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Prägende Jahre im Isartal:"Icking war mein ganzes Leben"

Peter Raue wird 80

Peter Raue, Anwalt und Kunstförderer, besuchte in Icking das Gymnasium.

(Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Der bekannte deutsche Medienanwalt Peter Raue ging im Isartal zur Schule und erinnert sich gerne zurück.

Von Claudia Koestler

Er ist einer der bekanntesten deutschen Anwälte und zugleich ein Kunstliebhaber und -förderer sondergleichen: Peter Raue, der Anfang Februar dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feiern konnte, verbinden viele vorwiegend mit seiner Wahlheimat Berlin, wo er unter anderem dafür verantwortlich zeichnete, dass die Nationalgalerie 2004 gut 200 Kunstwerke aus dem New Yorker Museum of Modern Art zeigen konnte. Dass Raue zu einer Persönlichkeit globalen Ranges heranreifen konnte, daran hat auch das Ickinger Gymnasium Anteil - denn der gebürtige Münchner war dort zehn Jahre lang Schüler. "Bestimmende und prägende Jahre" seien das gewesen, sagt er. "Für mich ist Jugend, Freiheit, Entwicklung: alles Icking." So frohgemut stimmt ihn die Erinnerung, dass er sogleich von Berlin aus die "Ickinger Hymne" durch den Äther trällert: "Ickinger samma/ da lass ma uns nix sogn/ ob heit oder morgn/ am Gottesacker drobn." Bis zu seinem 14. Lebensjahr habe er mit seinen Eltern in Pullach gewohnt und konnte sich deshalb für das Gymnasium im Isartal entscheiden. Ein Jahr später zog die Familie nach Solln, "da bin ich jeden Tag mit dem Zug nach Icking gefahren. Es war die schönste Fahrt, weil wir da immer zu viert Skat gespielt haben". In zweierlei Hinsicht sei es eine skandalöse Schule gewesen: "Jungen und Mädchen waren in einer Klasse, was damals nicht üblich war." Zudem seien noch Katholiken und Protestanten in einer Klasse gewesen.

Raue erinnert sich an Unterricht in den Baracken, wo es oft an eisigen Wintertagen "so kalt war, dass man keine Klausuren schreiben konnte". Icking sei für ihn nicht nur eine Schule, "die ich mit mittelmäßigem Notenerfolg absolviert habe, sondern das war mein ganzes Leben: Da gab es die Freunde und Freundinnen, wir haben Theater gespielt, viel Musik erlebt, Camus und Sartre gelesen, überhaupt viel Literatur entdeckt und uns gegenseitig mit Gedichtvorträgen angestachelt". Raue gab die Schülerzeitung mit heraus und hat Theaterreisen nach München organisiert. Dass er bis heute gerne Reden halte, auch das habe er dort gelernt. "Wir wurden respektiert und gefördert, das war wohl das Entscheidende. Wir sind dort, wenn ich es ganz pathetisch sage, zu erwachsenen Menschen erzogen worden", sagt er, korrigiert aber umgehend: "Nein, nicht erzogen, da ist zu viel Zucht in dem Wort drin. Wir sind herangebildet worden." Aus dem Schüler, der in der ersten Klasse eine Ehrenrunde drehte, sollte später der vielleicht bekannteste deutsche Kulturanwalt werden. Und ein Philanthrop, der entspannt, nonchalant und heiter von seiner Rezeptivität plaudert, die in Icking erste Blüten trieb: "Wir hatten zum Beispiel einen Kunstlehrer, der völlig verzweifelt war, dass ich nicht in der Lage war, auch nur einen Stuhl zu zeichnen. Er hat mir aber immer eine sehr gute Note gegeben, weil ich mich für Kunst interessiert habe, sehr früh Postkarten gesammelt habe und wusste, was Impressionismus, Expressionismus und Futurismus ist. Er sagte dann immer: ,Wie kann einer so viel davon verstehen und so wenig können?'", lacht Raue.

© SZ vom 30.04.2021
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