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Premiere in Penzberg:Ein progressives Magnificat

Günther Pfannkuch Holger Jung

Eingespieltes Team: Holger A. Jung (rechts) und Günther Pfannkuch haben gemeinsam schon einige Uraufführungen über die Bühne gebracht.

(Foto: Manfred Neubauer)

Holger A. Jung hat den traditionellen Lobgesang Marias neu vertont. Unter der Leitung von Günther Pfannkuch führen das Vocalensemble Penzberg und das Sinfonieorchester im Pfaffenwinkel das Werk erstmals auf

Diese Begegnung hat es in sich. Da treffen sich zwei Frauen, beide sind schwanger, und die eine, Maria, beschwört eine neue Welt herauf: Die Mächtigen und Hochmütigen sollen gestürzt, die Armen und Erniedrigten hingegen gestärkt werden. Eine Vision, die Feministinnen und Revolutionäre begeistern könnte. Holger A. Jung hat den "Magnificat"-Text aus dem Lukasevangelium mit anderen Augen gelesen. "Für mich war eher der vorweihnachtliche Aspekt vorrangig", sagt er. Damit knüpft er an die traditionelle Lesart an - allerdings auf moderne Weise. Am Samstag, 14. Dezember, erklingt in Penzberg erstmals seine Version des "Magnificat", eine Tondichtung, die Symphonik und Choral mit jazzigen und poppigen Elementen verbindet.

In Auftrag gegeben haben das Werk Günther Pfannkuch und der Verein Musikfreunde Penzberg, die schon mehrmals mit Jung zusammengearbeitet haben, zuletzt 2017 mit "Luther - musical pictures". Die Idee sei gewesen, "diesmal einen schönen vorweihnachtlichen Text zu vertonen", erklärt Pfannkuch. Der Lobgesang Marias, der mit den Worten "Magnificat anima mea Dominum" ("Meine Seele preist den Herrn") beginnt, sei "ein philosophisch-tiefgründiger, ein sehr wichtiger Text, der zum Reflektieren animiert", sagt er.

Pfannkuch leitet sowohl das Vocalensemble Penzberg als auch das Sinfonieorchester im Pfaffenwinkel. Gemeinsam mit renommierten Solisten - Anna Karmasin (Sopran), Nikolaus Pfannkuch (Tenor) und Christian Feichtmair (Bariton) - werden die beiden Laien-Ensembles Jungs Tondichtung zum Leben erwecken. Eine besondere Herausforderung für alle Beteiligten liegt darin, dass es keinerlei Vorbilder gibt, an denen man sich orientieren könnte. Auch für die Profis bedeute eine solche Uraufführung einen erheblichen Mehraufwand, erklärt Pfannkuch. "Der Idealismus trägt den Charme dieser Aufführung. Das lebt. Das erfüllt."

Jungs Partitur umfasst 180 Seiten. Beim Komponieren habe er sich an die Gliederung gehalten, die der Text vorgebe, erzählt er. "Dann habe ich mir gezielt einzelne Passagen vorgenommen und mich in die entsprechende Stimmung versetzt." Das "Fecit potentiam" etwa ("Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten") müsse kraftvoll daherkommen. "Da geht es ganz schön zur Sache, deshalb wollte ich progressive Bigbandklänge." Das Stück beginne zwölftonig und löse sich schließlich in Jazz-Harmonik auf. "Ich spiele gerne Jazz, und ich improvisiere gerne am Papier", sagt Jung, der als freischaffender Komponist und Arrangeur, aber auch als Musikpädagoge und Dozent für Musiktheorie arbeitet.

Das traditionelle "Magnificat" hat er mit weiteren Marien-Texten angereichert und zu einer etwa einstündigen Kantate geformt. Gesungen wird in lateinischer und englischer Sprache - "weil die jazzigen Elemente sich so einfach besser ausdrücken lassen".

Auch bei der Besetzung bricht Jung gerne mit Hörgewohnheiten. Neben Streichern, Holz- und Blechbläsern kommen eine große Percussiongruppe, eine Harfe und sogar ein Akkordeon zum Einsatz. "Das Akkordeon gibt eine schöne Farbe mit dem Orchesterklang", schwärmt Pfannkuch. Jung wird diesmal nicht auf der Bühne, sondern im Publikum sitzen. "Das heißt Loslassen", sagt er, "ist aber auch ein schöner Moment." In der intensiven Probenphase wirkt er derzeit als Korrepetitor und begleitet Sänger und Instrumentalisten am Klavier. Der unmittelbare Austausch mit dem Komponisten sei immer wieder befruchtend, sagt Pfannkuch. "Man wächst."

Begonnen haben die Proben im September. Nun zum Ende hin steigt natürlich die Spannung. "Alle geben ihr Bestes", sagt Pfannkuch. "Da entsteht etwa." Vollendet sei die Probenarbeit aber erst im Moment der Aufführung: "Da muss die Muse küssen!" Nervös sei er deshalb nicht.

Und wie sieht der Komponist die Entwicklung seines Werks? "Ich bin jedes Mal begeistert, wie es klingt", sagt Jung. "Meine Erwartungen werden immer wieder überboten."

Uraufführung "Magnificat" von Holger A. Jung, Chor, Orchester und Solisten, Samstag, 14. Dezember, 19 Uhr, Christkönigkirche, Penzberg, Karten zu 28/22/17/13 Euro in der Penzberger Buchhandlung Rolles, Telefon 08856/43 44 und beim Gelben Blatt, Telefon 08856/91 40; zweite Vorstellung am Sonntag, 15. Dezember, 16.30 Uhr