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"Quartettissimo" im Kurhaus:Famoser Auftakt

Parker Quartet

Kammermusik vom Feinsten: Das Parker Quartet eröffnet die Reihe „Quartettissimo!“ im Tölzer Kurhaus.

(Foto: Manfred Neubauer)

Mit dem "Parker Quartet" startet das Ehepaar Christoph und Susanne Kessler eine neue Konzertreihe in Bad Tölz

45 Minuten vor Beginn des Eröffnungskonzerts. Christoph Kessler steht ganz allein im leeren und kalten Foyer des Tölzer Kurhauses. Im schwarzen Anzug, die weißen Haarsträhnen umrahmen wie immer etwas zottelig das Gesicht. Kessler ist ein alter Fuchs im Musikbetrieb, aber die Aufregung kann er nicht verbergen. Wieder einmal startet er eine neue Konzertreihe, "Quartettissimo !" heißt sie, und er hofft, dass genug Leute kommen werden.

Kessler ist ein Musikbesessener, einer, der es immer wieder wissen will. Acht Jahre ist es mittlerweile her, dass der Vorsitzende und Gründer des Konzertvereins Isartal wegen künstlerischer Differenzen unschön abgewählt wurde. Keiner hätte damals einen Pfifferling auf seinen Erfolg gegeben, als er trotzig damit begann, mit dem neuen Ickinger Verein "Klangwelt Klassik" die Kammermusikreihe "Meistersolisten im Isartal" aufzubauen. Aber es funktionierte. Gerade weil er und Ehefrau Susanne den richtigen Riecher haben.

Sie setzten auf frischgebackene Preisträger von Wettbewerben, in der sich meist erfüllenden Hoffnung, dass die jungen Talente in den zwei Jahren bis zum Auftritt die Schwelle zur Berühmtheit überschritten haben würden. Dann der Rückschlag. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn vor zwei Jahren, sich komplett zurückzuziehen.

Kaum haben die Ärzte Entwarnung gegeben, sind die Kesslers wieder da. "Ich kann es einfach nicht ganz lassen", sagt Christoph Kessler. Aber er will sich nicht zu viel antun, eine kleine Reihe mit drei Konzerten im Winter sind genug. Deswegen wollte er auch nicht mit den "Meistersolisten" weitermachen, sagt er, bei denen gut ein Dutzend Konzerte im Jahr laufen. Er wisse diese Reihe in guten Händen. "Ich will meinen Nachfolgern nicht reinpfuschen."

Weit weist er es von sich, mit den Ickinger und Wolfratshauser Klassikveranstaltungen in Wettbewerb treten zu wollen. In Bad Tölz im Kurhaus hat er einen neuen Veranstaltungsort gefunden. "Das soll eine Ergänzung sein, keine Konkurrenz."

Mit dem Parker Quartet ist den Kesslers gleich ein großer Wurf geglückt, man kann es nicht anders sagen. Dass das Grammy-prämierte US-Ensemble hierzulande nicht bekannter ist, liegt vor allem daran, dass es das Quartett nur einmal im Jahr nach Übersee verschlägt. Die Kesslers hörten die Musiker aus den USA vor vier Jahren bei einem Auftritt in Heidelberg, und konnten sie davon überzeugen, bei ihrer diesjährigen Konzertreise auch dem oberbayerischen Bad Tölz einen Besuch abzustatten. Kammermusik kann ja bei Laienmusikern oftmals zum Einschlafen sein, aber dass die vier US-Amerikaner in der ersten Liga spielen, ist dem Publikum vom ersten Ton an klar.

Maximale Aufmerksamkeit im Saal, ohne Hüsteln und Bonbonpapiergeraschel, ist der Dank für diese satte Klangfülle und spieltechnische Raffinesse. Zudem haben die Parkers eine gefällige Mischung mitgebracht: Mozarts kompositorisches Glanzstück, das Streichquartett Es-Dur KV 428, Beethovens sehr anspruchsvoll zu spielendes Opus 59,2 aus den "Rasumovsky-Quartetten", und ihr Paradestück, die "Kreutzersonate" von Janacek, in der es um Eifersucht und Mord geht. Die unheilvolle Spannung, die sich bis zur Raserei steigert, um in schuldhafter Reue auszuklingen, ist im Saal schier zum Greifen.

Erster Geiger Daniel Chong führt Ken Hamao (Geige), Ehefrau Jessica Bodner (Viola) und Kee-Hyun Kim (Violoncello) sicher zum homogenen Ensembleklang. Die vier Musiker lernten sich als Studenten am feinen New England Musikkonservatorium in Boston kennen und benannten sich nach dem historischen Parker House Hotel, in dem die künstlerische und geistige Elite verkehrte. Die Parkers, die ihre Noten ganz modern von Tablets ablesen, die sie mit Fußtasten bedienen, holen die Klassiker in die Neuzeit. Dafür gibt es großen Beifall und Bravo-Rufe, viele im Publikum stehen auf, um zu applaudieren.

200 Plätze etwa fasst der Kursaal, ein paar Sitze sind frei geblieben, ansonsten war er gut gefüllt. Kessler ist erleichtert. "Ich habe noch keinen rechten Überblick", sagt er auf die Frage, ob denn viele vom alten Stammpublikum da gewesen wären. "Ein paar Ickinger habe ich gesehen, aber auch viele neue Gesichter."

Das Fazit nach dem Auftaktkonzert: "Internationale Spitzenensembles" in die Kurstadt an der Isar zu holen, wie das Ehepaar Kessler seine neue Reihe bewirbt, dieses Versprechen wurde an diesem Abend eingelöst. Es muss auch erwähnt werden, dass das elegante Tölzer Kurhaus zum Konzerterlebnis weitaus mehr beiträgt als der schön geredete "Rilke- Saal", der in Wirklichkeit doch nur die Schulaula des Ickinger Gymnasiums ist.

© SZ vom 26.11.2018
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