bedeckt München 11°

Reden wir über:Abitur im zweiten Corona-Jahr

Daniel Tonnar

Abifrust: Daniel Tonnar kritisiert die Staatsregierung.

(Foto: privat/oh)

Der Ickinger Abiturient Daniel Tonnar kritisiert die Krisenpolitik in Bayern.

Von Marie Heßlinger

Daniel Tonnar aus Schäftlarn ist im Abiturjahrgang des Ickinger Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums. Der 17-Jährige hat im Frust über den Umgang mit seiner Abschlussklasse den Anstoß zu einen offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) und das Direktorat seiner Schule gegeben. Seine Stufe fordert darin mehr Planungssicherheit.

SZ: Herr Tonnar, wie geht es Ihnen zur Zeit?

Daniel Tonnar: Gesundheitlich geht es mir super, ich habe Corona schon im September hinter mir gelassen. Aber als Schüler fühle ich mich total im Stich gelassen. Jeden Morgen kommen neue Infos - wir wissen nicht, wie es mit den Klausuren weitergeht. Wir machen weiter mit neuem Stoff, obwohl Klausuren für den alten Stoff noch ausstehen. Und wir wissen nicht, ob der Online-Unterricht nicht verlängert wird und die Nachholklausuren noch einmal verschoben werden. Wir Schüler sind der Situation komplett ausgeliefert - und das fühlt sich nicht gut an.

Was ist denn Ihrer Meinung nach alles schief gelaufen bei der Corona-Schulpolitik?

Für mich ist ziemlich viel schief gelaufen. Die Lernplattform Mebis funktioniert ganz oft nicht. Als wir unsere Seminararbeiten in den letzten Zügen koordiniert haben, ist Mebis vier Tage lang komplett ausgefallen. Das war ziemlich blöd für uns. Ich bin Halbspanier und kann mich auf Spanien beziehen: Warum funktioniert der Online-Unterricht dort und hier oft nicht? Zoom ist dort zum Beispiel erlaubt, hier wegen Datenschutz nicht. Hier machen wir dann lieber keinen Unterricht. Oder ein anderes Beispiel: Nach den Ferien kam ungefähr die Hälfte der Klasse nicht in den Onlineraum "Big Blue Button" rein. Zwei Lehrer haben beschlossen, den Unterricht trotzdem durchzuziehen. Die Schüler, die nicht reinkamen, mussten sich den Rest selbst erarbeiten. Je nach Fach ist das schwierig. Man sieht irgendwelche Formeln und ist damit alleine. Und damit wir den verpassten Stoff nachholen, wurden die Faschingsferien gestrichen. Dabei wären Ferien gut, um mal runterzukommen von dem ganzen Stress, oder um uns wirklich mal auf unser Abitur vorzubereiten.

Sie haben den Anstoß zu einem offenen Brief gegeben. Was fordert Ihre Stufe da?

Ich würde lieber nur für mich sprechen, weil die Meinungen in unserer Stufe zum Teil auseinander gehen. Was mich am meisten stört, ist diese ständige Ungewissheit. Meine Hauptforderung ist, den Unterrichtsstoff zu kürzen. Es ist nicht schlimm, wenn ein Jahrgang mal ein Thema nicht behandelt. Als Starttermin für die Abiprüfungen ist vorläufig jetzt zwar der 12. Mai vorgesehen, ich erachte es aber für falsch, die Abiturtermine immer weiter nach hinten zu schrieben, weil wir auch Pläne haben.

Was sind Ihre Pläne nach dem Abi?

Meine Pläne wären es, mit der ganzen Stufe unseren wohl verdienten Abiball zu feiern; alle ein letztes Mal zusammen zu sehen; zu feiern, dass man das alles geschafft hat. Und mit sieben Menschen möchte ich in einem VW-Bus und einem zweiten Auto eine Europatour machen.

© SZ vom 19.01.2021/aip
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema