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Pupplinger Au:Die Nackten und die Neugierigen

Landrat Josef Niedermaier wehrt sich gegen den Vorwurf, nichts gegen Nudisten unternommen zu haben - und ruft die Bevölkerung zur Mithilfe auf.

Dass sich an der Isarufern in der Pupplinger Au unter vielen normalen Besuchern immer wieder auch Exhibitionisten und Voyeure befinden, beschäftigt die Behörden schon seit Jahren. Der offene Brief, in dem der Vorsitzende der Jungen Union Wolfratshausen, Christian Brunnhuber, am Wochenende Landrat Josef Niedermaier (FW) aufgefordert hat, dieses Treiben zu beenden, hat dem Thema und der JU allerdings einige neue Aufmerksamkeit verschafft. Der Landkreis und die Polizei gingen schon seit langer Zeit und auch mit einem gewissen Erfolg gegen Exhibitionisten und Spanner vor, sagte Niedermaier dazu am Donnerstag.

Die Nudisten haben sich seit den 1970er Jahren in der Pupplinger Au eine Art Gewohnheitsrecht auf Nacktbaden an der Isar erworben. Das zieht auch Beobachter an. Landrat Josef Niedermaier wurde nun aufgefordert, etwas gegen die Exzesse zu unternehmen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Landrat hatte sich angesichts des Interesses einiger Boulevardmedien zu einer großzügig mit Verwaltungsmitarbeitern, Isar-Rangern und Polizisten besetzen Pressekonferenz im Geretsrieder Rathaus veranlasst gesehen. Das von Brunnhuber angeprangerte Ärgernis gebe es durchaus und seit langer Zeit, räumte Niedermaier dabei ein. Den unterschwelligen Vorwurf, dass dagegen nichts oder zumindest nichts Wirksames unternommen werde, wies er aber ebenso zurück wie Geretsrieds Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteifrei).

Entsprechende behördliche Bemühungen gebe es seit dem Jahr 1999 und verstärkt seit 2004, als der damalige bayerische Innenminister Günther Beckstein ein "polizeiliches Maßnahmenkonzept" samt Einsatz der Bereitschaftspolizei und der Reiterstaffel erarbeiten ließ. Die beiden Isar-Ranger des Landkreises und die zehnköpfige Naturschutzwacht seien nur für den Naturschutz zuständig und hätten keinerlei polizeiliche Befugnisse, betonte Niedermaier. Zwar sei es insgesamt nicht gelungen, das Problem zu lösen, aber immerhin, es weitgehend auf bestimmte Uferabschnitte einzudämmen.

Vor allem der Bereich des nördlicheren Parkplatzes an der Straße von Wolfratshausen nach Ascholding gilt im Internet als Sex-Treffpunkt und zieht Menschen, die sich beim Akt beobachten lassen wollen, ebenso an wie entsprechende Beobachter. Den Anblick des eigenen Geschlechtsakts anderen aufzunötigen, erfüllt laut Niedermaier den Tatbestand der Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Allerdings gehöre dazu auch jemand, der sich konkret gestört fühle - und dies am besten sofort per Mobiltelefon der Polizei melde, damit die den Täter stellen könne, sagte der Landrat. Außerdem rät er Opfern von Exhibitionisten und Voyeuren, die Täter zu fotografieren - freilich besser ohne sich dabei der Gefahr eines tätlichen Angriffs auszusetzen.

Niedermaier warnt vor pauschalen Verdächtigungen

Dass die Polizei bei ihren Streifengängen in Uniform oder in Zivil Täter in flagranti erwischt, nannten sowohl Niedermaier als auch der Wolfratshauser Inspektionsleiter Werner Resenberger sehr unwahrscheinlich. Die Streifengänge dienten vielmehr dazu, die Szene zu verunsichern und idealerweise auch zu vertreiben, sagte Resenberger.

Werde die Polizei allerdings sofort von einem Vorfall informiert, so liege die Aufklärungsquote immerhin bei fast 40 Prozent, rechnete Resenberger vor. Die nackten Fallzahlen sind im Gegensatz zu den allgemeinen Beschwerden allerdings gering: Die Wolfratshauser Polizei hat laut Resenberger seit 2006 in der Au 28 einschlägige Straftaten registriert und elf davon aufgeklärt. Heuer sei es erst zu einer einzigen Anzeige gekommen.

Ganz ausdrücklich warnte Niedermaier warnte vor einer pauschalen Verdächtigung aller Nacktbader an der Isar, die zum größten Teil auch vorbildliche Rücksicht auf Pflanzen und Tiere im Naturschutzgebiet nähmen. Die Nudisten insgesamt hätten sich seit den 1970er Jahren in der Pupplinger Au eine Art Gewohnheitsrecht auf Nacktbaden an der Isar erworben. Dies stehe zwar im Widerspruch zur bayerischen Badeordnung, doch vertreiben wolle und könne die je nach Jahreszeit und Tag oft tausenden Nacktbader entlang der Isar niemand.