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Mobil in Bad Tölz-Wolfratshausen:Landkreis will Radwegenetz ausbauen

Bilder, die hoffentlich bald der Vergangenheit angehören: Radler sollen im Landkreis nicht mehr auf den Straßen fahren müssen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Infrastrukturausschuss diskutiert über mehr Radmobilität im Landkreis - nicht nur für touristische Zwecke, sondern auch im Alltag.

Von Alexandra Vecchiato, Bad Tölz-Wolfratshausen

In den Fachausschüssen des Kreistags werden derzeit die jeweiligen Budgets diskutiert, die am Ende in den Gesamthaushalt für dieses Jahr einfließen. Im Infrastrukturausschuss gab Sachbearbeiterin Katharina Mair einen Überblick, welche Kreisstraßen 2021 saniert werden sollen. Doch die Arbeiten an den Verkehrswegen, für die der Landkreis zuständig ist, standen nicht im Mittelpunkt, vielmehr dafür der dringende Ausbau des Radwegenetzes.

900 000 Euro investiert der Kreis dieses Jahr in die Fahrbahnerneuerung der TÖL 7. Für weitere 1,4 Millionen Euro wird die TÖL 13 zwischen Reichersbeuern und der Bundesstraße 13 ausgebaut. Dies seien die größten Projekte, berichtete Mair. Ihre Ausführungen nahm Max Korntheuer (ÖDP) zum Anlass nachzufragen, ob im Zuge der Straßensanierungen der Neubau von Radwegen geprüft werde. Dem sei so, erwiderte Mair, allerdings stelle der Grunderwerb ein Problem dar. Der Landkreis habe keine rechtliche Handhabe, an die benötigten Grundstücke zu kommen. Wenn die Eigentümer nicht mitspielten, gehe nichts, so Mair. Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) ergänzte, dass man Trassen durchaus über ein Planfeststellungsverfahren festlegen könne, aber nur entlang größerer Verbindungen wie Bundesstraßen.

Während Niedermaier gerne ein Netz an Radwegen - nicht allein touristisch genutzte, sondern direkte, schnelle Verbindungen für den Alltag - über den Landkreis spannen möchte, stellte sich Michael Häsch (CSU) dagegen. Der Dietramszeller Kreisrat warnte vor dem Flächenverbrauch. Zu viel Grün müsste für Radwege versiegelt werden, was wiederum zu Lasten der Landwirtschaft und der Natur gehe. "Wir brauchen ein gescheites Radwegenetz", betonte indes Niedermaier. Schnelle Alltagsverbindungen sind seiner Überzeugung nach ein wichtiges Puzzleteil auf dem Weg zur Verkehrswende. Dazu zählen etwa die Radwege entlang der Bundesstraße 11 von Bichl nach Königsdorf oder an der TÖL 5 von Bad Heilbrunn nach Penzberg. Für letzteren Radweg setzt sich auch Thomas Gründl, CSU-Kreisrat und Bad Heilbrunner Bürgermeister, besonders ein. Der Bau scheitert im ersten Trassenabschnitt von Bad Heilbrunn bis Langau an einem denkmalgeschützten Holzstadl, der direkt an der Kreisstraße steht. Der zweite Abschnitt vom Kreisel an der B 11 in Richtung Penzberg liegt im FFH-Gebiet (Loisach). "Hier ist ein landschaftspflegerischer Begleitplan notwendig", sagte Mair.

Ein Radweg an der B 11 war bislang nicht realisierbar, weil die Verkehrsbelastung auf der Bundesstraße in diesem Abschnitt nicht hoch genug ist. Geschlagen geben will sich Niedermaier nicht. Tatsächlich gebe es durchaus Handlungsspielraum, sagte Klimamanager Andreas Süß. "Es ist zwar mit Abstand die am wenigsten befahrene Bundesstraße im Landkreis, aber sie ist schlecht einsehbar." Man könne deshalb in Sachen Dringlichkeit "fachlich auch zu einer anderen Einschätzung kommen".

© SZ vom 04.02.2021
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