Politik aus dem Landkreis:Mehr Hilfe für Sehbehinderte

CSU-Abgeordneter Bachhuber will mobile Betreuung stärken

Julia büffelt demnächst für die Mittlere Reife und hat noch keine Ahnung, was sie später machen will. So geht es vielen Jugendlichen, die in dieser Situation zur Berufsberatung gehen. Also keine große Sache, denkt man, für Julia aber schon: Die 17-Jährige, die in Dietramszell wohnt und in Holzkirchen zur Schule geht, ist sehbehindert. Von Geburt an ist ihre Iris beschädigt, auf dem rechten Auge nimmt sie nur hell und dunkel wahr, die Sehkraft auf dem linken Auge beträgt noch 30 Prozent - da reicht eine normale Berufsberatung nicht. Julia ist deshalb ein Fall für Rudolf Braun vom Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD) am Sehbehinderten- und Blindenzentrum (SBZ) in Unterschleißheim. Zuletzt war Braun allerdings nur noch selten bei Julia. Der Grund: Er hat immer mehr Schüler zu betreuen, bekommt von der Regierung von Oberbayern und dem Kultusministerium dafür aber weniger Stunden als vor ein paar Jahren bewilligt. Jetzt soll der CSU-Stimmkreisabgeordnete Martin Bachhuber helfen.

"Ohne den MSD wären wir ganz auf uns alleine gestellt, inmitten des Paragrafendschungels mit unzähligen Vorschriften und Sonderregelungen ist das eine Aufgabe, die eigentlich nicht zu bewältigen ist", sagt Peggy von Stackelberg. Ihr Mann Felix nickt zustimmend. Deshalb sind die Eltern von Julia froh, dass sich Rudolf Braun bereits seit der fünften Klasse um ihre Tochter kümmert. "Eigentlich müsste ich viel öfter in Dietramszell sein, aber ich habe dafür leider nicht die Zeit", so Braun. Vom Chiemsee bis nach Weilheim betreut er derzeit 45 Schüler, wofür er von der Regierung 15 Stunden zur Verfügung gestellt bekommt. "Dabei wären eigentlich 33 Stunden dringend erforderlich." Vor einigen Jahren hatte Braun noch 18 Stunden für neun Schüler. "Dabei sind wir doch die Pioniere der Inklusion", sagt er. Die Aufgabe des MSD besteht darin, sehbehinderten Schülern die Teilnahme am Unterricht in einer Regelschule zu ermöglichen.

Das SBZ in Unterschleißheim betreut aktuell 400 Schüler in einem Gebiet von Passau im Osten bis Memmingen im Westen. "Für diese große Zahl haben wir gerade mal 89 MSD-Stunden zur Verfügung, das sind 4,5 Stunden pro Schüler", sagt Direktorin Hildegard Mayr. Wegen der weiten Strecken bleibe pro Schüler oft nur eine Stunde pro Woche übrig. "Das ist viel zu wenig", so Mayr. Verantwortlich dafür ist nach ihrer Ansicht ein Konstruktionsfehler im bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen. Dort ist die Stundenzahl für den MSD gedeckelt, anstatt sich am tatsächlichen Bedarf zu orientieren.

Im Stimmkreis von Bachhuber werden derzeit 19 Schüler durch den MSD-Sehen betreut, zwei weitere besuchen die Schule in Unterschleißheim. Nicht alle Eltern gehen mit dem Schicksal ihres Kindes an die Öffentlichkeit. "Es ist doch aber wichtig, dass möglichst viele Menschen erfahren, wie bedeutsam die Arbeit des MSD-Sehen ist, wie stiefmütterlich er aber behandelt wird", sagt Peggy von Stackelberg. Dass trotz gestiegener Schülerzahl die Betreuungs-stunden zusammengestrichen wurden, ist für Braun "erschütternd". Die Arbeit werde mit der Betreuung von Lernbehinderten gleichgestellt, dabei sei es viel zeitaufwendiger, sich um einen sehbehinderten Schüler zu kümmern, sagt er. Denn da komme noch die Sensibilisierung der Lehrer für die Erkrankung, die Begleitung im Unterricht, die Suche nach geeigneten technischen Hilfsmitteln und die Beantragung von Zuschüssen hinzu.

Die steigende Zahl der zu betreuenden Schüler hat inzwischen dazu geführt, dass der MSD-Sehen sogar eine Warteliste führen muss. CSU-Abgeordneter Bachhuber will sich deshalb nun an die Regierung von Oberbayern und an das Kultusministerium wenden, um eine deutliche Verbesserung beim Stundenkontingent zu erzielen. "Es darf nicht sein, dass wir sehbehinderte Kinder und Jugendliche von staatlicher Unterstützung ausschließen und ihnen deshalb die Teilhabe am ganz normalen Leben versagen", meint er. Peggy und Felix von Stackelberg hoffen, dass es dadurch möglich sein wird, Rudolf Braun wieder öfter in Dietramszell zu sehen.

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