Gegen Rechtsextremismus:Täglicher Kampf für Demokratie

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Ihre künftige Strategie besprach die Initiative "Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt". V.l.: Manuela Barm, Martina Schmid, Martin Lorenz, Lucia Schmidt, Hans Gärtner, Hans Schmidt und Jaron Pfannenstiel. (Foto: Hartmut Pöstges)

Die Initiative „Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt“ will neben Demos und Aktionen künftig mehr auf soziale Medien und persönliche Gespräche setzen.

Von Christa Gebhardt, Geretsried

Wer sind diese Menschen, die sich für Demokratie und für Vielfalt einsetzen, die sich gegen Rechtsextremismus und Faschismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus aussprechen, die für die demokratischen Grundrechte und ein respektvolles Miteinander kämpfen? Sie kommen überall in Deutschland in Bündnissen und Demonstrationen zusammen, seit die AfD erstarkt, vermehrt seit dem Geheimtreffen in Potsdam mit ihrem „Remigrationsprojekt“, erst recht nach den Ergebnissen der Europawahl. Eine Initiative „Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt“ gibt es auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Auch sie besteht aus ehrenamtlich engagierten Personen unterschiedlicher Herkunft.

Sie treffen sich regelmäßig, zuletzt voriges Wochenende zu einem Organisationsmeeting in der Mitmach-Werkstatt „Nagel und Faden“ in Geretsried-Stein – in jedem Stadtteil mithin, wo es die meisten Stimmen für die AfD gegeben hat. Die Mitmach-Werkstatt ist ein passender Ort für ein solches Meeting, denn mitmachen kann hier jeder – und es werden immer mehr. Das ist die Erfahrung von Hans Schmidt, Stadtrat der Grünen in Wolfratshausen. Diskutiert wird bei dem Treffen vor allem über die Frage: „Wie machen wir weiter?“

Herzaktion, Sternfahrt und Lichterdemonstration

Aber zunächst wirft die Gruppe einen Blick zurück auf die bisherigen acht Aktionen: Was hat funktioniert und was nicht? Ein großer emotionaler Erfolg sei die Herzaktion mit Symbolcharakter gewesen, sagt der katholische Religionslehrer Martin Lorenz, der Leiter des Bündnisses. Dazu hatten sich die Teilnehmenden der Initiative „Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt“ auf dem Sportplatz der Hammerschmiedschule in Wolfratshausen in Form eines Herzens aufgestellt und auf Instrumenten, Kochtöpfen und Eimern getrommelt. Mit dabei war Rentnerin Resie Harth, die früher als Krankenschwester und Pflegeschulleiterin tätig war und nun rührige Umweltaktivistin ist. Als „berührend, ernsthaft, aufwühlend“ fasst Lucia Schmidt die vierte Aktion des Bündnisses zusammen: eine Sternfahrt zum Todesmarsch-Mahnmal in Buchberg unternommen hat. Die ehemalige Kreisrätin engagiert sich unter anderem beim Erinnerungsort Badehaus in Waldram. Eine weitere Aktion, die funktionierte, sei die Lichterdemonstration gewesen – da sind sich alle einig. Dagegen war die Fahrraddemo in Geretsried nicht jedermanns Sache gewesen. Fazit: Die Initiative will auf kommunaler Ebene weiterhin unterschiedliche Zielgruppen ansprechen – und das mit abwechslungsreichen Aktionen.

Als großen Erfolg wertet die Initiative die Herz-Aktion, die im März auf dem Sportplatz der Hammerschmiedschule in Wolfratshausen stattfand. (Foto: Hartmut Pöstges)

Nur: Wie sollen die aussehen? In der Mitmach-Werkstatt ist man sich einig, dass klassische Demonstrationen gut ankommen, ebenso Aktionen mit bekannten Personen aus der hiesigen Künstlerszene. Und Podiumsdiskussionen? Vorträge, die auf Fakten und Zahlen basieren? Da sind Martin Lorenz, Hans Schmidt, Hans Gärtner oder Günter Stettner und Martina Schmid ganz unterschiedlicher Meinung. Podiumsdiskussionen seien was für Ü50-Besucher, meinen die Kritiker unter ihnen. Aber: Wie kommt man an die Jugend heran, die – nicht ganz – unerwartet viele Stimmen für die AfD abgegeben hat? Da die Mehrheit der Initiative eher der Eltern- und Großelterngeneration angehört, fehlt es etwas an der Kompetenz, was soziale Medien betrifft. Auf Facebook ist das Bündnis zwar vertreten. Doch „Instagram wäre wichtig“, findet Manuela Barms. Der 16-jährige Gymnasiast Jaron Pfannenstil meldet sich zu Wort und will sich mit seinem Freund Merlin um die Social-Media-Präsenz kümmern. Jaron, der gerne mehr junge Menschen im Bündnis dabei hätte und sich in der Grünen-Jugend engagiert, findet Instagram okay, Tiktok lehnt er ab.

Als wichtige Vorgabe für die Zukunft formuliert die Initiative: Überall dort, wo man lebt und arbeitet, will man Ängste abbauen, genauso die Unsicherheit darüber, was man darf und was nicht. Das gelte zum Beispiel für Vereine oder auch für Lehrkräfte, die sich in der Schule für Demokratie engagieren, sagt Lorenz. Er selbst, räumt der Religionslehrer ein, habe Ängste um seine berufliche Zukunft gehabt, sei jedoch von seiner Schule unterstützt worden. Ein großes Etappenziel für Aktionen wird die Bundestagswahl im Herbst 2025 sein. Vorher wollen die Mitglieder der Initiative „Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt“ vor Ort und im Alltag auf aktuelle Ereignisse mit gezielten Veranstaltungen reagieren. Mitmachen erwünscht, sagen sie.

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