Als Inklusions- und Sozialplanerin am Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen setzt sich die 34-jährige Maria-Kristin Kistler seit 2018 für barrierefreie und inklusive Strukturen ein. In einer Info-Veranstaltung beleuchtete sie die Chancen und Hürden für inklusive Spielplätze im Landkreis. Ein Gespräch über notwendige Schritte, das Potenzial inklusiver Räume und die Bedeutung eines grundlegenden Bewusstseinswandels.
SZ: Frau Kistler, wenn Sie im Rollstuhl säßen – welchen Spielplatz im Landkreis würden Sie heute besuchen?
Maria-Kristin Kistler: Schwierig … Also mir fällt keiner sofort ein. Ich weiß, dass wir vereinzelt Spielplätze mit inklusiven Spielgeräten haben, aber keinen, der wirklich von vorn bis hinten inklusiv ist. Deswegen würde ich zu unseren Nachbarn nach Miesbach fahren, weil die einen zu etwa 95 Prozent barrierefreien und inklusiven Spielplatz haben.
Woran liegt es, dass der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen da weniger gut abschneidet?
Ich würde sagen, dass alle Landkreise gleichermaßen nicht gut abschneiden. Das Thema ist einfach nicht so präsent in den Köpfen, dass es flächendeckend umgesetzt wird. Außerdem sind Inklusion und Barrierefreiheit natürlich immer ein Thema der Finanzen – dabei gibt es Studien im Bereich des Wohnungsbaus, die zeigen, dass barrierefreies Bauen höchstens zwei Prozent an Mehrkosten verursacht.
Wie relevant sind inklusive Spielplätze überhaupt?
Meiner Meinung nach sehr wichtig, weil es um das Bewusstsein für inklusive und barrierefreie Themen geht. Die meisten stellen sich Rollstuhlfahrer vor, aber Behinderungen können auch Sinnesbehinderungen, kognitive oder seelische Behinderungen sein. Ein inklusiver Spielplatz sollte für alle Behinderungen gestaltet sein. Der Spielplatz ist wichtig, weil er ein Ort der Begegnung ist, für Menschen mit und ohne Behinderung, über Generationen hinweg. Spielplätze sind ein idealer Ort, unsere Gesellschaft zu sensibilisieren.
Was ist Ihrer Meinung nach die größte Hürde für die Umsetzung wirklich barrierefreier Spielplätze im Landkreis?
Die Wichtigkeit von Inklusion ist in den Köpfen der Entscheidungsträger und der Bevölkerung vor Ort oft nicht ausreichend präsent. Es gibt zwar Initiativen, Spielplätze neu zu gestalten, aber die meisten denken dabei an naturnahes Spielen. Dabei wird oft vergessen, dass es auch Kinder mit Behinderungen gibt, die gerne mitspielen möchten. Der Fokus liegt dann auf Themen wie bestimmten Baumsorten oder Hackschnitzel als Bodenbelag, weil das naturnah ist – dadurch werden inklusive Aspekte jedoch benachteiligt.
Wie ist der Planungsstand zu inklusiven Spielplätzen im Landkreis?
Da gibt es keinen Planungsstand, weil das in der Zuständigkeit der jeweiligen Gemeinde oder Stadt liegt. Ich weiß aber von ein paar Gemeinden, die sich auf den Weg gemacht haben.
Wie stellen Sie sich den perfekten inklusiven Spielplatz der Zukunft vor?
Es gibt das schöne Motto: Nicht alle müssen alles tun können, aber jeder sollte zumindest etwas tun können. Wenn ich mir den inklusiven Spielplatz vorstelle, dann fängt es mit dem barrierefreien Zugang an. Auf der Fläche sollten Wege und Zugänge zu den Geräten barrierefrei sein, auch mit Farbgestaltung und Leitlinien für Sinnesbeeinträchtigte und Menschen mit kognitiven Einschränkungen. An den Spielgeräten selbst sollten alle zumindest einen Teilbereich nutzen können, sodass gemeinsames Spiel möglich ist. So stelle ich mir den inklusiven Spielplatz vor – belebt und genutzt.
