bedeckt München 20°

Privates Engagement:Bypass gegen den Verkehrsinfarkt

Sanierung ohne Verbreiterung: Dafür kämpft die Initiative an der Degerndorfer Straße. Sie sammelt Unterschriften für eine Umfahrung.

(Foto: Hartmut Pöstges)

In Münsing formiert sich zunehmend Protest gegen die wachsende Zahl von Autos und gegen den Ausbau von Straßen. Per Unterschriftensammlung wollen Bürger stattdessen Pläne für eine Umgehungsstraße vorantreiben.

An warmen Sommertagen fahren besonders viele Ausflügler durch Münsing zum Erholungsgelände Ambach am Starnberger See. Der Schwerlastverkehr von und nach Degerndorf ist hoch. Dagegen protestieren Anwohner zunehmend. Die Forderung einer Initiative um den Münsinger Josef Schwarz: Die Kommune soll die Überlegungen für eine Ost-Süd-Umgehung an Münsing, Holzhausen und Degerndorf vorbei vorantreiben. Dafür sammelt die Gruppe Unterschriften. Gleichzeitig wehrt sie sich gegen die Ausbaupläne für die Degerndorfer Kreisstraße.

Genauso umstritten sind die Sanierungs- und Ausbaupläne an der Staatsstraße 2065 zwischen Münsing und Holzhausen. Die Begradigungen und Verbreiterungen, so wird befürchtet, könnten Autofahrer zum Rasen verleiten. In beiden Fällen stocken die Grunderwerbsverhandlungen, um die Pläne umsetzen zu können.

Aus Sicht von Josef Schwarz und seiner Initiative muss die Kommune endlich etwas gegen den steigenden Verkehr in Münsing unternehmen. Schon heute wälzten sich viele Laster etwa durch die Münsinger Hauptstraße und die Degerndorfer Straße, sagt Schwarz. Und der Verkehr, so fürchtet er, werde künftig noch mehr. "Die Spitze ist noch nicht erreicht." Mit der Unterschriftensammlung wirbt er für eine Umgehungsstraße zur Entlastung von Münsing, Holzhausen und Degerndorf. Noch bis Ende Juni/Mitte Juli sollen die Listen im landwirtschaftlichen Lagerhaus Graf, im Münsinger Getränkemarkt am Kirchberg und der dortigen Bäckerei Wagner ausliegen. Schwarz schätzt, dass bis jetzt 300 bis 400 Münsinger unterschrieben haben.

Für Schwarz ist klar, dass eine Lösung weder schnell noch einfach zu realisieren sein wird. Mit der Unterschriftensammlung will er ein Stimmungsbild zu einer Umfahrung bekommen. Eines darf aus seiner Sicht aber nicht passieren: "Wir können den Verkehr nicht an einer Stelle wegnehmen und dem anderen vor die Haustüre kehren." Unterdessen tritt Schwarz dafür ein, die Degerndorfer Kreisstraße (TÖL 20) nur in den jetzigen Maßen zu sanieren - und nicht zu verbreitern.

Für das Staatliche Bauamt Weilheim sind die Sanierung und ein moderater Ausbau von Degerndorfer und Holzhauser Straße längst überfällig. "Die Straße zwischen Münsing und Holzhausen zählt zu den schlechtesten im Landkreis, die Kreisstraße von Münsing nach Degerndorf ist auch total kaputt", sagt die zuständige Mitarbeiterin Christine Volkmer. Doch erst müsse noch Grund erworben werden. Solange die Verhandlungen nicht abgeschlossen seien, könne mit den Bauarbeiten nicht begonnen werden.

An beiden Straßen durch die hügelige Moränenlandschaft sollen Kuppen leicht abgeflacht, Kurvenradien etwas weitergezogen werden. Eine Verbreiterung von 5,50 Meter auf 6,50 Meter ist geplant. So will das Staatliche Bauamt die Strecken den heutigen Verkehrs- und Sicherheitsverhältnissen anpassen. Volkmer rechtfertigt eine Verbreiterung der Degerndorfer Kreisstraße - dazu zählen noch ebenfalls geplante Bankette von 1,50 Metern Breite und Entwässerungsmulden - unter anderem mit den Betrieben im Münsinger Nachbarort vom Bus-, Bau- bis zum Futtermittelunternehmen. Derzeit kämen große Fahrzeuge praktisch kaum auf der Kreisstraße aneinander vorbei, sagt sie.

Der bisherige Charakter der Straßen wird laut Volkmer aber auf jeden Fall gewahrt bleiben. Der Ausbau lasse sich mit dem an der Staatsstraße 2064 zwischen Sankt Heinrich und der Garmischer Autobahn A 95 vergleichen. "Wir haben uns am Bestand orientiert."

Auf der Staatsstraße zwischen Münsing und Holzhausen gilt schon jetzt wegen des maroden Zustands Tempo 70. Durch Frostaufbrüche entstandene Löcher wurden notdürftig mit Teer geflickt. Bei solchem "Flickwerk" wird es laut Volkmer vom Staatlichen Bauamt auch vorerst bleiben, solange der Grunderwerb für eine Sanierung nicht abgeschlossen werden kann.

Gegen die Sanierungspläne hat der in Münsing lebende Schauspieler Thomas Darchinger schon im Vorjahr protestiert. Er hält die Straße in ihrem jetzigen Verlauf nicht für zu gefährlich. Die Strecke ist aus seiner Sicht gut einzusehen. Zudem zwinge die schmale und kurvige Straße die Autofahrer, langsam zu fahren. Er argumentiert, dass eine breite und gerade Strecke den Schwerlastverkehr anzieht und zum Rasen verleitet.

Die Diskussionen über die Verkehrsbelastung in Münsing dauern schon geraume Zeit an. Umgehungsvarianten etwa östlich um Münsing herum standen bereits zur Debatte. In der jüngsten Bürgerversammlung hat Bürgermeister Michael Grasl (FW) die Notwendigkeit für ein Verkehrsentlastungskonzept in der ganzen Kommune betont. "Aber keinen Papiertiger, der im Aktenschrank verstaubt, sondern machbare, kreative und umsetzbare Lösungen", sagte er. Aus seiner Sicht darf kein Ortsteil zu Lasten des anderen entlastet werden. Demnächst will die Kommune ein Büro mit weiteren Erhebungen beauftragen. Zudem verweist Grasl auf ein Strukturgutachten in der Planungsregion Oberland, das dem Tölzer und drei weiteren Landkreisen Perspektiven eröffnen soll.