Vor knapp drei Wochen kam die lang ersehnte Baugenehmigung. Das war der Startschuss für die Thomas-Wimmer-Stiftung, mit der Erweiterung des Seniorenzentrums an der Gartenstraße in Penzberg loszulegen. Am Mittwoch wurde der Grundstein für den Neubau gelegt. Knapp 14 Millionen investiert die Thomas-Wimmer-Stiftung in den Anbau. Weitere 2,7 Millionen Euro fließen in die Sanierung der Bestandsgebäude.
Als die Münchner Stiftung 2018 das Seniorenheim-Areal von der Stadt Penzberg kaufte, war der Start alles andere als glücklich. Die vormalige Betreiberin, die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Oberbayern, hatte das Heim an einen privaten Träger übergeben. So kam es zu der unglücklichen Situation, dass die Novita die Pflegeeinrichtung betrieb, das Grundstück mit dem Ende der 1970er-Jahre errichteten Seniorenzentrum und dem denkmalgeschützten Pfründnerheim aber der Thomas-Wimmer-Stiftung gehörte. Diese machte nie einen Hehl daraus, nicht mit Novita zusammenarbeiten zu wollen. Der Streit endete letztlich vor Gericht. Im August 2019 einigten sich beide Parteien, im Oktober übernahm die Wunschkandidatin der Thomas-Wimmer-Stiftung, die Awo München-Stadt, das Seniorenzentrum. Zuvor hatte es wegen Personalmangels einen Aufnahmestopp für Heimbewohner gegeben.
An diese "desolate Situation", erinnerte Hans Kopp, Geschäftsführer der Awo München-Stadt, in seiner Rede bei der Grundsteinlegung. Personelle und strukturelle Hürden hätte es zu Anfang gegeben. Nun sei man auf dem richtigen Weg, wenn auch noch nicht im sicheren Hafen angelangt. Jürgen Salzhuber, Vorsitzender der Thomas-Wimmer-Stiftung, sprach von einer "ziemlichen Katastrophe", die sich ihnen bei der Übernahme des Heimes geboten habe. Das Gros des Personals seien "ausgeliehene Mitarbeiter" gewesen. Für Salzhuber ein Unding. "Wir haben aufgeholt", meinte er. Dennoch sei die Awo nach wie vor auf der Suche nach Fachkräften. Momentan kümmern sich circa 70 Mitarbeiter um die Senioren in Penzberg.
Von Anfang an standen die neuen Verantwortlichen für das Seniorenzentrum an der Gartenstraße unter Zeitdruck. Denn das Haus entspricht nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben. Die Heimaufsicht im Landkreis Weilheim-Schongau machte zur Auflage, dass unter anderem mehr Einzelzimmer und Nasszellen geschaffen werden müssen. Erfolgt keine Umsetzung, würde die Betriebsgenehmigung für das Bestandsgebäude Ende 2022 und für das Pfründnerheim Ende 2024 erlöschen.
In sechs Bauabschnitten sollen 57 Pflegezimmer modernisiert werden. Die Arbeiten an 13 Zimmern wurden im November abgeschlossen. Die Sanierung werde fortgesetzt, wenn der Neubau fertiggestellt ist, sagte Salzhuber, Vorsitzender der Thomas-Wimmer-Stiftung, am Mittwoch. Im dritten Stock des Bestandsgebäudes soll auf Wunsch der Stadt Penzberg eine Tagespflege mit zehn Plätzen entstehen. In Betrieb gehen soll sie im Herbst 2022. Geplant ist zudem in dem Haus die Versorgung von jüngeren, nach Unfall oder Krankheit Pflegebedürftigen.
Im Neubau kommt das "Betreute Wohnen" unter. Hierfür gebe es bereits Anmeldungen, sagte Salzhuber. Die gerontopsychiatrische Abteilung bleibt im Pfründnerbau. Dort wurden ferner 15 Personalwohnungen eingerichtet. Sind Um- und Neubau fertig, verfügt das Seniorenzentrum über 132 Pflegezimmer mit 164 Plätzen. Im Vollbetrieb sollen circa 120 Mitarbeiter in Pflege, Hauswirtschaft und Verwaltung in der Einrichtung arbeiten.
Wie Kopp betonte, werde sich die Awo München auch als Träger für eine künftige Seniorenbegegnungsstätte in Penzberg bewerben.
