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Preis für Spezialabteilung im Krankenhaus:Ausgezeichnet atmen lernen

Erfolgreiche Spezialisten: Die Mitarbeiter des Weaning-Zentrums an der Kreisklinik mit Leiter Klaus-Peter Uehlein (2.v.re.).

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Das Wolfratshauser Weaning-Zentrum ist die erste zertifizierte Einrichtung ihrer Art an einer Kreisklinik in Bayern

Seit drei Jahren hat die Kreisklinik Wolfratshausen ein sogenanntes Weaning-Zentrum, in dem langzeitbeatmete Patienten schrittweise vom Beatmungsgerät entwöhnt werden. Dass die Spezialabteilung höchsten Qualitätsstandards genügt, zeigt die Auszeichnung, die sie im Sommer von der Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin erhalten hat. Das Wolfratshauser Weaning-Zentrum sei die erste zertifizierte Einrichtung ihrer Art an einer Kreisklinik in Bayern, erklärte Klinik-Geschäftsführer Hubertus Hollmann am Mittwoch bei einer Feierstunde im Krankenhaus. Mit der Abteilung sei die Kreisklinik neue Wege gegangen "und hat sich in der Region ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet".

Den Erfolg des jungen Zentrums belegte Hollmann mit Zahlen: 100 Patienten seien vergangenes Jahr dort behandelt, ein Umsatz von 3,5 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Der Geschäftsführer zeichnete den Weg nach, sprach über die Anschaffung der Technik, die gelungene Personalgewinnung und die sukzessive Kapazitätsausweitung auf heute 14 Betten. "Die Patienten kommen in einem angenehmen Umfeld wieder zu Bewusstsein, fernab der kalten, fensterlosen Atmosphäre einer Intensivstation."

Warum es Weaning in der Kreisklinik gibt, beantwortete Michael Trautnitz, der ärztliche Direktor und Chefarzt der Inneren Abteilung, mit drei Gründen: Erstens gebe es die Nachfrage, weil die Medizin mit hoch spezialisierten Behandlungsformen auch im Alter voranschreite und Langzeitbeatmung bei älteren Patienten "fast schon eine Art Regelversorgung" sei. Kliniken wie Großhadern mit voll belegten Intensivstationen hätten immer wieder angefragt, ob Wolfratshausen nicht komplexe Beatmungspatienten zur weiteren Versorgung übernehmen könne. Zweitens habe die Geschäftsführung den Aufbau des Zentrums genehmigt und unterstützt. Und drittens: "Weil wir es können." Das Team aus verschiedenen Fachärzten, Intensivpflegern und Therapeuten leiste eine sehr gute und erfolgreiche Arbeit.

Der Leiter des Weaning-Zentrums, Klaus-Peter Uehlein, erklärte, wohin die Reise gehen könnte: Die Beatmung an Kliniken koste die Bundesrepublik im Jahr mehr als vier Milliarden Euro, sagte der Pneumologe, der 2015 aus Köln nach Wolfratshausen geholt wurde. Ebenso viel verschlinge die außerklinische Beatmung. Die solle künftig von zertifizierte Zentren wie Wolfratshausen kontrolliert werden. "Durch den immensen Kostendruck wird das relativ zügig umgesetzt werden."

Landrat Josef Niedermaier erinnerte daran, dass der Klinik-Aufsichtsrat, dem er vorsitzt, Vertrauen gehabt habe, das Risiko mit dem Weaning-Zentrum einzugehen. "Heute sitzen wir hier, weil das Vertrauen belohnt wurde", sagte er. "Es hilft uns, hier in der Kreisklinik auch eine Spezialisierung zu haben, die uns so schnell keiner nachmacht."