Protest gegen Schließung Bankenkrise an der Basis

Trotz vieler Argumente gegen das Ende mehrerer Raiffeisenbank-Filialen bleiben die Verantwortlichen bei ihrer Entscheidung. Kunden und Mitglieder wollen dennoch weiter für den Erhalt kämpfen.

Von Claudia Koestler

Sie blieben lange ruhig und sachlich, doch in jedem Satz schwang es mit: Enttäuschung, Unverständnis, teils auch deutliche Wut. Die Bürger des Eglinger Ortsteils Endlhausen können die Entscheidung der Raiffeisenbank im Oberland nicht nachvollziehen, dass ihre Filiale geschlossen werden soll. Und die Schließung zu akzeptieren kommt für sie nicht infrage: Sie wollen kämpfen, und zwar "lösungsorientiert", wie Gabriele Doll betonte. Sprich: Die Filiale soll erhalten bleiben. Acht Vertreter der Raiffeisenbank-Genossen hatten deshalb am Mittwoch eingeladen zu einem Austausch mit den Verantwortlichen. Erstmals stellte sich dabei auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Raiffeisenbank im Oberland, Josef Lechner, im Altkirchner Schützenheim den rund 80 Genossen und Interessierten, darunter auch Kunden der Filiale Ascholding, die ebenfalls geschlossen werden soll.

Was am Ende als Ergebnis auf dem Tisch lag, war zwar ein kleiner Etappensieg, nicht aber die Wunschlösung: Der Geldautomat und der Kontoauszugsdrucker bleiben bis 2020 in Endlhausen. Doch eine Verlängerung oder gar die Nutzung der Filiale in ihrer jetzigen Form respektive den Ausbau zu einem landwirtschaftlichen Beratungszentrum, wie von einigen vorgeschlagen, wollten Lechner und die Vorstände nicht in Aussicht stellen. Aus diesem Grund verständigten sich die Initiatoren des Abends darauf, das Angebot Lechners anzunehmen und am 18. Dezember Einsicht in die Zahlen zu nehmen, die zu dem einstimmigen Beschluss geführt hatten, die Filiale zu schließen. Auf dieser Grundlage wollen die Endlhauser dann über eine außerordentliche Vertreterversammlung entscheiden. Dort könnten die Beschlüsse von Aufsichtsrat und Vorsitz in ihrer Rechtsverbindlichkeit infrage gestellt werden, erklärte Winfried Walter.

Trotz der bemühten Sachlichkeit auf beiden Seiten waren die Fronten am Ende so verhärtet, dass einem Gast der Kragen platzte: "Eine richtige Sauerei ist das, wenn Endlhausen zugemacht wird. Ich bin jetzt 87 Jahre alt, ich hole mir mein Bargeld dort ab. Kruzefix, habt ihr denn gar nichts mehr für die Alten übrig?", schäumte er. Zuvor hatte Lechner mehr als zweieinhalb Stunden lang versucht, die Gründe der Schließung darzulegen: abnehmende Rentabilität durch verändertes Kundenverhalten, Online-Wettbewerber und die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Doch die Endlhauser listeten ihrerseits zahlreiche Argumente für den Erhalt der Filiale auf. Schließlich handle es sich um eine Genossenschaftsbank, somit seien viele Kunden auch Miteigentümer. Gewinne und Werte, die in der Vergangenheit erzielt und geschaffen wurden, müssten gegengerechnet werden. Auch dass das Gebäude möglicherweise veräußert werden könnte, ärgert die Mitglieder, weil sie sich dann "enteignet" fühlen. Unverständlich sei, dass die Bank nach der Fusion von Raiffeisenbank im Oberland und Tölzer Land fünf Vorstände zahle und Hauptgeschäftsstellen renoviere, Filialen aber schließen müsse. Die Bank habe einen Versorgungsauftrag, es dürfe nicht nur um Rentabilität gehen. Denn für die Endlhauser fällt auch der demografische Wandel ins Gewicht: Im Ort leben viele ältere Menschen. Deshalb sei der Service in einer Filiale am Ort von essenzieller Bedeutung. Doch auch den Vorschlag, Öffnungszeiten zu reduzieren, lehnte Lechner ab: "Das ist ein Tod auf Raten." In seiner Brust schlügen zwei Herzen, sagte er: "Erst geht der Bäcker, dann der Kramerladen, es folgt die Bank und schließlich der Wirt". Als Bürgermeister kenne den schleichenden Strukturwandel, sagte Lechner. Doch er und seine Kollegen hätten eben "eine Gesamtverantwortung für die Gesamtbank", und diese langfristig wirtschaftlich zu führen. Seit dem Bekanntwerden der Schließung sei indes "einiger Wind entstanden, das habe ich unterschätzt." Das Engagement, das die Endlhauser und Ascholdinger zeigten, habe es bei keiner anderen Filiale gegeben. Und ja, "die Kommunikation ist nicht gut gelaufen". Doch trotz dieser Asche auf das Haupt: Von dem Beschluss für das Aus wollte Lechner nicht abrücken. "Was wäre das für eine Entscheidungsgrundlage, dem zu folgen, der am lautesten schreit?", fragte er in den Saal. Auch die wiederholten Ansagen, dass dann die Bank massiv an Kunden verlieren werde, weil die Endlhauser kündigen würden, nahm Lechner schulterzuckend hin. "Wer weiß, ob es die Raiffeisenbank in zehn Jahren überhaupt noch gibt", fragte sich gar der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Josef Bernöcker grundsätzlich.

In Endlhausen zählt die Filiale laut Vorstandsvorsitzendem Hansjörg Hegele rund 400 Kunden, dazu kommen rund 570 Kunden aus dem Umgriff. Ihm zufolge braucht eine Filiale aber 1400 Kunden, um rentabel zu sein. "Da prallen eben zwei Welten aufeinander, das Menschliche und das Zahlenwerk", schloss Walter.