Süddeutsche Zeitung

Reden wir über:"Zeitbomben im Wald"

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Forstwirt Florian Loher warnt vor den Folgen, die Sturm und Schneebruch nach sich ziehen.

Interview von Quirin Hacker, Wolfratshausen

Mit dem Wald kennt sich Diplom-Forstwirt Florian Loher gut aus. Er ist Geschäftsführer der Waldbauernvereinigung Wolfratshausen und erklärt, welche Spuren Sturm und Schnee im Wald hinterlassen haben.

SZ: Herr Loher, Borkenkäfer, Sturmschäden und Schneebruch - wird es den Wald in Zukunft überhaupt noch so geben, wie wir ihn kennen?

Florian Loher: Tatsächlich wird der Wald vielerorts ein anderes Gesicht bekommen, als wir es gewohnt sind. Die veränderten Witterungseinflüsse führen zu drastischen Veränderungen der Waldbilder, weil Baumarten verschwinden. In unserer Region herrscht Gott sei Dank eine etwas andere Situation als im Rest von Deutschland.

Welche denn?

Wir leben hier in einer halbwegs stabilen Zone. Durch die Alpen und die vorherrschende West-Nordwest-Wetterlage haben wir Stauniederschläge auf relativ gute Böden. Dass wir regelmäßig Wasser bekommen, ist die Lebensgrundlage schlechthin für den Wald. Trotzdem müssen wir beim Waldumbau ordentlich Gas geben und die Waldbestände mit Mischbaumarten verjüngen.

Wie schwer sind die Schäden, die das Sturmtief "Zoltan" an Weihnachten und der heftige Schneefall Anfang Dezember verursacht haben?

Der Sturm Zoltan hat nicht mehr Schäden hinterlassen als jedes andere etwas heftigere Unwetter. Anders sieht es mit dem Schneebruch aus. Als es am 2. Dezember so heftig geschneit hat, war es zugleich relativ warm. Viele Bäume haben die Schneelast nicht mehr ausgehalten. Besonders Nadelbäume sind betroffen. Durch Laubbäume kann der Schnee besser durchfallen, weil sie im Winter keine Blätter tragen. In unserem gesamten Vereinsgebiet südlich von München bis zur Tiroler Grenze liegt einiges an Baumspitzen am Boden. Solange der noch stehende Stamm ausreichend grüne Äste hat, kann er überleben. Allerdings ist er geschwächt und wird bevorzugt vom Borkenkäfer befallen.

Was müssen Waldbesitzer jetzt tun?

Jeder Waldbesitzer muss nach Schadbäumen suchen und einzeln entscheiden, ob sie gefällt werden müssen. Auf jeden Fall ist die Krone zu entfernen, die am Boden liegt. Sie ist der Ausgangspunkt für die Borkenkäfervermehrung. Es ticken jetzt lauter Zeitbomben im Wald. Bis Mai müssen die abgebrochenen Baumspitzen beseitigt werden, weil sich sonst die Borkenkäfer in ihnen vermehren. Waldhygiene ist die beste Daseinsvorsorge für den Forst, weil sie den Insekten nicht erlaubt, richtig Fuß zu fassen.

Besteht durch die Waldschäden Gefahr für Menschen?

Nach so einem Schneefall fahren Förster zuerst die Wege ab und nehmen beschädigte oder gefährliche Bäume heraus. Das schreibt die Verkehrssicherungspflicht vor. Ein bis zwei Wochen nach dem Schadereignis kann jeder nicht gesperrte Weg ohne Gefahr begangen werden. Aber jetzt kreuz und quer durch den Wald gehen, ist schon etwas risikoreicher als sonst. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, wie er sich fortbewegt. Auch Forstarbeiter haben jetzt ein höheres Risiko, sich zu verletzen. Einerseits durch Baumspitzen, die hängen geblieben sind. Andererseits ist das Fällen bei abgebrochenen Bäumen etwas komplizierter. Man muss noch sauberer arbeiten, damit der Stamm in die richtige Richtung fällt. Wenn man sich unsicher fühlt, sollte man in jedem Fall Profis ranlassen.

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