Reden wir über:Piksen nach der Predigt

Benjamin Idriz

Benjamin Idriz.

(Foto: Privat/oh)

Islamische Gemeinde Penzberg plant Impfaktion vor der Moschee

Von Sophia Ulrich, Penzberg

Benjamin Idriz trägt als Imam die religiöse Verantwortung für die Islamische Gemeinde Penzberg. Dazu gehört unter anderem die Leitung der täglichen Gebete, die Predigt am Freitag und der Religionsunterricht. Nun kommt ein weiteres Angebot hinzu: Vor der Moschee können sich Impfwillige bald ein Vakzin gegen Corona spritzen lassen.

SZ: Herr Idriz, diese Woche ist die bundesweite Impfaktionswoche. Gibt es in diesem Rahmen auch ein Impfangebot vor der Moschee in Penzberg?

Benjamin Idriz: Also, ich hatte Ende Juli persönlich ein Telefonat mit Staatsminister Herrmann. Dadurch ist entstanden, eine Impfkampagne zu machen, ein Impfangebot vor der Moschee. Das haben wir auch vor manchen Moscheen in München organisiert. Das war allerdings leider in der letzten Woche im Juli, in der viele Menschen auch weg waren. Für diese Woche haben wir kein Angebot bekommen. Wir werden schon an dieser Aktion teilnehmen und wir sind auch interessiert, dass wir nicht diesen Freitag, aber vielleicht schon nächsten Freitag ein Angebot anbieten für die Besucher der Moschee in Penzberg.

Glauben Sie, dass die Moschee als vertrauter Ort vielen Menschen auch das Impfen erleichtern kann?

Für einige glaube ich schon, auch wenn viele in meiner Gemeinde schon geimpft sind. Aber es gibt auch einige, die es entweder aus terminlichen Gründen nicht geschafft haben oder skeptisch sind. Und der Imam, also meine Person, kommt hier in eine wichtige Position. Wenn der Imam sagt: "Ich bin persönlich geimpft. Ich empfehle es euch allen, weil es schützt euch selbst und andere", vielleicht können dann einige davon überzeugt sein, dass die Impfung nicht so gefährlich ist, wie es in manchen Verschwörungstheorien verbreitet wird. Da werden sich dann einige nach dem Freitagsgebet vielleicht doch impfen lassen.

Sehen Sie sich selbst als Impfbotschafter?

Ich würde mich jetzt nicht als Impfbotschafter bezeichnen, sondern als jemanden, der versucht einen Beitrag für die Normalität des Lebens zu leisten. Wenn wir wieder zu einem normalen Leben zurückkehren wollen, dann ist meiner Überzeugung nach die Impfung eine wichtige Voraussetzung. Und vielleicht können wir durch diese Botschaft mehr Menschen gewinnen. Natürlich haben viele dieses normale Leben vermisst, so wie es vor Corona war. Je schneller wir impfen, desto früher bekommen wir unsere Freiheit zurück. Also ich sehe mich als Freiheitsbotschafter.

Wenn Sie jetzt auch eine Impfkampagne nächste Woche vor der Moschee in Penzberg hätten, inwieweit würden Sie und die Islamische Gemeinde Penzberg bei der Aktion mithelfen?

Wir werden natürlich vor Ort sein. Wir haben auch Whatsapp-Gruppen mit den Mitgliedern, wir haben auch Social-Media-Accounts und unsere Website. All das werden wir nutzen, um die Menschen zu motivieren, an dieser Kampagne teilzunehmen. Ich weiß nicht, wie viele das annehmen. Das muss ich hier betonen. Es sind auch sehr viele schon geimpft, auch Jugendliche. Aber für die, die skeptisch sind, werden wir noch einmal versuchen, diese Menschen zu gewinnen.

© SZ vom 17.09.2021
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