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Penzberger Stadtrat ist begeistert:Ortsbus auf Bestellung

Omobi aus Murnau

Zündende Idee: Die Start-up-Gründer Clemens Deyerling (links) und Robert Schotten wollen den ÖPNV fit für die Zukunft machen.

(Foto: privat/oh)

Das Start-up Omobi möchte den öffentlichen Personennahverkehr revolutionieren. Penzberg macht mit

Von Alexandra Vecchiato

Festgeschriebene Fahrpläne und fixe Haltestellen - der herkömmliche Busverkehr ist ein starres System. Busse fahren daher oftmals leer durch Ortschaften, weil potenziellen Kunden das Angebot zu unflexibel ist. Soll der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) jedoch eine echte Alternative zum Individualverkehr sein, muss sich etwas ändern. Im Markt Murnau, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, gibt es seit 2020 diese Alternative: einen "On-Demand-ÖPNV", den die Omobi GmbH anbietet. Es handelt sich dabei um Ortsbusse auf Bestellung. Diesen Zwitter aus Bus und Taxi möchte der Stadtrat auch in Penzberg als Ergänzung zu den Stadtbuslinien etablieren.

Die beiden Omobi-Gründer, Clemens Deyerling und Robert Schotten, stellten ihr Produkt am Dienstag dem Stadtrat vor. Sie bieten in Murnau eine Flotte digital gesteuerter Minibusse an, die bedarfsorientiert und mithilfe von Algorithmen Fahrten bündeln (Ridesharing) und Menschen von Haustür zu Haustür bringen. Es handle sich um das erste derartige Konzept in Oberbayern, sagte Deyerling. Omobi bietet von Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr flexible Nutzungszeiten, Routen und Haltestellen zum Preis von zwei Euro pro Fahrt im gesamten Gebiet der Marktgemeinde an.

Das System ist für die Nutzer leicht zu handhaben: Per App auf dem Mobiltelefon oder im persönlichen telefonischen Gespräch mit einer Mitarbeiterin melden die Kunden Fahrtwünsche an und erfahren, wann und wo der Bus sie aufsammelt. Via App passiert dies in Echtzeit. Etwa 220 Abholpunkte gibt es in und um Murnau, jeder kann einen in seiner Nähe finden. Bei Auftragserteilung erfährt der Fahrgast, wo sich der Bus gerade befindet und wie lange die Fahrt dauert. Kommen weitere Buchungen hinzu, bündelt die Software die Anfragen automatisch.

Vans mit sieben Sitzen im Einsatz

Dass Fahrgäste die Busse auch telefonisch buchen können, sei ein Zugeständnis an all jene, die kein Smartphone besäßen oder keine App nutzen wollten, sagte Deyerling. Man habe das Konzept in Murnau in Abstimmung mit dem dortigen Seniorenbeirat erarbeitet. Auch seien Kooperationspartner gefunden worden wie Gastronomiebetriebe, Tourist-Information oder Rathaus. "Sie können über jeden Kellner den Ortsbus rufen lassen", sagte Deyerling. Eingesetzt werden geleaste Minivans mit sieben Sitzen. Noch im Laufe des Jahres sollen die Vans durch E-Fahrzeuge ausgetauscht werden. "Das ist unser Ziel. Als wir loslegten, gab es das Modell noch nicht als E-Van", erklärte Deyerling der SZ auf Nachfrage. Die Fahrer sind bei Omobi fest angestellt. Die Fahrten können bar im Bus oder via App mit Kreditkarte oder Paypal bezahlt werden.

Trotz der Corona-Pandemie sei der Ortsbus ein Erfolg, sagte der Geschäftsführer. Zwei Sommermonate lang im vergangenen Jahr waren die Vans auch an Wochenenden unterwegs. "Ein durchschlagender Erfolg", so Deyerling. Doch wegen Corona liege dieses Angebot auf Eis.

Den Stadträten gefiel der Vortrag der beiden Omobi-Geschäftsführer sichtlich. Unisono sprachen sich die Fraktionen dafür aus, den On-Demand-ÖPNV als Ergänzung haben zu wollen. Dennoch gab es Nachfragen. Aleksandar Trifunovic (CSU) etwa wollte wissen, wie sich die Corona-Krise auf das Unternehmen ausgewirkt habe. "Wir wissen eigentlich nicht, wie es ohne Corona sein wird", antwortete Deyerling. Die Nachfrage gehe "jetzt schon ziemlich durch die Decke". Würden so viele Touristen wie in Nicht-Corona-Jahren über Ostern nach Murnau kommen, "wüssten wir nicht, wie wir das handeln sollten".

Die Kosten sind noch offen. Dazu muss erst ein auf Penzberg zugeschnittenes Konzept erarbeitet werden. Murnau zahlt an Omobi im Jahr einen Festbetrag für den Betrieb der Ortsbusse (circa 350 000 Euro) und trägt das Defizit. Vom Freistaat allerdings gibt es einen Zuschuss von bis zu 70 Prozent. "Wir werden uns bald wiedersehen", verabschiedete Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) die beiden Start-up-Gründer.

© SZ vom 25.03.2021
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