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Regeln für Hobbygärtner:Gebremste Kreativität

In Penzberg soll ein Gemeinschaftsgarten auf einer Wiese an der Fischhaberstraße entstehen. Ausschuss diskutiert Formalitäten

Von Alexandra Vecchiato

Wer einmal die Prinzessinnengärten in Berlin besucht hat, kommt womöglich beseelt vom Gedanken, einen solchen Gemeinschaftsgarten auch in der eigenen Kommune zu realisieren, nach Hause zurück. So mag es Anette Völker-Rasor ergangen sein, die nach eigenem Bekunden zweimal den mobilen Garten in der Landeshauptstadt besucht hat. Kein Wunder, dass ihre Fraktion "Penzberg Miteinander" einen entsprechenden Antrag in den Stadtrat der oberbayerischen Kleinstadt einbrachte. Die gute Nachricht: 21 Interessensbekundungen sind im Rathaus eingegangen, und ein Standort ist ebenfalls gefunden. Das gleichermaßen soziale wie ökologisch-urbane Projekt könnte auf einer Wiese am Friedhof an der Fischhaberstraße umgesetzt werden. Die schlechte Nachricht: Der bürokratische Reglementierungswahn, der den Deutschen nachgesagt wird, könnte das Kreativität atmende Vorhaben ein bisserl öde werden lassen.

Der Standort an der Fischhaberstraße sei ideal, sagte Klimaschutzmanager Carl Zimmermann im Finanzausschuss. Die etwa 1150 Quadratmeter große Fläche neben dem Parkplatz am Friedhof liege zentral, Stellplätze seien vorhanden, die Bewässerung über die Anschlüsse im Friedhof sichergestellt. Auch könnte über die städtische Einrichtung die Grüngut-Entsorgung erfolgen. Bis zu zehn Hochbeete könnten dort aufgestellt und an die Interessenten verpachtet werden. Die Pflanzerde stellt die Stadt zur Verfügung, wie auch ein Budget für Sämereien und eventuell einen Geräteschuppen.

Zehn Hochbeete - das bedeute pro Interessent einen Quadratmeter für den Anbau von Gemüse, sagte Kerstin Engel (Grüne). "Das ist nicht wahnsinnig viel." Sie schlug vor, Erde auf dem Boden aufzuschütten. Die Verwaltung hatte Hochbeete vorgeschlagen, da man nicht wisse, ob das vorhandene Erdreich belastet sei. Zimmermann erwiderte, man könne doch mal so starten. Sollte der Gemeinschaftsgarten ein Erfolg werden, stünde von Januar 2023 an der noch verpachtete Sonnenacker auf Gut Hub als Erweiterungsfläche zur Verfügung. Der sei 9000 Quadratmeter groß.

Gar nicht behagte Regina Bartusch (SPD) der Standort. Leistungen vom Bauhof und der Friedhofsverwaltung - da würde man im vorauseilenden Gehorsam viel Eigenverantwortung der künftigen Gartler abgeben. Auch Christine Geiger (CSU) kann sich nicht damit anfreunden, dass der Bauhof in das Projekt eingespannt werden solle. Sie wie auch Rüdiger Kammel (BfP) fragte mahnend an, wie es mit der Betreiberhaftung aussehe. Und überhaupt müsse ein Verein gegründet werden, denn schließlich brauche es im Fall des Falles einen Verantwortlichen. Das wiederum war Aleksandar Trifunovic (CSU) zu wenig "basisdemokratisch". Personen, die sich für ein solches Projekt engagieren, möchten kreativ sein. "Die wollen selbst gestalten", sagte er. Hochbeete okay, aber alles andere soll den künftigen Nutzern überlassen werden. Bartusch plädierte ebenfalls dafür, keine "starren Strukturen" zu schaffen.

Der Ausschuss einigte sich darauf, die Verwaltung möge die Interessenten fragen, wie sie sich den Gemeinschaftsgarten vorstellen. Wer noch mitmachen möchte, kann sich im Rathaus melden. "Es wird am Ende gut und wunderschön", sagte Völker-Rasor am Ende der Sitzung hoffnungsfroh.

Ob es in Penzberg so kreativ werden darf wie einst in Berlin? Pflanzen in recycelten Bäckerkisten, Tetra Paks und Reissäcken - Himmel, da sei die Betreiberhaftung vor!

© SZ vom 21.06.2021
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