Unverpackt-Geschäfte in Bad Tölz und Wolfratshausen:Schwere Zeiten für plastikfreie Läden

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Unverpackt-Geschäfte in Bad Tölz und Wolfratshausen: Das "Ois Ohne" an der Hindenburgstraße in Bad Tölz wurde im Mai 2019 als erster Unverpackt-Laden im Landkreis eröffnet. Mit neuen Regalen, Schildern und anderen Abständen sollen die Innenräume bis Juni umgestaltet werden.

Das "Ois Ohne" an der Hindenburgstraße in Bad Tölz wurde im Mai 2019 als erster Unverpackt-Laden im Landkreis eröffnet. Mit neuen Regalen, Schildern und anderen Abständen sollen die Innenräume bis Juni umgestaltet werden.

(Foto: Manfred Neubauer)

Corona, Krieg, Teuerungen: Das "Ois Ohne" in Bad Tölz will mit einer Umgestaltung das Aus verhindern. Für das "Ohnverpackt" in Wolfratshausen ist die Lage weniger prekär, aber auch nicht einfach.

Von Klaus Schieder

Die prekäre Lage im "Ois Ohne" gießt Katharina Kuhn in einen Satz. "Wenn sich nichts ändert, gibt es uns in ein paar Monaten nicht mehr", sagt die Gründerin des ersten Unverpackt-Ladens im Landkreis. Dabei hätte sie eigentlich Grund zum Feiern. Seit ziemlich genau drei Jahren besteht nun schon das plastikfreie Geschäft an der Hindenburgstraße in Bad Tölz, wo die Kunden ihren Einkauf in mitgebrachten Boxen und Gläsern mit nach Hause nehmen. "Ehrlich gesagt, der Laden war nie der Goldesel, aber wir sind immer gut bei Null rausgekommen", sagt Kuhn. Aufgeben möchte sie nicht. "Ois Ohne" wird vom Wochenende an mit neuen Regalen und Schildern umgestaltet. "Wir sind voller Tatendrang, das Herzblut ist da."

Corona, Ukraine-Krieg, steigende Preise: Die Gründe für die wirtschaftlichen Probleme sind vielfältig. Hinzu kommt für die studierte Betriebswirtschaftlerin, dass auch Discounter ihr Sortiment geändert haben. Aldi biete zum Beispiel eine Bambuszahnbürste an, "die kostet bei uns mehr, weil wir mit kleinen, fairen Herstellern zusammenarbeiten." Im Moment fehlten 1000 bis 2000 Euro Einnahmen pro Monat, was jedoch nicht am mangelnden Interesse der Tölzer liege. "Superviele Unverpackt-Läden sind verschwunden", sagt Kuhn.

Damit sich das "Ois Ohne" in dieses Artensterben nicht einreiht, soll es von Juni an Neuerungen geben. So bietet das Geschäft künftig die Möglichkeit, den Einkauf vorzubestellen. Das Ladenteam um Geschäftsführerin Sabine Riesch "packt dann alles zusammen, wiegt ab und stellt es zum Abholen bereit", so Kuhn. Überdies hat man eine Kooperation mit dem Biotop Oberland ab Juli vereinbart. "Zum Beispiel ist geplant, die Produkte im Pfandglas auch in Lenggries kaufen zu können." Eventuell könne man im "Ois Ohne" auch eine Verteilerstation für das Biotop einrichten.

Das kleine Café im Unverpackt-Laden bleibt bestehen, auf der neu dekorierten Terrasse werden Bio-Kaffee und selbstgebackene Kuchen serviert. Der Mittagstisch für Kinder und Jugendliche, die auf dem Weg zum Gymnasium an der Hindenburgstraße vorbei kommen, habe "am Anfang super geklappt", sagt Kuhn. Aber auch das sei "nie so der Gewinnbringer gewesen". Damit das Geschäft bestehen bleiben kann, zählt nur "Einkaufen, Einkaufen, Einkaufen", sagt die Gründerin.

Unverpackt-Geschäfte in Bad Tölz und Wolfratshausen: Seit März 2020 betreiben Martina und Bernd Steuer das "Ohnverpackt" im Obermarkt 29 in Wolfratshausen.

Seit März 2020 betreiben Martina und Bernd Steuer das "Ohnverpackt" im Obermarkt 29 in Wolfratshausen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Während das "Ois Ohne" in Bad Tölz von einer Genossenschaft mit fünf Vorständen und 169 Mitgliedern betrieben wird, führen Martina und Bernd Steuer das "Ohnverpackt" am Wolfratshauser Obermarkt privat und alleine. Mehr als 1500 Produkte von gut 70 Anbietern, darunter auch Bio-Großhändler wie Ökoring, haben sie in ihrem Sortiment. Und alle, die reinkommen, seien "tiefenentspannt", sagt Bernd Steuer. Die Kunden redeten mit ihnen und untereinander wie in einem Tante-Emma-Laden. Allerdings kaufen nicht alle, die den plastikfreien Verkauf von Bio-Produkten als "tolle Idee" preisen, dann auch ein. Dazu müsse man den Einkauf planen, sagt Steuer. "Und das ist schon noch eine Hürde."

Die geschäftliche Situation bezeichnet auch Steuer als schwierig. Beim Einkauf der Waren müsse man Mindestbestellmengen angeben, zudem sei es immer wichtiger, dass man sie regional bekomme, erzählt er. Wobei es wiederum "nicht alles bei allen" gebe. Durch Corona kam es im "Ohnverpackt" kaum zu Einbußen, anders als durch den Ukraine-Krieg, der zu Preissteigerungen etwa beim Brot geführt hat. "Ich hatte das Gefühl, dass die Leute in der Pandemie eher mehr einkauften, weil sie daheim gekocht haben und kaum weggegangen sind." Das ändert sich aber gerade wieder, wobei auch das sonnige Wetter eine Rolle spielt. In den vergangenen Tagen sei "nicht wirklich was los" gewesen, so Steuer. Allerdings gibt es zwischendrin auch solche, wo er den dreifachen Umsatz gemacht hat. "Das war komisch."

Ans Aufgeben denken seine Frau Martina und er derzeit nicht. Im März 2023, also drei Jahren nach der Eröffnung am Obermarkt, werde neu überlegt, sagt Steuer. "Wenn sich alles auf einem Niveau stabilisiert, dass man davon leben kann, werden wir weitermachen." Schließlich sei das Ganze eine Herzensangelegenheit.

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