Süddeutsche Zeitung

Porträt:Botschafterin im Bilderbuchland

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Lisa Steinbacher auch Reichersbeuern spricht in ihrem Podcast "doch dort" mit Einheimischen im Landkreis über Berufungen und Berufe. Denn Orte lassen sich am besten über die Menschen kennenlernen, die dort wohnen, sagt sie.

Von Veronika Ellecosta, Reichersbeuern

Mit dem Dialekt im öffentlichen Sprechen ist es so eine Sache. Wird er mit Ausdrücken und Formen aus dem Standarddeutschen überlagert, wird er schnell zu einer fremdartigen Kunstsprache. Schleift man ihn wiederum gar nicht, läuft man Gefahr, von einem größeren Publikum nicht mehr verstanden zu werden. Dann gibt es aber noch gelungene Balancen: Im Podcast "doch dort" hört man einer Frauenstimme zu, die sich mit kräftig-bairischem Zungenspitzen-R und weichen stimmhaften Konsonanten geschmeidig durch Gespräche mit Menschen aus Oberbayern bewegt.

Lisa Steinbachers Podcast erzählt in beschwingter Umgangssprache Geschichten aus dem Tölzer und dem Oberland. Wie sollte man Geschichten besser erzählen als über persönliche Biografien? Jeden Monat trifft die 27-Jährige Menschen, die im Landkreis fest verwurzelt sind, und ihren Berufen und Berufungen mit Leidenschaft nachgehen. Da sind zum Beispiel die Hüttenwirtin Marianne Obermüller, Christoph Schramm von Gustavo Gusto, der Leiter der Tölzer Stadtkapelle Josef Kronwitter oder die Illustratorin Katharina Bourjau.

Steinbacher möchte Nähe herstellen zwischen der Region und ihrer Podcast-Hörerschaft. "Menschen geben den Orten einen Charakter, da entsteht Vertrauen", sagt die Reichersbeurerin. "Wenn ich den Hintergrund zu einer Hütte kenne, schmecken die Kaspressknedln gleich besser. Wenn ich weiß, wie viel Mühen in einer Stadtkapelle stecken, kann ich die Konzerte richtig wertschätzen."

Am Anfang stand eine Masterarbeit

Begonnen hat Steinbacher ihren Podcast vor einigen Jahren an der Universität. Sie studierte damals Tourismusmanagement in München, der Podcast sollte ihr Abschlussprojekt im Master werden. Ihr Professor habe ihr das sehr charmant empfohlen, erinnert sie sich mit einem Lachen. In der Masterarbeit stellte sie die Forschungsfrage, inwiefern ein Destinationspodcast die Reiseentscheidung beeinflusst. Im Tegernseer Tal begann sie damit, interessante Personen zum Gespräch zu treffen, und eignete sich das technische Wissen fürs Produzieren an. Ihr Bruder, Schauspielstudent, moderierte die erste Staffel.

Am Ende sind die Hörerzahlen gut und der Spaß so groß, dass Steinbacher weitermachen will. Für die zweite Staffel klopft sie beim Landratsamt in Bad Tölz an und arbeitet fortan mit dem Tölzer Land Tourismus zusammen. Ihre Kernregion ändert sich somit vom Oberland hin zum Tölzer Land. Und auch bei der Zielgruppe schärft der Tourismusverband nach, wenngleich die touristische Ausrichtung bleibt. Der Fokus richtet sich nun weniger auf Reisende als auf Einheimische und Münchner Tagesgäste, die um die Schönheit des Tölzer Landes wissen und diese Botschaft nach außen tragen, erklärt Steinbacher.

Durch eine Schnellfragerunde müssen alle durch

In der zweiten Staffel ist Lisa Steinbacher auf sich allein gestellt, denn ihr Bruder hat anderweitige berufliche Verpflichtungen. Wie man moderiert und die Stimme einsetzt, bringt er ihr noch bei. Zudem übt sie, den roten Faden im Interview beizubehalten - und einen sanften Dialekt-Einsatz.

Die Gäste in "doch dort" lerne sie meist über ihr soziales Umfeld kennen, erzählt sie. Dann besuche sie die Leute dort, wo sie leben oder arbeiten, der Authentizität wegen. Jüngst war sie auf der Quenger Alm am Brauneck bei Hüttenwirtin Marianne Obermüller zu Besuch. "Wir haben ein Gespräch auf der Eckbank geführt, da kann man sich natürlich gut einfühlen", sagt sie.

Die erste Hälfte des Gesprächs dreht sich zumeist um die interviewte Person und deren Leidenschaft. Am Ende gibt es immer landkreisbezogene Fragen. Eine Schnellfragerunde kann etwa lauten: Kasspatzen oder Kaiserschmarrn? Lenggrieser Bierzelt oder daheim auf der Couch? Dirndl oder Jeans? Dann gibt es noch Lisa Steinbaches Lieblingsfrage: "Das Tölzer Land gilt ja als Bayerns Bilderbuchland. Wenn du ein Bilderbuch hättest, was wäre da drin?" Und auch die Frage nach dem eigenen Lieblingsplatz im Landkreis darf nicht fehlen.

So einen Lieblingsplatz hat Lisa Steinbacher übrigens auch. Es sei das Gartenhaus, das der Vater einst im Almhütten-Stil gebaut habe, zu Hause in Reichersbeuern, sagt sie. Das "ch" in Reichersbeuern spricht sie dabei als "h" aus, wie Dialektsprecherinnen aus der Region das nun mal tun.

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