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Reden wir über:Corona-Prämie für Pflegekräfte

Wilfried Bogner, Leiter des Alten- und Pflegeheims in Schäftlarn.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Altenheimleiter Wilfried Bogner weist auf Mängel hin

Interview von Marie Heßlinger

In der Corona-Krise ist die Arbeit von Pflegekräften in den Fokus öffentlicher Aufmerksamkeit gerückt Die Wertschätzung soll nun finanziell zum Ausdruck kommen: Bis 30. Juni können Pflegekräfte beim Bayerischen Staat einen Antrag auf eine einmalige Bonuszahlung von 500 Euro stellen. Zudem sollen im ganzen Bund Mitarbeitende von Altenheimen, je nach Funktion, Prämien von bis zu 1000 Euro erhalten, finanziert aus den Pflegekassen. Wilfried Bogner (), Leiter des Alten- und Pflegeheims in Schäftlarn, sieht das kritisch: Die unterschiedlichen Boni könnten die Teams spalten.

SZ: Herr Bogner, was halten Sie von den Boni für Pflegekräfte?

Wilfried Bogner: Zunächst einmal ist es schön, dass es dieses Zeichen der Wertschätzung gibt. Ich freue mich für jeden Mitarbeiter, der jetzt plötzlich über mehr Geld verfügt.

Aber?

Das ist ein einmaliger Bonus, das ist nicht nachhaltig. Als Begründung wird unter anderem angeführt, dass er den Wunsch fördern soll, den Pflegeberuf zu ergreifen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das funktioniert. Wir brauchen langfristige Änderungen. Und das Zweite, was ich kritisiere: die Differenzierung nach Berufsgruppen.

Bei den Bonuszahlungen werden nicht alle Mitarbeiter berücksichtigt?

Genau. Beim Bayerischen Pflegebonus bekommt die Pflege was, aber Hausmeister und Küchenkräfte zum Beispiel gehen leer aus. Bei der Pflegeprämie vom Bund sind andere Berufsgruppen berücksichtigt, aber in einem abgestuften Modell. Pflegekräfte bekommen 1000 Euro, die zweite Kategorie 676 Euro, die dritte Kategorie, zum Beispiel Hauswirtschaft und Verwaltung, 334 Euro.

Was daran ist schwierig?

Es wird damit automatisch eine Wertigkeit von Tätigkeiten impliziert. Ich habe es so erlebt, dass alle in der Corona-Krise ihre Tätigkeiten als großes Team erfüllen. Jeder hat seine Aufgaben, und keiner kann sie erledigen, wenn nicht der andere seinen Teil erfüllt. Jeder Mitarbeiter hat sich deutlich und massiv eingesetzt. Jeder hat riskiert, dass er sich vielleicht ansteckt. Jeder hat in seiner Freizeit darauf geachtet, dass er seine sozialen Kontakte reduziert. Ich habe zum Beispiel von einer Mitarbeiterin erfahren, die acht Wochen nicht selbst einkaufen war. Die Mitarbeiterinnen aus der Verwaltung waren an den Abenden länger da, haben am Telefon die verzweifelten Angehörigen betreut. Die Hauswirtschafterinnen haben sich engagiert über die Maßen, die Köchinnen haben für 70 Leute mehr gekocht, als Herr Söder gesagt hat, dass alle Mitarbeiter im April und Mai das Essen umsonst bekommen. Man könnte quer durch alle Bereiche gehen. Ich befürchte, dass dieser Teamgedanke, der in den letzten Monaten ganz, ganz stark war, jetzt Risse bekommt.

Wie haben Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Ankündigung des Bonus reagiert?

Nach Berufsgruppe differenziert. Alle, die in der Pflege tätig sind, haben sich natürlich gefreut. Neulich habe ich eine Mitarbeiterin im Gang angesprochen, ob sie etwas machen kann. Sie meinte: "Ja, das mache ich natürlich, obwohl ich nur Kategorie drei bin." Aus Küche, Haus höre ich schon auch: "Schade."

Hat sich zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwas verändert?

Das konnte ich Gott sei Dank noch nicht wahrnehmen.

© SZ vom 30.06.2020
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