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Probleme aufzeigen:Erst Zickzack, dann gegen die Wand

Tourbesprechung Tölzer Marktstrasse

Pendler oder Genussfahrer? Radler haben unterschiedliche Ansprüche.

(Foto: Manfred Neubauer)

Camilla Plöckl und ihr Arbeitskreis zeigen auf, wo es in der Stadt Bad Tölz für Radfahrer schwierig, heikel oder unmöglich wird. Eine Tour von der Isarpromenade bis zum Moralt-Gelände

Von Arnold Zimprich, Bad Tölz

In Bad Tölz prallen die Interessen von Radlern, Kurgästen, Verkehrsplanern, Anwohnern und Tourismus-Strategen an mehreren Stellen aufeinander. Wo genau, das hat Camilla Plöckl, Vorsitzende des Arbeitskreises Radeln, am Samstag bei einer "Stadtberadelung" aufgezeigt. "An der Isarpromenade sieht man deutlich, welchen Herausforderungen die Stadt in Sachen Radverkehr gegenübersteht", sagte sie. "Der eine will schnell mit dem Rad von A nach B, der andere flaniert im Urlaub an der Isar entlang. Und dann sind da neuerdings auch noch die flotten E-Biker." Schrittgeschwindigkeit wäre auf dem schmalen Streifen angebracht, doch nur wenige Radler halten sich daran. Plöckl wünscht sich eine Verbreiterung des Rad- und Gehwegs sowie eine deutliche Trennung von Fußgängern und Radfahrern.

Drei Radfernwege, mehrere lokale Radrouten, dazu Rad-Berufspendler, Mountainbiker, E-Biker, Läufer und Erholung suchende Kurgäste: Die Isarpromenade ist ein heißes Pflaster, wenn es um den Radverkehr in Tölz geht.

Nächster Schauplatz: Amortplatz. Wer sich als ortsunkundiger Radler hier zurechtfinden möchte, ist - erst recht, wenn er vom Isarradweg heraufkommt - aufgeschmissen. "Die Beschilderung muss an Stellen wie diesen, wo es angesichts zahlreicher Fußgänger und Autos um eine schnelle Orientierung geht, verbessert werden", fordert Plöckl. Zwar sei schon viel geschehen, aber eben noch nicht genug.

Im Gespräch mit den Tölzer Rad-Experten, darunter der Vorsitzende des Radfahrerclubs ADFC, Gerhard Krapp, wird deutlich, dass nicht alle Radler dieselben Bedürfnisse haben. Fernradler nehmen raumgreifende Schlenker auf ihrer Route, bei welcher der Genuss im Vordergrund steht, durchaus in Kauf. Radelnde Berufspendler haben hingegen keine Zeit für solche Sperenzchen.

Da das Befahren der Marktstraße bis dato nur zu den Tagesrandzeiten möglich ist, wird für Leute, die beispielsweise im Westen der Stadt wohnen und auf der Flinthöhe arbeiten, nach einer Alternative gesucht. Zur Diskussion steht ein Radaufzug am oberen Ende des Schulgrabens hinter dem Kaufhaus Rid - die mitunter schmale Treppe ist für Radler kaum zu bewältigen. Rund sieben Meter gilt es hier zu überbrücken, doch wer würde diese kostspielige Lösung benutzen?

ADFC-Vorsitzender Krapp vergleicht die Situation in Bad Tölz mit seiner Heimatstadt Bremen. "Dort ist das Radwegenetz schon seit Jahren hervorragend ausgebaut. Da ist allerdings auch alles flach", räumt er ein. Das Relief der Kurstadt mache es Radlern wie Planern nicht gerade leicht.

Birgit Botzenhart, die mit ihrer Tochter an der "Stadtberadelung" teilnimmt, fordert eine "architektonisch unkonventionelle" Lösung. Sollte man den tief eingeschnitten Schulgraben mit einer gewagten Fahrradbrücke überspannen?

In der Tölzer Karwendelsiedlung gibt es gleich mehrere Problemstellen, zum Beispiel die Routenführung des Bodensee-Königssee-Radwegs, der in verwirrendem Zickzack quer durch die Siedlung führt. "Eine einfache Lösung wäre es, den Radweg auf die Edelweißstraße zu verlegen", rät Plöckl. Eine besondere kritische Stelle ist zudem die Einmündung der Blombergstraße auf die Bundesstraße 13. "Hier müssen die Radler, die aus der Blombergstraße Richtung Süden wollen, in den Gegenverkehr abbiegen" - heikle Situationen sind da programmiert.

Letzter Schauplatz ist das Moralt-Gelände. Wer, von der Unterführung der Lenggrieser Straße kommend, der Beschilderung Richtung Altstadt folgt, wird buchstäblich gegen die Betonwand geschickt. Dass der Radweg einen scharfen Rechtsknick macht, ist erst ersichtlich, wenn man schon fast gegen die Wand gefahren ist. Auch der holprige Weiterweg hinter dem Moralt-Komplex ist bestenfalls eine Verlegenheitslösung.

Auch Stephan Krone war mit von der Partie. Dem begeisterten Radler liegen die Verhältnisse in seiner Heimatstadt am Herzen. "Dieses Jahr werde ich mit meiner Frau an der Donau entlang von Passau nach Wien radeln", sagt der durchtrainierte Arzt, der dieses Jahr auch schon zum Rennradeln im italienischen Cesenatico unterwegs war. "Natürlich interessiere ich mich da insbesondere auch dafür, was hier lokal in Sachen Radverkehr passiert."

Plöckl ist sich sicher, dass einzelne Problemstellen behoben werden: "Es bleibt nur die Frage nach dem Wann."

© SZ vom 26.06.2017
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