Zum wiederholten Mal steht die geriatrische Reha-Klinik in Lenggries im Visier eines Prüfverfahrens, an dessen Ende der Entzug der Konzession stehen könnte. Es sei noch keine „rechtsmittelfähige Entscheidung getroffen“, teilt das Landratsamt auf Nachfrage der SZ mit; man befinde sich nach wie vor im Austausch mit der Klinik. Allerdings habe der Geschäftsführer am 16. April mitgeteilt, dass der Betrieb vorübergehend eingestellt worden sei und sich keine Patienten mehr im Haus befänden, erklärt Behördensprecherin Marlis Peischer.
Die Klinik begründet dies auf Nachfrage mit dem laufenden Insolvenzverfahren. Eine Schließungsanordnung liege nicht vor, „aus wirtschaftlichen Gründen ist eine Fortführungsperspektive für die Reha-Klinik in Lenggries jedoch nicht mehr gegeben gewesen“. Die zuletzt betreuten Patienten hätten ihre Rehabilitation allesamt abgeschlossen, neue Patienten habe man nicht mehr aufgenommen. Die Gehälter der 70 Beschäftigten seien durch das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit während des vorläufigen Verfahrens gesichert, betont die Klinik.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Reha-Klinik am Bergweg in die Schlagzeilen gerät. Im Juni 2023 war die Fachklinik wegen des Verdachts auf pflegerische Missstände und vorsätzliche Körperverletzung von der Polizei durchsucht worden. Das Landratsamt entzog der Klinik schließlich im August 2023 die Betriebserlaubnis. Knapp ein Jahr später gab es einen Neustart: Die „Geriatrische Rehabilitation Oberbayern“ (GRO), die neben der Einrichtung in Lenggries auch eine geriatrische Fachklinik in Bruckmühl betreibt, übernahm die Leitung und kündigte ein verändertes medizinisches Konzept an. Neue Eigentümergesellschaft ist die „BBB Gesundheitsbetriebe Holding“. Der frühere Geschäftsführer Nikolaus Netzer wurde entlassen und der Unternehmensberater Jens Brockmann mit dem Management der beiden Kliniken betraut.
Doch auch unter der neuen Betreibergesellschaft gibt es nun wieder gravierende Vorwürfe: Anfang März hat das Landratsamt ein Anhörungsverfahren eingeleitet, nachdem eine „auffällige Anzahl verschiedener Beschwerden“ eingegangen sei, wie Peischer damals erklärt hatte. Unter anderem geht es um Hygienemängel, mutmaßlich falsche Insulingaben und Personalmangel. Das Landratsamt ordnete daraufhin unangemeldete Begehungen an. „Eine Prüfung hat die Beschwerden bestätigt, sodass momentan ein Verfahren zum Widerruf der Konzession durchgeführt wird“, erklärt Peischer. Auch die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände Bayern (ARGE) führt aus demselben Grund eine Prüfung durch. „Von der ARGE wurde ein Anhörungsverfahren zur Kündigung des Versorgungsvertrages mit dem Träger der Klinik GRO Lenggries eingeleitet“, teilt deren Pressesprecher Sebastian Küster mit.

Die Klinik wies die Vorwürfe, über die zuerst der Bayerische Rundfunk Anfang April berichtet hatte, entschieden zurück. „Die Vorwürfe über zum Beispiel unsachgemäße Medikamentenverabreichung oder Insulingaben sind falsch“, teilte die Klinikleitung vorige Woche mit. Auch das Pflegepersonal wehrte sich. „Mit Entsetzen haben wir diese Vorwürfe gehört“, heißt es in einem Schreiben an den BR. „Die vermeintlichen Vorkommnisse“ der Recherche könne man „so nicht bestätigen“.
Das Prüfverfahren hat die geriatrische Reha-Klinik in eine massive finanzielle Schieflage gebracht
Das seit Wochen laufende Verfahren hat die Lenggrieser Klinik nun in eine massive finanzielle Schieflage gebracht. Weil Patienten ausblieben und sich die Belegung von vormals 60 auf zuletzt zehn reduziert habe und zugleich die Kosten stark gestiegen seien, habe man am 25. März ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt. Ob die Lenggrieser Klinik den Betrieb wieder aufnimmt und die Konzession behält, ist völlig offen.
Offen ist auch der Ausgang eines Rechtsstreits: Der Ex-Geschäftsführer strengte gegen seine Entlassung im Jahr 2023 und die Einbeziehung seiner Gesellschafteranteile eine Klage an. Er macht einen Schaden von 690 000 Euro geltend. Die Eigentümergesellschaft hält dagegen und fordert ihrerseits Schadensersatz von rund einer Million Euro – Mittel, die nötig gewesen seien, um die beiden Kliniken in Lenggries und Bruckmühl damals überhaupt wieder zum Laufen zu bringen. Das Verfahren läuft. Der Bedarf an geriatrischen Reha-Einrichtungen steigt, weil die Zahl älterer Menschen wächst. Wenn sie nach einem Krankenhausaufenthalt wieder zurück in das Alltagsleben finden wollen, brauchen ältere Menschen eine intensivere Betreuung, weil sie oft unter mehreren Erkrankungen leiden. Vergleichbare Fachkliniken wie in Lenggries und Bruckmühl gibt es in der Region etwa in Bad Wiessee und Bad Feilnbach.

