LiteraturgeschichteErinnerung an den Rilke-Sommer

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Annekatrin Schulz (links) präsentiert die Gedenktafeln, Wiggerl Gollwitzer die Neuauflage des Wolfratshauser Boheme-Buchs. Im Hintergund: Rainer Maria Rilke, der Architekt August Endell (sitzend) und Lou Andreas-Salomé in der Laube der Lutz-Villa.
Annekatrin Schulz (links) präsentiert die Gedenktafeln, Wiggerl Gollwitzer die Neuauflage des Wolfratshauser Boheme-Buchs. Im Hintergund: Rainer Maria Rilke, der Architekt August Endell (sitzend) und Lou Andreas-Salomé in der Laube der Lutz-Villa. (Foto: Manfred Neubauer)
  • Zum 150. Geburtstag Rilkes am 4. Dezember stellt Wolfratshausen zwei neue Gedenktafeln für den Dichter und Lou Andreas-Salomé auf.
  • Die Tafeln erinnern an den Liebessommer 1897, den der 22-jährige Rilke mit der 14 Jahre älteren Intellektuellen im Wolfratshauser Bergwald verbrachte.
  • Eine Tafel steht vor der verwaisten Lutz-Villa, die andere am abgerissenen Fahnensattlerhaus, wo das Paar damals auch wohnte.
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Zum 150. Geburtstag des weltweit gefeierten Dichters Rainer Maria Rilke poliert auch die Stadt Wolfratshausen die Erinnerung an einen ihrer prominentesten Gäste auf.

Von Stephanie Schwaderer, Wolfratshausen

Auf den ersten Blick sind sie eher unspektakulär: zwei auberginefarbene Tafeln, vom Format her etwas größer als eine Aktenmappe. Aber sie haben es in sich. Sie erinnern an ein außergewöhnliches Paar, das 1897 einen Liebessommer im Wolfratshauser Bergwald verbrachte – den 22-jährigen Rainer Maria Rilke und die 14 Jahre ältere Intellektuelle Lou Andreas Salomé. Zum 4. Dezember, dem 150. Geburtstag Rilkes, poliert die Stadt Wolfratshausen die Erinnerung an jene Monate auf, die Rilke und mit ihm die Literaturgeschichte geprägt haben.

Die eine Tafel steht künftig vor der Lutz-Villa, einem schmalen, dreistöckigen Häuschen, das dem Liebespaar als erste Unterkunft in Wolfratshausen diente. Seit einiger Zeit ist das Anwesen verwaist. Die Laube, in der die berühmteste Fotografie jenes Sommers entstanden ist, gibt es schon lange nicht mehr. Zuletzt war auch die Gedenktafel von der Hauswand verschwunden. Ein Rilke-Fan ersetzte sie im Sommer kurzerhand durch einen Fotoausdruck, den er mit Kabelbindern an der Pforte befestigte. Nun kann das Provisorium wieder abgenommen werden.

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„Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn“: Rainer Maria Rilke war 22 Jahre alt, als er 1897 mit Lou Andreas-Salomé in Wolfratshausen einen prägenden Sommer erlebte. Nun jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal – und im Bergwald wäre wieder ein Liebhaber gefragt.

SZ PlusVon Stephanie Schwaderer

Annekatrin Schulz, Leiterin des Stadtmuseums, hat die neue Lutzhaus-Tafel konzipiert. Diese ist klar gestaltet, zeigt das Anwesen und zwei kleine Porträtfotos und beschränkt sich auf wenige Daten und Fakten. War Andreas-Salomé auf dem Vorläufermodell noch als „Gefährtin“ Rilkes bezeichnet worden, wird sie nun als Schriftstellerin und Psychoanalytikerin benannt. „Sie war ja eine eigenständige Frau, keine Gefährtin“, sagt Schulz. Wer mehr über die Geschichte des Hauses und des Paares erfahren möchte, wird auf das Museum verwiesen. Dort ist der Wolfratshauser Boheme ein eigener Raum gewidmet – mit eindrücklichem Lauben-Foto.

Die Gedenktafeln für das Fahnensattlerhaus und das Lutzhaus im Museum Wolfratshausen.
Die Gedenktafeln für das Fahnensattlerhaus und das Lutzhaus im Museum Wolfratshausen. (Foto: Manfred Neubauer)

Die zweite Tafel steht dort, wo heute nur noch rudimentäre Reste des sogenannten Fahnensattlerhauses zu erkennen sind. Es wurde 1972 abgerissen. Zu Rilkes und Andreas-Salomés Zeiten war es als „Haus Loufried“ bekannt. Die beiden zogen nach vier Wochen in der Lutz-Villa in das einstöckige Häuschen um, das zehn Jahre später der Maler Hermann Neuhaus kaufen sollte. Er lebte dort mit seiner Frau bis zu seinem Tod 1941.

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Das Motto, unter dem beide Tafeln stehen, lautet „Orte erzählen Geschichte“. Schulz möchte sich offenhalten, eine ganze Serie zu schaffen. Stoff gäbe es in Wolfratshausen reichlich. Davon zeugt auch das Buch „Bürgertum und Boheme – Die Wolfratshauser Bergwaldvillen und ihre Bewohner“ des Historischen Vereins Wolfratshausen. Es wurde 2005 herausgegeben und war seit einigen Jahren vergriffen. „Zum Rilke-Geburtstag haben wir uns eine neue Auflage geleistet“, sagt Wiggerl Gollwitzer, der den Historischen Verein zusammen mit Annekatrin Schulz leitet. Natürlich gibt es darin auch ein Kapitel über die Lutz-Villa, kenntnisreich verfasst von dem Wolfratshauser Literatur-Experten Edgar Frank. Es dürfte nicht das letzte sein, das über den Sommer 1897 in Wolfratshausen geschrieben wurde.

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