Protest in WolfratshausenKrankenschwestern fühlen sich gefährdet

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Pflegepersonal der Kreisklinik kritisiert die vorgeschriebene Sparsamkeit im Umgang mit Corona-Schutzausrüstung. Der Geschäftsführer verteidigt die Strategie.

Von Konstantin Kaip, Wolfratshausen

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Im Umgang mit Corona-Patienten fühlen sich einige Krankenschwestern der Kreisklinik Wolfratshausen nicht ausreichend geschützt. So steht es in einem anonymen Schreiben aus der Pflegerschaft des Krankenhauses, das der SZ-Redaktion zugesandt wurde. "Wir arbeiten mit Patienten, die Covid-19 bestätigt oder verdächtig sind", heißt es darin. "Hierfür wurde uns keine entsprechende Ausstattung gegeben." So geben die Verfasser an, dass sie ihre Atemschutzmasken im FFP2-Standard "für mehrere Tage" benutzen müssten. Auch müssten sie "einen sehr dünnen (Besucher-)Kittel", der eigentlich für den Einmalgebrauch gedacht sei, die gesamte Schicht lang tragen. Bemängelt wird zudem das "improvisierte Visier, das beim Atmen beschlägt". Und die Verfasser kritisieren, dass das Personal nicht generell auf Covid-19 getestet werde.

Die Klinikleitung wehrt sich gegen diese Vorwürfe und widerspricht ihnen teilweise. Die Pfleger müssten nicht mehrere Tage lang dieselbe Schutzmaske verwenden, erklärt der Geschäftsführer der Kreisklinik, Ingo Kühn, auf Anfrage. Wohl aber seien sie angehalten, pro Schicht möglichst nur eine Maske zu verbrauchen. Zwar gebe es an der Klinik derzeit keinen akuten Mangel an Schutzausrüstung. Dennoch habe man die Mitarbeiter angewiesen, angesichts der generellen Nachschubschwierigkeiten "möglichst sparsam" damit umzugehen. So könnten Schutzmasken auf der Corona-Station, des Teils der Intensivstation also, die derzeit nur mit Covid-19-Patienten belegt sei, eine ganze Schicht lang genutzt werden. "Wenn man eine Maske so abnimmt, wie unsere Hygienikerin das lehrt, kann man sie auch wiederverwenden", sagt Kühn. "Wird die Maske ordnungsgemäß aufgehoben, sodass man keinen Kontakt mit der Außenseite hat, kann man sie auf der Station aufbewahren und später wieder aufsetzen."

Für die Verwendung in einer Schicht durch eine Person sei die Vorgangsweise entsprechend der Stellungnahme des Robert-Koch-Instituts (RKI) zum ressourcenschonenden Einsatz der persönlichen Schutzausrüstung anzuwenden. Nach Tätigkeiten an infektiösen Patienten mit ausgeprägter Exposition durch Aerosole, etwa nach einer Bronchoskopie oder bei Durchfeuchtung der Atemschutzmaske, dürfe diese nicht mehr verwendet werden. Eine Anweisung, die Maske mehrere Tage lang zu nutzen, gebe es nicht, betont Kühn.

Sollten der Klinik die Masken ausgehen, sei jedoch auch das nach einer Aufbereitung möglich. Um diese in der Praxis zu testen, habe man bereits benutzte Masken eingesammelt, um sie im Sterilisator mit 120 Grad heißem Dampf von Erregern zu befreien und danach auf Sicherheit, etwa was die Reißfestigkeit der Gummibänder betrifft, zu prüfen. Diese Praxis sei sowohl vom RKI als auch vom Bundesarbeitsministerium für zulässig befunden worden. "Wir halten uns an die Vorgaben", sagt Geschäftsführer Kühn. Noch aber gebe es an der Kreisklinik genügend originalverpackte Masken, eine Aufbereitung sei daher nicht nötig.

Auch die Kittel dürfe man laut RKI und Bundesministerium länger tragen, sagt Kühn. "Unsere Ansage ist, möglichst nur einen Kittel pro Schicht zu verwenden." In der Klinik gebe es gelbe Kittel, die gewöhnlich Ärzten und Pflegern vorbehalten seien, und blaue für Besucher. Beide erfüllten jedoch dieselben Sicherheitskriterien: Sie seien gleich lang, wasserabweisend, hätten Ärmel mit Bündchen und seien hinten verschließbar. Weil es auch bei Schutzkitteln Nachschubprobleme gebe und die Kreisklinik noch einen "großen Fundus" an Besucherkitteln habe, würden diese nun auch vom Personal getragen. "Das ist einfach nur eine Umgewöhnung", erklärt Kühn. In der Schutzwirkung seien die Kittel identisch. "Jeder kann versichert sein, dass die Corona-Taskforce der Kreisklinik genau prüft, welche Ausrüstung verwendet werden darf." Dies werde auch mit der Hygienefachkraft des Klinikums Großhadern besprochen, sagt Kühn. Um die Augen und den Rest des Gesichts zu schützen, trage das Pflegepersonal "Standard-Visiere". Dass diese bei der Arbeit beschlagen, komme vor, räumt er ein. "Wir sind dabei, diese Thematik zu lösen."

Auf das Virus getestet wird das Klinikpersonal laut Kühn nicht generell, sondern nur bei einem "berechtigten Anlass", etwa wenn Kontakt zu infizierten Patienten bestanden habe, ohne dass der Mitarbeiter dies gewusst und sich entsprechend geschützt habe. "Wer mit Covid-19-Patienten zu tun hat und in Vollschutzkleidung arbeitet, braucht grundsätzlich erst einmal keinen Test", sagt Kühn. Bei begründetem Verdacht teste die Klinik ihre Mitarbeiter jedoch mehrfach auf eigene Kosten. Im Zuge der Pandemie habe die Kreisklinik die Hygienemaßnahmen zudem "komplett hochgefahren", erklärt der Geschäftsführer. So würden alle neu aufgenommenen Patienten auf Covid-19 getestet und zunächst für drei Tage in ein Einzelzimmer gebracht. Erst wenn der zweite Test am vierten Tag negativ ausfalle, würden sie in Mehrbettzimmer verlegt. "Das ist ein hoher Aufwand, den nicht jede Klinik im Umfeld macht", sagt Kühn. Noch gebe es genug freie Betten, um diese Praxis aufrechtzuerhalten. "Als Arbeitgeber wollen wir nicht nur unsere Patienten, sondern auch unsere Mitarbeiter bestmöglich schützen", sagt Kühn.

© SZ vom 20.04.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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