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Politik in Bad Tölz:Vorbehalte gegen Naturhotel

Das Projekt von Johannes Tien auf der Wackersberger Höhe gefällt nicht allen Tölzer Stadträten. Ein städtebaulicher Vertrag soll nun strittige Punkte wie die Gestaltung, die Bettenzahl, den Bauablauf und das Betreiberkonzept regeln

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Ein Natur-Hotel mit 100 Betten und acht Chalets möchte Johannes Tien auf der Wackersberger Höhe errichten. Noch sind seine Pläne den Tölzer Stadträten allerdings zu unscharf. In der Sitzung am Dienstagabend beschlossen sie mehrheitlich, einen städtebaulichen Vertrag mit dem Unternehmer abzuschließen. Darin sollen nicht bloß die gestalterischen Eckpunkte und die Mindestzahl der Betten festgelegt werden, wie dies die Stadtverwaltung angeregt hatte. Überdies soll der Kontrakt noch den zeitlichen Ablauf der Bauarbeiten, eine Rückfallregelung und ein Betreiberkonzept umfassen, das auch die acht Chalets beinhaltet.

Hotel Wackersberger Höhe

Mit den Plänen auf der Wackersberger Höhe sind nicht alle einverstanden. Ein städtebaulicher Vertrag soll Klarheiten und Sicherheiten bringen.

(Foto: Manfred Neubauer)

Gegen diesen Beschlussvorschlag votierten Gabriele Frei, Anton Mayer, Julia Dostthaler (alle CSU), Moritz Saumweber und Johannes Gundermann (beide Grüne). Gegen eine um 14 Tage verlängerte Auslegung des Bebauungsplans stimmten neben ihnen auch noch Johanna Pfund (Grüne) und Christof Botzenhart (CSU).

Während die Regierung von Oberbayern und das Wasserwirtschaftsamt Weilheim gegen das Projekt nichts einzuwenden haben, gibt es Kritik vom Bund Naturschutz. Kreisvorsitzender Friedl Krönauer fürchtet ob der Hotelgröße eine starke Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und einen zu geringen Abstand der Gebäude zum Stadtwald. Außerdem sei die artenschutzrechtliche Prüfung "sehr oberflächlich" gewesen, moniert er. Um solche Einwände aufzugreifen, brachte Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) kurz vor der Sitzung einen städtebaulichen Vertrag ins Spiel. Es gehe es um Rechtssicherheit, sagte er. "Auch weil - von vielen bewusst eingesetzt - oft spekuliert wird, sollten wir hier lieber eine Extrarunde drehen." Einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan lehnte er hingegen ab, weil das Verfahren so um Monate verzögert werden könnte.

Johannes Tien will ein Hotel und Chalets errichten.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Vor allem Stadträte, die das Projekt skeptisch sehen, fühlten sich überrumpelt. Darunter Anton Mayer (CSU). Für ihn wird ein Filet-Grundstück im Naherholungsgebiet "dem Kommerz geopfert". Auf der Wackersberger Höhe entstehe außerdem kein Vier-Sterne-Hotel, sondern bloß "ein Hotel garni", das Bad Tölz kaum mehr Strahlkraft verleihe. Der Investor habe "noch mit keinem erprobten Leistungsangebot" überzeugen können, sagte er. Noch deutlicher wurde Christof Botzenhart (CSU). Er hielt dem Bauwerber vor, dass er "über keine Referenz verfügt, so ein Projekt stemmen zu können". Wie Botzenhart kritisierte Gabriele Frei (CSU), dass der Investor sein Projekt in einem Jahr kaum weiterentwickelt habe. So sei zum Beispiel unklar, ob die Chalets ans Hotel gebunden seien oder daraus einmal Ferienwohnungen werden. "Fakt ist, dass wir keine Rechtssicherheit haben." Eine Befürchtung, der Bürgermeister Mehner umgehend widersprach: "Ich sehe große Rechtssicherheit." Die Größe des geplanten Hotels missfällt Johanna Pfund (Grüne). Sie verwies auf das unebene Gelände auf der Wackersberger Höhe. Ein Gebäude mit 10,50 Metern Wandhöhe falle dort nochmals um vier Meter ab, meinte sie. Das geplante Flachdach verursacht ihr ebenfalls Unbehagen, auch bei einem modernen Holzbau. Das solle aber begrünt werden, erwiderte Bauamtsleiter Christian Fürstberger. "Das ist ökologisch schon wichtig." Die Kosten für die Erschließung des rund 8400 Quadratmeter großen Areals stoßen Moritz Saumweber (Grüne) sauer auf. Der Kanalbau sei ein Risiko, sagte er. Trotz diverser Summen, die in der Vergangenheit dafür genannt worden seien, habe man mit 1,2 Millionen Euro zu rechnen, die für die Stadt anfallen. "Das ist eine hohe Subvention für ein Privatunternehmen", klagte er. Dem hielt Fürstberger entgegen: "Das ist halt so bei außen liegenden Grundstücken." Und wer zahle bei einem Baustopp, hakte Saumweber nach. "Der Auftraggeber", so Fürstberger.

Für Franz Mayer-Schwendner (Grüne) reichen Gestaltung und Bettenzahl als Eckpunkte eines städtebaulichen Vertrags nicht aus. Für die Chalets bedürfe es ebenfalls einer Festlegung, sagte er. "Sonst bekommen wir da eine Splittersiedlung." Außerdem seien der zeitliche Ablauf des Hotelbaus, ein Betreiberkonzept und eine Rückfallregelung festzuzurren.

Zu Wort meldeten sich allerdings auch Stadträte, die das Projekt unterstützen. "Ich habe den Eindruck, dass es hier weniger um den Bebauungsplan geht, sondern um Geschmacksfragen", sagte Willi Streicher (SPD). Noch sei der Vertrag nicht ausgehandelt, da gebe es "einen Tenor, der sagt, das geht schief". Dies sei "eine schlechte Voraussetzung für die Entwicklung, die wir wollen", so Streicher. Die Lage des Grundstücks sei zwar in der Tat "vom Feinsten". Aber, so der SPD-Stadtrat: "Mal ehrlich, nach welchen Kriterien würden wir ein Hotel buchen?" Von der Aufgeregtheit der Debatte zeigte sich Peter von der Wippel (FWG) überrascht. Er verwies darauf, dass die Hotelinvestoren in Bad Tölz keineswegs mehr Schlange stehen, nachdem in den Jahren zuvor "einer nach dem anderen verprellt" worden sei.

© SZ vom 29.10.2020

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