Ramadam im Badehaus "Da ist Jahrzehnte nichts geschehen"

Zahlreiche Freiwillige richten das historische Badehaus in Waldram her. Am Tag des offenen Denkmals können Interessierte das vom Abriss gerettete Gebäude erstmals besichtigen

Von Barbara Szymanski

Es scheppert und kracht in Waldram. Ein ungewohnter Lärmpegel in diesem beschaulichen Stadtteil am Samstagmorgen um 9 Uhr. Harald Stebner holt mit einem großen Hammer aus und zerlegt einen Hängeschrank aus vergilbtem 1970er-Resopal mit zwei Hieben. "Fast wie Ude beim Bieranstich auf dem Oktoberfest", findet er und nimmt sich ein weiteres Teil vor. Was wie sinnlos waltende Kräfte aussieht, hat einen ernsten Hintergrund: Ramadama im ehemaligen Badehaus am Kolpingplatz, damit sich Interessierte die künftige Gedenk- und Begegnungsstätte am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, ohne Schmutz und unansehnliche Möbel anschauen können.

Beim Fensterputzen: Sybille Krafft ist Vorsitzende des Badehausvereins.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Eingefunden haben sich für die Entrümpelung schon am Morgen 20 mit Eimern, Besen und Gummihandschuhen ausgerüstete Helfer. Sybille Krafft, Vorsitzende des 210 Mitglieder zählenden Vereins "Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald" bietet einen ungewohnten Anblick mit ihrer Kittelschürze und geschultertem Besen. Schon nach kurzer Zeit verkündet sie: ein Zimmer sei besenrein, die blinden Fenster geputzt. Davon gibt es viele in dem dreigeschossigen Haus mit aufgerundet 600 Quadratmetern.

Das markante langgezogene Gebäude ist als Teil einer nationalsozialistischen Mustersiedlung als Aufenthalts-, Wohn- und vor allem als Badehaus errichtet worden, erklärt Kreisheimatpflegerin Maria Mannes in einer Pause. Während des Zweiten Weltkriegs wuschen sich hier Zwangsarbeiter die giftigen Rückstände aus den Munitionsfabriken in Geretsried ab. Nach 1945 konnten Überlebende des Holocaust in diesem Haus ein jüdisches Ritualbad einrichten. Das allerdings schüttete später der neue Eigentümer, das Katholische Siedlungswerk, zu. Das stellt nun den Knackpunkt dar, ob die Behörden das Badehaus als Denkmal anerkennen, sagt Mannes.

Am sieben Kubikmeter Abfall fassenden Container entsteht ein Stau von Helfern, die allerlei Möbel dort hineinwerfen möchten. Auch Florian Heider schleppt und zerhackt. Der 16-Jährige ist Mitglied des Badehausvereins und bekennt sich "ausdrücklich zum Erhalt eines Stücks Geschichte wie dem Badehaus". So wie Andreas Weinert, der in Waldram großgeworden ist, oder Wolfgang Saal, Vorsitzender der Siedlungsgemeinschaft, die sich vor der Gründung des Badehausvereins ebenso vehement wie der Historische Verein gegen den Abriss des Gebäudes gestemmt hatte: "Wir Siedler wollen uns nicht gegen die Entwicklung von Waldram stellen. Doch dieses ortsbildprägende Badehaus muss erhalten bleiben."

Ernst Gruber (von links), Bernd Schreiber und Dieter Zink bringen alte Möbel zum Sperrmüll-Container

(Foto: Hartmut Pöstges)

Vom Seiteneingang her verlangt Paul Brauner, bis 2002 Zweiter Bürgermeister und nun Vorstandsmitglied vom Badehausverein, nach Säcken für Aufräumarbeiten im Garten: "Wahnsinn, da ist Jahrzehnte nichts geschehen." Rüdiger Lorenz, Filmemacher aus Icking, und sein Sohn Philipp haben anderes im Sinn: Sie lassen eine professionelle Kamera schweifen über die Geländestruktur, das Badehaus und die schuftenden Menschen. Was mit diesen Filmaufnahmen geschieht, weiß Lorenz noch nicht. "Ich möchte die Anfänge des Erhalts dieses Geschichtszeugnisses einfach mal festhalten", sagt er.

Dazu kann Sybille Krafft nur nicken. Sie sehe die Entrümpelung als ersten Schritt. Viele weitere Schritte würden folgen wie die Anerkennung als Denkmal oder die umfangreichen Umbauten in mehreren Abschnitten. "Ich habe das Projekt schon ganz lebensnah vor Augen", sagt Krafft.