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Politik in Schäftlarn:Der stille Aktivist

Matthias Ruhdorfer hat 18 Jahre lang die Gemeinde Schäftlarn geführt. Trotz Berentung setzt er sich weiterhin aktiv für den Klimaschutz ein.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Altbürgermeister Matthias Ruhdorfer organisiert eine Diskussionsrunde über Klimathemen für die CSU

Von Marie Heßlinger, Schäftlarn

Matthias Ruhdorfer ist ein zurückhaltendes Mitglied im Schäftlarner Gemeinderat. Selten ergreift er das Wort in dem Gremium, das er als Bürgermeister 18 Jahre anführte. Seit seiner Verrentung im vergangenen Jahr geht er stattdessen nahezu täglich zwei Stunden walken. Doch dabei bleibt es nicht. Still und leise führt Ruhdorfer noch ein anderes Amt: Er ist Leiter des Arbeitskreises Umwelt der CSU, den er im Landkreis München 2018 zurück ins Leben rief.

Einen Arbeitskreis für Umwelt gab es schon einmal in der Landkreis-CSU. Und Ruhdorfer, damals 24 Jahre alt und Student der Mathematik und Informatik, schloss sich ihm an. "Das war die Zeit mit Alois Glück", erinnert Ruhdorfer sich: Der CSU-Landtagsabgeordnete Glück machte zu seiner Zeit viele Parteikollegen auf Umweltschutz aufmerksam. Ruhdorfer kam zu dem Schluss: "Wir müssen achtsam mit der Natur umgehen und uns zurücknehmen."

Heute tankt Ruhdorfer Biomethan, weil die Produktion von Elektrobatterien so energieaufwendig ist, und heizt Pellets, weil er in einer Waldgegend lebt. Er sagt: "Aus meiner Sicht gibt es nie eine einfache Antwort, die für alles gilt." Als Bürgermeister setzte er sich für bessere Wärmedämmungen und Heizungen ein, ließ Fotovoltaikanlagen und LED-Lampen installieren.

Der Arbeitskreis Umwelt hat Ausflüge und Vorträge für CSU-Mitglieder zu Themen wie Wasserkraft und Geothermie organisiert, zu Umweltschutzprojekten oder Naturschutzzonen. Er sieht sich nicht als Akteur, sondern will zur Meinungsbildung beitragen. "Die Ideen muss man ja erst mal unter die Leute bringen", sagt Ruhdorfer. "Wir haben versucht, Bedenken auszuräumen oder Hindernisse." Und in dieser Rolle sieht Ruhdorfer seinen Arbeitskreis auch heute noch: "Zum Mitmachen anzuregen, das ist das Hauptziel", sagt er.

Vor rund 20 Jahren, so schätzt Ruhdorfer, verlief sich der Arbeitskreis. Jene rund 30 Mitglieder, die aktiv daran teilnahmen, hatten keine Zeit mehr, vermutet er im Rückblick, das Thema verlor zudem an öffentlicher Aufmerksamkeit. Als die Fridays-for-Future-Demonstrationen und das Pariser Klimaabkommen ins öffentliche Interesse rückten, beschloss Ruhdorfer, einen zweiten Versuch zu wagen: Im September 2018 wurde er zum zweiten Mal Vorsitzender des Arbeitskreises. "Es gibt zwar viele Leute, die Umweltschutz für wichtig erachten, aber aus dieser Zuschauerhaltung nicht herauskommen", begründet er den Schritt zur Wiederbelebung des Arbeitskreises. Auch in der CSU müsse das Thema Umweltschutz mehr Beachtung finden.

Auf Wunsch einiger Mandatsträger führte Ruhdorfer eine Klimaplattform ein - eine Diskussionsrunde über Klimathemen. Zuletzt hielt der Münchner Landrat Christoph Göbel einen Vortrag über die Lage im Landkreis, am 15. April soll es um "die Auswirkungen von Pflanzen auf das lokale Klima" gehen. Der Arbeitskreis mit seinen rund 40 Mitgliedern besuchte die Fröttmaninger Heide und diskutierte mit Landwirten über ökologische Ausgleichsflächen auf ihren Feldern.

Ruhdorfer selbst ist auf einem Bauernhof groß geworden. "Dass man sagt, die Landwirte machen alles schlecht, das kann man so nicht nachvollziehen." Ihm gehe es deshalb um Kommunikation.

Eine häufige Frage, die dem CSU-Arbeitskreis von Parteifreunden entgegenschlüge, sei die Frage nach den Kosten umweltfreundlicher Ideen. "Ich denke, es gibt zwei Punkte dazu", sagt Ruhdorfer. "Einmal, dass man sich fragen muss, wie wichtig uns das Ganze ist." Viele Menschen gäben Geld für Dinge aus, wenn sie ihnen wichtig seien. Wenn die Wichtigkeit des Klimaschutzes erkannt würde, dann sei der zweite Schritt, "klarzumachen und aufzuzeigen, dass man hierfür auch Geld benötigt."

Und Ruhdorfer hat den Eindruck, dass das Interesse am Thema gerade groß ist, die Motivation hoch: "Wenn man etwas macht und dann findet das Anklang, dann macht das viel mehr Spaß", sagt er. Auch so ist das Projekt nicht ganz uneigennützig für ihn: Es sei schön, "wenn man das Gefühl hat, man ist als Bürgermeister nicht sofort aus der Welt", sagt er und lächelt. Seine Überzeugung ist: "Ich denke, mit einer gewissen Beharrlichkeit kann man vieles bewegen. Vielleicht nicht auf revolutionäre Art, aber in einer Art und Weise, wo man die Menschen mitnimmt."

© SZ vom 19.04.2021
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