Die Kommune Icking lehnt es ab, sich am landkreisweit diskutierten Projekt „QuartierPflege“ zu beteiligen. Dahinter steht die Idee, ein Netzwerk aus Nachbarn aufzubauen, das pflegebedürftige Personen künftig grundversorgen kann. Damit sollen professionelle Pflegedienste entlastet werden. Um die Tätigkeit zu koordinieren, müsste die Gemeinde laut Bürgermeisterin Verena Reithmann (UBI) eine Pflegedienstleitung plus eine Stellvertretung einstellen.
„Diese Idee hat etwas“, so Reithmann. „Die Idee an einem kleinen Ort wie Icking eine Pflegedienstleitung anzustellen, ist jedoch etwas zu weit gegriffen.“ Die Bürgermeisterin verwies darauf, dass es am Ort einen Pflegedienst gebe. Außerdem existiere in Icking die Nachbarschaftshilfe, die ehrenamtlich unterstützen könne. Zudem äußerte Reithmann Bedenken, weil das finanzielle Risiko in der Hand der Kommune liege.
Laut ihren Angaben geht das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen davon aus, dass die Eigenbeteiligung je Quartier - das wäre in Icking die gesamte Gemeinde - 20 000 Euro jährlich nicht übersteigen wird. Für die ersten fünf Jahre können 70 Prozent der Kosten staatlich gefördert werden. Ab dem sechsten Jahr soll sich der Pflegedienst selbst tragen, die Leistungen aber über die Pflegekasse abgerechnet werden können.
„Am Ende bleibt dies an der Gemeinde hängen“, fürchtete Vigdis Nipperdey (Ickinger Initiative). Unter anderem auch daher warnte sie, in das Projekt einzusteigen, für das es aus ihrer Sicht ebenso keinen Bedarf in Icking gebe.
Die Kommune ist nach den Fortschreibungen für das seniorenpolitische Gesamtkonzept im Landkreis ohnehin ein Sonderfall. Demnach soll die Zahl der hilfsbedürftigen Einwohner mit Pflegegraden zwischen Stufe 2 und 5 bis 2040 praktisch unverändert bleiben. Ist Stand 2024 von 154 betroffenen Personen auszugehen, sollen es 2040 insgesamt 153 Personen sein. Laut Bürgermeisterin Reithmann sei Icking damit ein Ausreißer im Vergleich zu allen anderen Kommunen, bei denen dieser Bevölkerungsanteil zunehmen solle.
Dass dies stimmen könne, bezweifelte zwar Zweite Bürgermeisterin Claudia Roederstein (UBI) stark. Dass ein Projekt, für das es nach ihrer Darstellung nach einen Pool von 300 bis 800 Personen für hundert Pflegebedürftige brauche, in Icking umsetzbar sei, hielt sie für unrealistisch. Nur Beatrice Wagner (SPD) stimmte dafür sich am Projekt, das der Verein „Gemeinsam stärken“ auf Landkreisebene unterstützt zu beteiligen. „Wir sollten auf keinen Fall die Tür zu so etwas Tollem zuschließen“, sagte sie.

