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Politik in Lenggries:Kostenflut

Lenggrieser Hochwasserschutz wird teurer als erwartet

Von Petra Schneider, Lenggries

Der Hochwasserschutz ist in Lenggries ein Reizthema. Dass Maßnahmen im Bereich des Dorfbachs und am Arzbach nötig sind, darüber herrscht weitgehend Konsens. Für Ärger sorgen aber die Planungen des Wasserwirtschaftsamts Weilheim (WWA), die teils als überdimensioniert kritisiert werden und immense Kosten verursachen. So wurde der Gemeinderat am Montag darüber informiert, dass sich die Gesamtkosten für die Hochwasserschutzmaßnahmen am Arzbach fast verdoppelt haben. Nach aktuellen Berechnungen des WWA liegen sie nun bei 1,1 Millionen Euro. Im Jahr 2016 war man noch von 620 000 Euro ausgegangen.

Die Maßnahmen, die Anlieger in den Ortsbereichen Arzbach und Schlegldorf bei einem 100-jährigen Hochwasser schützen sollen, finanziert zu 70 Prozent der Freistaat, jeweils 15 Prozent müssen die Gemeinden Lenggries und Wackersberg beitragen. Für die Brauneckgemeinde steigt der Anteil nun von 93 000 Euro auf 165 000 Euro. Das WWA hatte die Kostensteigerung mit personellen Engpässen begründet, die dazu geführt hätten, dass Planungsleistungen extern vergeben worden seien. Allein dies habe zu Mehrkosten von 130 000 Euro geführt. Eine Handhabe habe man nicht, sagte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FWG), "das Wasserwirtschaftsamt muss uns die Kostensteigerung nur mitteilen".

Im April 2017 hatte der Gemeinderat Entwurfsplanung und Kostenbeteiligung am Arzbach einstimmig gebilligt, unter der Maßgabe, dass Bedenken der Anwohner berücksichtigt werden. Die Planungen sehen vor, dass im Bereich des Schussgerinnes oberhalb der Staatsstraße Geländeanhebungen, Deiche und Mauern gebaut werden, um Wohnhäuser vor Überflutung zu schützen. In einem ersten Bauabschnitt wurden bereits Sohlrampen und -schwellen eingebaut, um einer Eintiefung des Arzbachs entgegenzuwirken. In einem zweiten Bauabschnitt sollen nun Geländeerhebungen und Mauern im Bereich des Freibads folgen. Im Gemeinderat regte sich Kritik an den Kosten: Die Gemeinde könne doch nicht an Mehrkosten beteiligt werden, die durch das nicht abgesprochene Auslagern von Planungsleistungen entstünden, hieß es. Der Gemeinderat habe 2017 unter anderen Voraussetzungen zugestimmt. Dass die Gemeinde deshalb aus der Vereinbarung aussteigen kann, hält Franz Schöttl (CSU) aber nicht für möglich. Er regte an, bei künftigen Vereinbarungen mit dem WWA festzulegen, dass bei Kostensteigerungen eine andere prozentuale Aufteilung vorgenommen wird. "Wir müssen in Zukunft etwas vorsichtiger sein", unterstrich auch Bürgermeister Klaffenbacher. Es sei nicht das erste Mal, dass sich das WWA verkalkuliert; bei den geplanten Maßnahmen an Dorf-, Hals- und Reiterbach, die dafür sorgen sollen, dass überschüssiges Wasser mittels Rohrleitungen in die Isar geleitet wird, hätten sich die geschätzten Kosten seit 2012 ebenfalls verdoppelt: Sie wurden im November 2018 auf 12,5 Millionen beziffert, die Gemeinde müsste 30 bis 50 Prozent übernehmen. Auf deren Druck hin prüft das WWA derzeit, ob günstigere Varianten möglich sind.

© SZ vom 01.10.2020

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