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Pumpspeicherwerk am Jochberg:Energieallianz in Wartestellung

Für das Pumpspeicherwerk am Jochberg werden derzeit keine neuen Planungen in Auftrag gegeben. "Die Verzögerung schadet uns nicht", sagt Geschäftsführer Joachim Martini bei einer Infoveranstaltung in Jachenau.

Speichersee am Jochberg

So groß wie 30 Fußballfelder

Die Energieallianz Bayern hält am Moratorium für das Pumpspeicherwerk am Jochberg fest und gibt keine weiteren Planungen in Auftrag. Sie wolle kein Geld in den Sand setzen, sagte Geschäftsführer Joachim Martini am Mittwoch bei einer Informationsveranstaltung in der Jachenau. Die Gründe für das Moratorium - die ausstehende Studie des Umweltministeriums zu möglichen Standorten in den Alpen sowie das bisherige Schweigen der Politik zu wichtigen Strommarkt-Eckpunkten - kommen ihr dabei offenbar entgegen. "Die Verzögerung schadet uns nicht", sagte Martini. "Wir rücken damit näher an der Zeitpunkt heran, wo sich viel mehr erneuerbare Energie im Netz befindet."

Je mehr Wind- und Sonnenenergie erzeugt werden, desto stärker schwankt das Stromangebot. Bei Engpässen sind dann schnell verfügbare Stromlieferanten gefragt, zu denen auch Pumpspeicherwerke zählen. Derzeit sei der Betrieb bestehender Anlagen aber kaum oder gar nicht rentabel. Anders, wenn der Anteil erneuerbarer Energien erst einmal bei 50 Prozent liege. Das Fraunhofer-Institut errechnete dafür einen Bedarf von zehn bis 20 Prozent Kurzfristspeicher, zum Beispiel Pumpspeicherwerke. Innerhalb von 30 Sekunden am Netz, seien sie eine "extrem schnell regelfähige Einheit, um das Netz stabil zu halten", sagte Josef Neiß, Leiter der Energieabteilung im Wirtschaftsministerium.

Ihn und Theodor Strobl, ehemaliger Ordinarius für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der Technischen Universität München, hatte sich die Energieallianz aufs Podium geholt, um die Bürger von der Notwendigkeit von Pumpspeicherwerken zu überzeugen. Denn ohne Unterstützung der Bevölkerung wollen weder Energieallianz noch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) das Energieprojekt durchsetzen. In der Jachenau und der Region ist jedoch noch einiges an Überzeugungsarbeit nötig.

Bürger äußerten Zweifel an der Energieallianz als richtigem Partner, an der Glaubwürdigkeit der Zahlen, auch an der Investitionssumme, die vom Projektträger von zunächst 600 Millionen Euro mittlerweile auf 700 Millionen korrigiert worden ist. "Ihr legt die Karten nicht auf den Tisch", schimpfte ein Zuhörer. Manche befürchten , dass "der Bürger" zur Kasse gebeten werde, wenn das Projekt scheitere. Je später der Abend, desto emotionaler die Wortbeiträge. "Verarscht", fühlte sich ein Besucher, nachdem er den Film zur Visualisierung der Lage des Speicherbeckens auf dem Jochberg am Ende der Veranstaltung gesehen hatte. Kein einziges Mal werde es leergepumpt gezeigt, kritisierte er enttäuscht. Tatsächlich liegt es fast fünf Minuten lang als blauer See in der grünen Landschaft. Voraussichtlich in der nächsten Woche soll der Film ins Internet gestellt werden. Bis dahin sollen dann auch Ansichten mit leeren Becken darin vorkommen.

Ungeachtet des Moratoriums rechnet die Energieallianz mit Planungskosten von 20 Millionen Euro, die bis zum möglichen Baubeginn verbraucht sein werden. Für die allererste Planungsstufe, in der das Projekt sich jetzt befindet, sind eine Million Euro vorgesehen. Diese sammelt die Projektgesellschaft Pumpspeicherwerk Oberbayern ein, deren Gründungsgesellschafter die Stadtwerke Bad Tölz und Rosenheim sind. Rosenheim steuert 100 000 Euro bei, Tölz 80 000 Euro. Auch der Multi-Unternehmer Max Aicher ist dabei.

Den Vorteil von Pumpspeicherwerken sieht Josef Neiß auch in ihrem hohen Wirkungsgrad von 80 Prozent. Bei "Power to Gas", der Umwandlung von Strom in Wasserstoff oder Erdgas, liege er heute dagegen erst bei einem Drittel. Frühestens in zehn Jahren sei diese Entwicklung, die etliche Bürger präferieren, so weit fortgeschritten, dass diese Technologie wirtschaftlich zu betreiben sei, prophezeit Neiß. Sie sei vor allem dafür geeignet, Strom über mehrere Wochen zu speichern, nicht aber als Kurzzeitspeicher.

Das Potenzial an Pumpspeicherwerken in Bayern bezifferte Neiß auf 2000 Megawatt, 700 Megawatt würde der Jochberg beitragen. Dass die Standortkulisse dafür vom Umweltministerium noch immer nicht vorgelegt wurde, hängt für die Kocheler Gemeinderätin Monika Hoffmann-Sailer (SPD) allein an der Kommunalwahl im März 2014. Neiß wollte dem einen "Realitätsgehalt nicht absprechen".

Übrigens wird Ilse Aigner noch im November in die Jachenau kommen, um sich am Jochberg zu informieren. Das hatte sie Josef Neiß extra aufgetragen, im Schützenhaus bekannt zu geben. In Presseberichten bekannte sie sich jüngst zu dem umstrittenen Pumpspeicherwerk, hatte aber auch erkennen lassen, dass es ihr an Detailwissen fehlt.