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Reden wir über:Abendgebete mit jungen Talenten

Pfarrer Florian Gruber.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Pfarrer Florian Gruber lädt zu besonderen Adventsfeiern ein

Interview von Stephanie Schwaderer

In der evangelischen Kirche Sankt Michael in Wolfratshausen wird nicht nur gebetet. Seit 23 Jahren erfreut Pfarrer Florian Gruber () seine Gäste mit Jazz-, Gospel- und Klassikkonzerten. Nachdem die Corona-Pandemie auch dieser Tradition vorübergehend ein Ende gesetzt hat, bietet die Kirchengemeinde in der Adventszeit erstmals "musikalische Abendgebete" an. Zum Auftakt am Samstag, 28. November, spielen zwei Stipendiatinnen von Live Music Now.

SZ: Herr Gruber, denken Sie, der Ministerpräsident wäre mit Ihren musikalischen Abendgebeten einverstanden?

Florian Gruber: Gottesdienste mit Musik sind offiziell erlaubt, und es spricht wohl nichts dagegen, dass zwei Geigerinnen, die den vorgeschriebenen Mindestabstand einhalten, zusammen auf der Bühne stehen. Unsere ehemalige Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler hat ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Kirchen Kulturschaffenden ein Podium bieten sollen. Das war nun nicht mein Hauptantrieb, aber es hat mich bestätigt.

Was war denn Ihr Hauptantrieb?

Ereignissehnsucht. Ich liebe es, Konzerte zu organisieren. Derzeit leben wir in einer musikalischen Dürrezeit. Da empfand ich es als eine schöne Gelegenheit, die Adventsabende entsprechend auszugestalten. Allerdings werden das keine Konzerte, sondern Gottesdienste mit Psalm, Lesung, Gebet und Segen. Dazwischen erklingen anspruchsvolle Werke. Musik bietet ja auch eine ganz eigene Chance zur Besinnung.

Am Samstag spielen die Japanerin Miwatashi Fuga und die Koreanerin Kwak Gyurim. Haben Sie sich mit den beiden abgesprochen?

Nicht im Detail. Bei der Auswahl der Stücke lasse ich ihnen weitgehend freie Hand. Gemeinsam werden wir etwa eine Stunde gestalten, den Textteil halte ich eher kurz. Was ich an diesem Abend nicht hören möchte, sind Opernmelodien. Aber es darf gerne Instrumentalmusik sein, die nicht spezifisch auf einen geistlichen Text Bezug nimmt.

Steht das Programm der weiteren Abende auch schon fest?

Ja, und das, obwohl wir nicht viel Zeit hatten - der Gedanke zu den Adventsabenden ist mir erst am vergangenen Wochenende gekommen. Dank unserer guten Kontakte zur Stiftung Yehudi Menuhin - Live Music Now konnten wir drei weitere Duos mit unterschiedlicher Instrumentierung gewinnen.

Wie viele Leute bringen Sie coronakonform in der Kirche unter?

Wir werden die Faltwand zum Gemeindesaal öffnen, damit haben locker um die 80 Gäste Platz, auch wenn in der Kirche nur jede zweite Bank besetzt ist. Ein Nachteil bei den hinteren Plätzen im Gemeindesaal ist, dass man keinen Blick auf die Musikerinnen hat. Mal sehen, wie das bei den Leuten ankommt. Es ist ja eine Premiere.

Und an Weihnachten?

Da feiern wir draußen auf der großen Wiese hinter der Kirche - wie die Hirten auf dem Feld! Es gibt ein Krippenspiel und eine Christvesper. Die Stadt stellt uns Pavillons für die Mitwirkenden und Musiker zur Verfügung und die Feuerwehr einen Leuchtballon. Dann können gerne zweimal mehr als 200 Leute kommen.

Musikalisches Abendgebet, Samstag, 28. November, 19 Uhr, Sankt Michael, Wolfratshausen

© SZ vom 26.11.2020
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