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Probleme mit dem Investor aus Innsbruck:Das Spa wird zur Fata Morgana

Die "Neue Tölzer Hotelkultur" scheitert womöglich an mangelnder Wirtschaftlichkeit

Das Spa "Natura Tölz" ist nach dem Siegerentwurf des Architekten Titus Pernthaler nicht wirtschaftlich zu führen. Das ist die Ansicht des von der Stadt beauftragten Kommunalberatungsbüros "Con.Pro".

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die beiden Großprojekte, die das Zentrum der "Neuen Tölzer Hotelkultur" bilden, verschwimmen langsam wie eine Fata Morgana. Für das Hotel an der Arzbacher Straße fehlt momentan ein Investor, nachdem sich die Stadt und die Firma Arcus aus Innsbruck so gut wie getrennt haben. Und auch das Spa "Natura Tölz", das nebenan an der Bockschützstraße geplant ist, lässt sich nach dem Modell des Wettbewerbssiegers Titus Pernthaler nicht wirtschaftlich führen. Das erfuhren Bürgermeister Josef Janker (CSU) und die Stadträte vom beauftragten Kommunalberatungsbüro Con.Pro GmbH aus Nürnberg. Der Entwurf sei "sehr architekturlastig", berichtet Janker.

Aus 16 Einsendungen hatte eine Jury voriges Jahr die Arbeit des Innsbrucker Architekten ausgewählt. Demnach sollen drei Baukörper mit einer verbindenden Glashalle entstehen: Das zweistöckige Eingangsgebäude mit großem Foyer befindet sich neben dem Zentralparkhaus; im Süden schließen sich in Y-Form zwei Saunahäuser an, Restaurant und Ruhezonen liegen zur Mitte hin. Von Anfang an war allerdings klar, dass dieser Siegerentwurf noch zu modifizieren ist. Geschäftsführer Klaus Batz von Con.Pro lobte Janker zufolge die Optik des geplanten Spas, die Wege drinnen für die Gäste bezeichnete er jedoch als nicht optimal. "Die Einheiten liegen zu sehr auseinander", erzählt der Bürgermeister. Vom Foyer zu den Umkleidekabinen, von dort zu den Gemeinschaftsräumen und weiter zu den fünf Saunen - "diese Wege sind zu weit". Jankers Schlussfolgerung: Die Interessen eines künftigen Betreibers müssen intensiver berücksichtigt werden. Darüber habe man mit Architekt Pernthaler schon gesprochen, der sich aufgeschlossen gezeigt habe. Über den Standort an der Bockschützstraße äußerte sich der Experte aus Nürnberg zwar nicht begeistert, fand ihn aber okay.

Das Spa dürfte zwischen 100 000 und 120 000 Besucher pro Jahr anlocken. Diese Prognose hatten die Projektentwickler der Firma Redserve und die Bäderexpertin Sylvia Glückert gestellt. Klaus Batz sieht darin das Optimum - unter der Voraussetzung, dass das Marketing stimmt. Klar sei, dass man anfangs kleinere Brötchen backen müsse, erfuhr der Tölzer Rathauschef. Aber alle Experten hätten betont, dass ein Spa kein Selbstläufer werde. Nach der Wiedereröffnung des "Trimini" in Kochel und dem geplanten Ausbau des "Montemare" in Tegernsee müssten alle Zahlen und Daten fürs "Natura Tölz" nochmals auf den Prüfstand, sagt Janker.

Ohnehin ist der Bau des Spas, der zwischen zehn und 13 Millionen Euro verschlingen soll, noch Zukunftsmusik. Denn auf dem Areal steht das Sportstudio Hirsch, einer der wichtigsten Anbieter im Gesundheitsprogramm der Kurstadt. Und solange nicht feststeht, wohin Inhaber Charly Hirsch geht, geschieht in puncto Wellnessbad erst mal nichts. Bisher war vorgesehen, dass Hirsch in ein neues Sensofit-Studio neben dem geplanten Hotel an der Arzbacher Straße zieht. Aber mit dem Investor Arcus ist sich die Stadt nicht bloß uneins, wie Janker der SZ vor zwei Wochen sagte: Der Stadtrat beschloss bereits am 24. Oktober hinter verschlossenen Türen, die Zusammenarbeit mit der Hotelconsulting-Firma Feuring zu beenden, die mit Arcus verbunden ist. Dass diese Nachricht geheim gehalten wurde, begründet der Bürgermeister mit Prozesstaktik. Er verweist auf das vom Stadtrat abgelehnte Bürgerbegehren gegen das Hotelprojekt, das am Verwaltungsgericht München anhängig ist. "Aktuell haben wir keinen Investor an der Hand", räumt er ein. Arcus habe heuer zwar seine Hotelplanungen nochmals geändert, allerdings zum Schlechteren. Seither seien "keine wesentlichen Änderungen gekommen". Die Stadt hält Janker zufolge dennoch am Hotelprojekt Arzbacher Straße fest. Dafür gebe es auch einige Interessenten. Mehr nicht. "Ich habe nichts Belastbares, mit dem ich in den Stadtrat gehen kann."