Süddeutsche Zeitung

Reden wir über:Regionalen Konsum

Adriane Schua will das Einkaufen fairer machen

Interview von Sophia Ulrich, Wolfratshausen

Die "Fairbraucher-Wochen" des Netzwerks "Unser Land", die nun bis Ende Oktober laufen, sollen Menschen in der Region für regionalen Konsum sensibilisieren. Adriane Schua, Vorsitzende der Solidargemeinschaft Oberland, erklärt, wie jeder durch bewussten Einkauf viel fürs Klima tun kann.

SZ:Frau Schua, im Supermarkt finden wir auch Produkte, die wir in der Region gar nicht bekommen können, zum Beispiel Avocados. Müssen "Fairbraucher" auf solche Lebensmittel verzichten?

Adriane Schua: Also grundsätzlich denke ich, dass der ganze Klimaschutz nicht funktionieren wird, wenn nicht jeder ein bisschen verzichtet. Ich denke aber, dass man sich solche Lebensmittel nicht komplett verbieten muss. Das Schlüsselwort ist "bewusst". Das heißt, man sollte sich bewusst machen, dass solche Lebensmittel mehr CO₂-Emissionen erzeugen als regionale Produkte.

Regionale Lebensmittel - heißt das, dass die gesamte Wertschöpfungskette in der Region liegen muss?

So ist es! Also jedenfalls ist es bei uns so. Unsere Wertschöpfung liegt komplett in der Region und wir definieren auch die Region relativ eng für uns, also in unserem Netzwerkgebiet. Und dort werden die Produkte von uns erzeugt, sie werden weiterverarbeitet und sie werden auch nur in der Region verkauft.

Welche regionalen Lebensmittel landen bei Ihnen im Einkaufswagen?

Also bei mir landet sehr viel Regionales im Einkaufswagen. Im Endeffekt fast alles, was wir bekommen aus der Region. Wir sind eine fünfköpfige Familie, da brauchen wir einiges. Bei uns gibt es aber auch mal Bananen oder Orangen, also im Endeffekt Dinge, die ich nicht von hier bekomme. Aber da achte ich dann auf eine gewisse Qualität, oder zum Beispiel, wenn es Produkte sind wie Schokolade, dann ist es für mich ganz klar, dass ich zu Fairtrade-Produkten greife. Und wir schauen, dass wir uns saisonal ernähren. Also dass wir nicht unbedingt Erdbeeren im Winter brauchen.

Haben Sie einen Tipp, den jeder Verbraucher einfach in den Alltag integrieren kann, um unsere Umwelt zu schonen?

Man kann versuchen, dass man nicht immer mit dem Auto zum Einkaufen fahren muss, kann da auch eine Sporteinheit einbauen und mit dem Fahrrad fahren. Man kann auch bei ganz einfachen Dingen darauf achten, zum Beispiel: Wie transportiere ich meinen Einkauf nach Hause? Indem ich mir eigene Einkaufstaschen mitbringe, auch für Obst und Gemüse Netze mitnehme. Ich sollte bewusst einkaufen und mir überlegen, wie viel ich brauche von einem Produkt und nicht bloß, weil es gerade im Sonderangebot oder günstiger ist.

Was erhoffen Sie sich von der Kampagne "Fairbraucher"?

Wir erhoffen uns, dass mehr Verbraucher zum "Fairbraucher" werden und unsere Tipps annehmen. Und dieses Bewusstsein bei der Bevölkerung zu schaffen, das liegt unserem Netzwerk am Herzen. Damit lösen wir natürlich nicht das gesamte Klimaschutzproblem, das ist schon klar! Aber irgendwo muss ich mal anfangen und jeder kann ganz einfach beginnen.

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Quelle:
SZ vom 15.09.2021
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