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Ratsstuben Geretsried:Vom Brüll- zum Säuselmeier

Die Loisachtaler Bauernbühne spielt "Hochwürden auf der Flucht" - ein Stück mit vielen Turbulenzen und vertrauten Ritualen

Im Nebenraum der Kirche tragen sich Dinge zu, die in hohem Maße ungehörig sind. Und dann noch diese Nachricht der Haushälterin: "In der Sakristei, da liegt a Leich." Lisa Richter, Darstellerin der Loisachtaler Bauernbühne, schreit es hinaus in den Bühnenraum der Geretsrieder Ratsstuben. Doch Hochwürden, oder besser Merkwürden, geruhen, gelassen zu bleiben. Das Birett zurecht gerückt und erst einmal verschwinden, lautet wie immer seine Devise. Denn Hochwürden, zappelig und stets ein wenig entrückt, amüsant dargestellt von Andreas Wastian, ist auf der Flucht vor der harten Wirklichkeit des Lebens und vor seiner Gemeinde im allgemeinen. "Hochwürden auf der Flucht" heißt denn auch die bayerische Kriminalkomödie, die sich die Loisachtaler Bauernbühne zur nunmehr 38. Spielsaison ausgesucht hat.

Franz Foitzik, ein leidenschaftlicher Laien-Mime, muss in diesem Stück einiges über sich ergehen lassen: Gefühlte Ewigkeiten muss er still sitzen mit einer Kappe und einer Decke über dem Kopf, muss gegen die Wand laufen, vom Sofa fallen und zuletzt auch noch eine Art Waterboarding durchstehen. Damit soll Foitzik, alias Hermann Brüllmeier, wieder zum Leben erweckt werden. Denn er ist nicht nur in der Sakristei beim Liebesspiel mit der verheirateten Nachbarin Marion Herr (Melanie Tobian) unglücklich gestürzt und dabei ohnmächtig geworden, sondern hat auch noch andere Kopfverletzungen erlitten.

Andreas Wastian spielt den Pfarrer, der sich ungern mit seiner Haushälterin (Lisa Richter) und der harten Realität befasst.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Schadenfreude mag darüber nicht so recht aufkommen, obwohl dieser Brüllmeier als frisch gewählter Pfarrgemeinderatsvorsitzender ein echter Kotzbrocken ist. "Wem Gott gibt ein Amt, dem raubt er den Verstand" - so könnte man ein Sprichwort auf ihn ummünzen.

Wie er da so fällt und sitzt, während der hastige Pfarrer über die Bühne huscht, Türen und ein Schrank auf- und zugeschlagen werden - all das gefällt vor allem einigen Kindern, die laut losprusten. Aber auch erwachsene Zuschauer gehen voll mit an diesem turbulenten Theaterabend. Das Ensemble spielt mit Herzblut, hohem Tempo und Textsicherheit. Allesamt sind sie echte Komödianten. Der Mesner (Michael Hanak) trumpft auf, die schwangere Eva Brüllmeier (Melissa Demmel) und ihr Verlobter Robert Herr (Tom Janoschi) spielen überzeugend und mit Witz und Pfiff, und die Brüllmeier-Geliebte Marion Herr (Melanie Tobian) agiert resolut und wie gewohnt temperamentvoll. Der einzig ruhigere Part wird von Monika Schwenger, alias Kathi Brüllmeier, dargestellt.

Franz Foitzik muss sich derweil als bewusstloser Lüstling in einen Schrank sperren lassen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Es wird nicht nur Theater gespielt, dass sich die Bretter biegen, bei den Loisachtalern gibt es auch Rituale: eine Rose für die Damen im Publikum, ein Schnäpschen für die Herren, Musik mit den Schützenrieder Musikanten und ein Prolog von Wiggerl Gollwitzer, der die gute Laune anfacht. Das Stück über Doppelmoral, Feigheit, Machthunger, Bosheit und Läuterung des Brüllmeiers, der zum Säuselmeier wird, unterhält das Publikum offenbar gut. Es gibt nicht nur am Schluss, sondern auch immer wieder nach einer gelungenen Szene Applaus - auch das ein liebenswürdiges und vertrautes Ritual.

Weitere Vorstellungen am 18., 19., 25., und 26. Oktober in den Geretsrieder Ratsstuben, 23. November in der Loisachhalle Wolfratshausen, Beginn freitags und samstags 20 Uhr, sonntags 18 Uhr