Abschied in Penzberg:Verbeugung vor dem "Bääda"

Abschied in Penzberg: Ein Original, das Penzberg entscheidend mitgeprägt hat: Peter Holzmann. Nun ist der 62-Jährige in der Freistellung vor dem Ruhestand.

Ein Original, das Penzberg entscheidend mitgeprägt hat: Peter Holzmann. Nun ist der 62-Jährige in der Freistellung vor dem Ruhestand.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der langjährige Leiter des Penzberger Ordnungsamtes geht in den Ruhestand. Weggefährten erinnern an seine Leistungen

Von Alexandra Vecchiato

Man könnte ihn als Faktotum des Penzberger Rathauses bezeichnen. Peter Holzmann - besser bekannt als "da Hoizmann Bääda" - kann auf 44 Jahre Dienst an den Bürgern und der Stadt zurückblicken. Der 62 Jahre alte Leiter des städtischen Ordnungsamtes hatte vor Kurzem seinen letzten Arbeitstag. Für ihn beginnt nun die Freistellungsphase. Sein Nachfolger hat die Geschäfte bereits aufgenommen. Holzmann selbst hat sich eine offizielle Verabschiedung verbeten. Doch so ganz klammheimlich darf sich der Bääda nicht davonstehlen. Auf Bitten der SZ erinnern langjährige Weggefährten an das Wirken des eingefleischten Sechzger Fans.

Der Begriff Faktotum umschreibt nicht nur jemanden, der lange Zeit in einem Betrieb oder ähnlichem tätig ist, er wird auch gebraucht, um einen Menschen zu charakterisieren, der auf liebenswerte Weise etwas sonderbar ist. "Die ihm eigene Werdenfelser Art" nennt es Ralf Kreutzer, wenn er über Holzmann spricht, der seit 1995 Leiter des Penzberger Ordnungsamtes war. Der Niederlassungsleiter West des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO) arbeitete seit 2007 mit ihm zusammen. Holzmann ist sozusagen der Vater des Penzberger Stadtbuskonzepts - und in dieser Funktion konnte er durchaus ein harter Verhandlungspartner sein. Er habe "ganz selten" erlebt, dass sich jemand mit jeder Faser seines Körpers für Bürger, Stadt und Stadtbus eingesetzt habe, sagt Kreutzer. Wie kein anderer habe sich der 62-Jährige um alles gekümmert. Sogar einzelnen Beschwerden von Fahrgästen sei Holzmann nachgegangen, um Lösungen zu finden und Kunden zufriedenzustellen. "Das war ganz großes Kino."

Wenn es um die Optimierung des Stadtbusses ging, hätten er und Holzmann durchaus Kämpfe ausgefochten. "Manches, was er wollte, konnte ich ihm ausreden, aber nicht alles", sagt der Regionalleiter. "Auch wenn ich alles versucht habe, habe ich nicht immer gewonnen", beschreibt Kreutzer Holzmanns Hartnäckigkeit. Der "Wahnsinnskerl mit dem guten Herzen" habe ihn animiert, noch besser zu arbeiten. "Eigentlich ist er 'der Stadtbus'." Und der Ausbau der Linien sei "sein Baby" gewesen.

"Ja, der Stadtbus war sein Lieblingsthema", meint dazu Altbürgermeister Hans Mummert. Für ihn sei Holzmann ein "wertvoller, engagierter Mitarbeiter" gewesen. Nie habe er Nein gesagt, sich nie vor einer Aufgabe gedrückt - egal, ob werktags oder an Wochenenden. Und konsequent sei er gewesen - vor allem dann, wenn es um Fußball gegangen sei. In Penzberg favorisiert man traditionell den TSV 1860. Ein Blauer sei "der Bääda" durch und durch, erzählt Mummert. Das sei sogar so weit gegangen, dass er nicht mal ausnahmsweise ein Champions-League-Spiel des FC Bayern anschauen wollte. Voll des Lobes ist der Altbürgermeister, wenn er von Holzmanns Einsatz für den Halbstundentakt auf der Bahnlinie Tutzing-Kochel berichtet. Holzmann habe alle Hebel in Bewegung gesetzt. "Ohne seine Unterstützung hätten wir das 2003 nicht erreicht", betont Mummert.

Legendär sind die Betriebsausflüge mit Holzmann, der gerne feiert. Das stellte der scheidende Ordnungsamtschef durchaus auch bei Weihnachtsfeiern der Rathausbelegschaft und des Stadtrats unter Beweis. Zu vorgerückter Stunde konnte sich jedermann von seinen Gesangskünsten überzeugen, wenn er textsicher deutsche Schlager zum Besten gab. Apropos Musik: Wer Holzmann im Büro anrief, konnte im Hintergrund oftmals noch einige Töne von AC/DC oder Metallica hören.

16 Jahre lang stand der 62-Jährige dem Reha-Sportverein in Penzberg vor. Seinem Umgang mit der eigenen Behinderung zollt Mummert Respekt. "Da hast nie was gehört. Ich fand es toll, wie er sich gibt", sagt er und berichtet von Holzmanns Torwart-Qualitäten für die Betriebsmannschaft. Bei seinem 40-jährigen Dienstjubiläum gefragt, was er schon alles im Rathaus miterlebt habe, scherzte Holzmann: "Von Autokratie bis Demokratie." Was so viel heißt, dass er unter Altbürgermeister Kurt Wessner seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten begann und des Weiteren seine Chefs Hans Mummert und Elke Zehetner waren. Zuletzt arbeitete er mit Bürgermeister Stefan Korpan zusammen. Impulsiv habe er schon sein können, der Bääda, erzählt Mummert weiter, aber nie verletzend.

Ein "Penzberger Original" nennt ihn Tom Sendl. Beide arbeiteten viele Jahre im Rathaus zusammen. "Er war stets bürgerorientiert und erste Anlaufstelle bei Beschwerden." Diese habe Holzmann "vorbildlich gelöst". Als einen "angenehmen, ehrgeizigen Kollegen" beschreibt ihn Stadtwerke-Leiter Manfred Gierig. Eng war die Zusammenarbeit zwischen Holzmann und dem städtischen Bauhof. "Wir sind ja sozusagen der verlängerte Arm des Ordnungsamts", sagt Bauhofleiter Christian Eberl. "Ich bin wunderbar klargekommen mit ihm. Aber wir gebürtigen Penzberger wissen, wie wir miteinander umzugehen haben." "Wahnsinnig viel" habe Holzmann in all den Jahren an Ärger von Bürgern abgefangen, so Eberl. Als Ordnungsamtsleiter brauche man "das Kreuz" dazu. Holzmann sei stets bemüht gewesen, pragmatische Lösungen zu finden, sagt Sendl. Dem Rathaus kehrt Holzmann den Rücken, aber gewiss nicht seiner Stadt. So wird man ihn wohl künftig weiterhin auf seinem Roller oder auch dem Traktor durch Penzberg kurven sehen.

© SZ vom 31.08.2021
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