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Priestermangel in Tölz:Das letzte Hallelujah

Hier ist am Sonntag Schluss: In der Tölzer Franziskanerkirche findet am Wochenende die vorläufig letzte Sonntagsmesse statt.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Weil Pfarrer fehlen, findet in der Tölzer Franziskanerkirche am Wochenende der vorläufig letzte Sonntagsgottesdienst statt. Im Pfarrverband wertet man das aber auch als Chance

In Predigten geht es oft um die frohe Botschaft, diese Nachricht allerdings ist keine frohe Kunde: Der katholischen Kirche gehen die Hirten aus. In der Tölzer Franziskanerkirche wird deshalb erst einmal keine Sonntagsmesse mehr abgehalten. Weil nach dem Tod von Pfarrer Konrad Baumgartner an Christi Himmelfahrt kein Ersatz in Sicht ist, wird am Wochenende der vorläufig letzte Sonntagsgottesdienst stattfinden.

Dabei hat der Pfarrverband lange um den Erhalt der Messe gekämpft. Bereits 2008 haben die Franziskaner das Kloster Richtung Sankt Anna in München verlassen, seitdem haben die drei Pfarrer aus Bad Tölz und Lenggries mit vereinten Kräften noch versucht, die Messe am Leben zu halten: Peter Demmelmaier, Leo Sobik und Quirin Strobl. Dass die Klosterkirche nun ihre Pforten schließt, bezeichnet Kaplan Benjamin Bihl als Spätfolge des Abgangs der Mönche. Elf Jahre hatte man die Messe danach immerhin noch aufrechterhalten können.

Selbst Benjamin Bihl wird die Gemeinde demnächst verlassen müssen. Für einen Kaplan ist dieses Prozedere normal. Nach drei Jahren hat er seine Pflicht in Tölz erfüllt. Bihl selbst wird seinen Werdegang als Subregens im Erzbischöflichen Seminar in München fortsetzen, so nennt man in der katholischen Kirche den stellvertretenden Leiter eines Priesterseminars. Ein neuer Kaplan für Bad Tölz ist nicht vorgesehen - auch deshalb, weil niemand zur Verfügung steht. Damit muss die Pfarrgemeinde innerhalb von wenigen Monaten gleich von zwei Geistlichen Abschied nehmen.

Kaplan Bihl wertet das trotzdem nicht als düstere Zukunftsaussicht für die katholische Kirche. Die Pfarrei sei eben nicht für eine dritte größere Kirche ausgelegt. "Wir haben in Bad Tölz eine wahnsinnige Dichte an Kirchen und bieten samstags und sonntags drei Heilige Messen in der Stadt an, das ist sehr viel", sagt er. Samstagabends wird es nach wie vor die Heilige Messe in der Pfarrkirche geben, am Sonntag frühmorgens eine in der Mühlfeldkirche und am Vormittag den Pfarrgottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Durch den Wegfall der Sonntagsmesse in der Klosterkirche sei deshalb niemand gezwungen, auf die Heilige Kommunion zu verzichten. Die nächste Kirche befinde sich schließlich gerade mal einen halben Kilometer entfernt. "Niemand muss einen längeren Weg zurücklegen", so Bihl.

Wenn am Wochenende eine Messe weniger zur Verfügung steht, kann sich Bihl auch vorstellen, dass die anderen drei Messen dafür wieder reger besucht werden. "Der Gottesdienst fühlt sich ganz anders an, wenn die Kirchenbänke voll sind. Dann strömt eine unglaubliche Kraft zum Altarraum", sagt er. Das tue auch den Kirchgängern selbst gut, viele trauten sich mehr und lauter zu singen und schafften eine feierliche Stimmung. Denn die Tölzer, so Bihl, sängen ja ohnehin so gerne. In der Konzentration der Gläubigen auf zwei Kirchen sieht Kaplan Bihl deshalb die Chance auf eine lebendige Pfarrgemeinde.

Kaplan Benjamin Bihl sieht in der Konzentration der Gläubigen eine Gelegenheit, das Kirchenleben anzukurbeln.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Dass die Sonntagsmessen in der Franziskanerkirche nur mäßig gut besucht waren, sagt auch Georg Schwaighofer. Jahrelang war er ehrenamtlich als Mesner tätig, jetzt bleiben ihm lediglich noch die Hausmeistertätigkeiten: "Kirche auf- und zu sperren, Müll aufräumen und Zigarettenstummel zusammenklauben."

Für die Franziskanerkirche bedeutet das Messe-Aus nämlich nicht Leerstand, erklärt Bihl. Mit September plant der Pfarrverband Bad Tölz, den Sonntagabend mit einem Abendlob zu füllen. Mit Taizé-Klängen und Bands will man das Abendlob vor allem musikalisch gestalten. Und vielleicht, vermutet Bihl, könnte diese Form auch ein anderes, jüngeres Publikum ansprechen. Denn die Zahl der Kirchgänger in Bad Tölz schätzt der Kaplan als durchschnittlich ein "weder hurra, noch allzu schlecht", es bestehe somit auch Luft nach oben.

Ein Trend, den Bihl in seiner Gemeinde beobachten konnte, ist jedoch die zunehmende Bereitschaft zur Beichte. Und weil die Franziskanerkirche gleich vier Beichtstühle aufweist, werden diese Samstag nachmittags auch nach wie vor geöffnet sein. Für den Kaplan gibt es innerhalb der Kirche nichts, wo persönliches Leben und Glaube so nahe zusammenkommen wie bei der Beichte. Und solange die Katholiken von Bad Tölz das dringende Bedürfnis verspüren, sich ihre Verfehlungen von der Seele zu reden, wird die Franziskanerkirche weiterhin vor dem Leerstand bewahrt bleiben.