikalisierung in der Anonymität des Internets andererseits. Dem wolle man einen „Raum der Argumente, nicht der Affekte“ entgegensetzen, erklärt Di Palma, der seit Kurzem an der Schule Deutsch und Geschichte unterrichtet.
Kontakte aus Uni-Zeiten
„Für die Reihe haben wir unsere Kontakte aus Uni-Zeiten genutzt“, sagt Frei. Und so wurde Professor Dieter Borchmeyer aus Heidelberg gewonnen, der sich am 7. Juli der Frage widmet: „Thomas Mann und die Dialektik des Konservativismus – ein Modell für die Gegenwart?“ Der Berliner Professor Arnd Bauerkämper referiert am 25. September zum Thema „Rückkehr des Faschismus? Die neue Rechte in historischer Perspektive“. Ein Vortrag des bekannten Publizisten Henryk M. Broder über „Deutschland: A Failed State?“ ist ebenfalls geplant, der Termin steht allerdings noch nicht fest. Am 15. Dezember endet das Programm mit Professorin Carolin Krahn über „Musik als Kompensation der Gegenwart – Mit Muße durch die Krise?“
Eine Fortsetzung von „Schlaglicht Kultur“ im kommenden Jahr sei geplant, außerdem sollen die Vorträge auf einem Youtube-Kanal hochgeladen werden. Eröffnet wurde die Reihe bereits am 15. Januar mit einem Vortrag des Berliner Kommunikationswissenschaftlers Norbert Bolz über den Strukturwandel der Medien in der Gegenwart. Es habe sich eine „lebhafte Diskussion“ entwickelt, allerdings in einem eher internen Kreis. Frei hofft, dass künftig viele Leute von „nah und fern“ zu anregenden Streitgesprächen ins Schloss Reichersbeuern kommen.
Die Veranstaltungen finden in der Aula des Max-Rill-Gymnasiums, Schlossweg 1-11, Reichersbeuern statt. Der Eintritt kostet fünf Euro. Informationen unter www.max-rill-gym.de

