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Plagiatstreit:Kampf der Kräuterlikör-Hersteller

'Hirschkuss' Produzentin Petra Waldherr-Merk, 2011

Nach einer geheimen Rezeptur ihrer Großtante stellt Petra Waldherr-Merk den Kräuterlikör "Hirschkuss" in Gaißach her.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die "Hirschkuss"-Erfinderin erhebt schwere Vorwürfe gegen den "Hirschrudel"-Vermarkter Verpoorten. Der reagiert mit einem Anwalt.

Im ersten Moment hatte sich Petra Waldherr-Merk von dem Anruf nicht aus der Ruhe bringen lassen. Im Spätherbst vorigen Jahres meldete sich ein Tester, der für Hotels und Gaststätten neue Spirituosen degustiert, am Telefon bei der Unternehmerin in Gaißach. Er erzählte ihr, dass er den Kräuterlikör "Hirschkuss" bei einer Verkostung probiert habe - auf der Flasche stand allerdings mit "Hirschrudel" ein ganz anderer Name. So etwas komme schon mal vor, sagt Waldherr-Merk, wenn jemand den Likör in kleine Flaschen umfülle, ohne kommerziellen Hintergedanken.

Hellhörig wurde sie allerdings, als der Tester weiter berichtete, es habe sich aber im Gegenteil um ein seriös aufgemachtes Produkt gehandelt. Waldherr-Merk begann zu recherchieren, fand im Internet die Homepage der "HirschRudel GmbH" und der Vertriebsfirma Seven Spirits.

Sie kaufte sich eine Flasche "Hirschrudel" und fand das Ergebnis "bestürzend". Geruch, Geschmack, die Legende dazu - alles beinahe identisch, sagt sie. Gegen den Hersteller erhebt sie nun den Vorwurf des Plagiats. Beim Patentamt München hat sie die Löschung dieser Marke beantragt.

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Um sicher zu gehen, schickte sie beide Liköre in ein Labor in Berlin. Das Ergebnis der Analyse: "Das Aromaprofil ist nahezu identisch", sagt Waldherr-Merk. Ein ähnlicher Geschmack ist bei solchen Spirituosen nichts Ungewöhnliches, das weiß auch ihr Sohn Felix Merk. Allerdings hätten beide Produkte eine Rum-Note, was für Kräuterliköre "untypisch" sei.

Sauer stoßen ihm auch Ähnlichkeiten im Herstellungsprozess auf. Im Internet informiert die Seven Spirit GmbH, dass der "Hirschrudel" in kleinen Flaschen von Hand abgefüllt und etikettiert werde - wie dies auch in Gaißach geschieht. Merk mag das nicht glauben. Er hegt wegen entsprechender Vermerke auf Internetseiten mit "Hirschrudel" den Verdacht, dass die Firma Condor das Produkt aus Bonn maschinell abfülle.

Auch die Legenden, die sich um die beiden Liköre ranken, gleichen sich. Darin stehe, dass Dirk Verpoorten, Gründer und Geschäftsführer von Seven Spirits, vor drei Jahren das Kräuterlikör-Rezept seiner Großmutter gefunden habe, sagt Petra Waldherr-Merk. 2012 habe er aber schon die Marke "Hirschrudel" angemeldet. "Verpoorten scheint es mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen." Es sei dieses Gesamtpaket, das sie beunruhige, sagt die Gaißacher Unternehmerin.

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(Foto: Claudia Koestler)

Ihre Gefühle reichten "von Bestürzung bis Wut - da kommt alles". Sie schaltete ihren Patentanwalt Herbert Pätzold ein, der gegenüber Seven Spirits die Verletzung gewerblicher Schutzrechte monierte. Die Firma aus Bonn konterte über ihren Anwalt, der mit einer Feststellungsklage drohte. "Er hat uns seine Rechnung mitgeschickt", sagt Felix Merk.

Dirk Verpoorten weist den Plagiatsvorwurf strikt zurück. "Hirschkuss" und "Hirschrudel" unterscheiden sich nach seiner Ansicht schon auf den ersten Blick klar voneinander - von der Form der Flasche über den Verschluss bis hin zum Etikett. Alleine deshalb sieht er nicht die Gefahr einer Verwechslung.