Mit Hilfe eines Investors:Große Pläne für das Bahnhofsareal

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Bahnhof Penzberg

Entwicklungspotenzial: Das historische Penzberger Bahnhofsgebäude, hier der Blick vom Park&Ride-Parkplatz westlich des Bahngleises, soll noch in diesem Jahr aufgehübscht und zu einem offenen Treff für Vereine werden. (Foto: Manfred Neubauer)

Der Penzberger Stadtrat beschließt, die Flächen östlich und westlich des Gleises weiter zu entwickeln. Entstehen könnten dort ein Bürgertreffpunkt, mehr Platz für Busse, ein zweiter Bahnsteig und ein neuer Drogeriemarkt.

Von Alexandra Vecchiato

Einen großen Wurf möchte man im Penzberger Rathaus hinlegen, wenn es um die Überplanung des Bahnhofsareals geht. Schließlich handelt es sich um eine der größten Flächenreserven in der Innenstadt. Aber das allein ist nicht der Grund, warum der Stadtrat auf die Tube drückt. Der Nachbarort Sindelsdorf schickt sich an, ein neues Gewerbegebiet mit Großtankstelle, Supermarkt, Discounter und Drogeriemarkt an der B 472 zu schaffen. Noch ist nichts entschieden, aber sollte das Projekt umgesetzt werden, hätte dies Auswirkungen auf die Geschäfte in Penzberg. Daher soll der Park&Ride-Parkplatz westlich des Bahngleises, der der Stadt gehört, an einen Investor verkauft werden. Dieser soll dort Einzelhandel, Parken und mehr realisieren.

Der Verkauf und die Bebauung des Grundstücks westlich des Bahngleises könnte nicht nur eine stattliche Summe in die klamme Stadtkasse spülen, beides wäre auch der Schlusspunkt einer jahrelangen Diskussion. Unzählige Beschlüsse gibt es, die Einzelhandel wünschten und dann wieder nicht, die einen Verkauf vorsahen und gleich wieder davon Abstand nahmen.

Das Herzstück des Areals ist der ehemalige Bahnhof, der eine neue Nutzung erfahren soll. Auch er gehört der Stadt - und das soll so bleiben. Einstimmig sprach sich der Stadtrat erneut dafür aus, das historisch bedeutsame Gebäude zu behalten. Ein Abriss steht ebenfalls nicht zur Debatte. Vielmehr soll die Wartehalle mit angrenzendem Nebenraum zu einem offenen Vereins- und Kulturtreffpunkt ausgebaut werden. Diese Nutzung ist eine Zwischenlösung, bis der Bahnhof komplett saniert wird. Startschuss für dieses Projekt mit Bürgerbeteiligung ist beim diesjährigen Stadtfest. Für den Umbau gibt es Mittel von der Städtebauförderung. Hardi Lenk (SPD) warf ein, dass die Energiewende Oberland (EWO) ein Büro in der Innenstadt suche, um präsenter zu sein. Prädestiniert dafür sei aus seiner Sicht der Bahnhof. Dieser Wunsch soll geprüft werden.

Ansonsten soll für den Bereich östlich des Bahngleises ein städtebaulicher Ideenwettbewerb durchgeführt werden. Private Bauvorhaben, wie an der Ecke Philipp- und Bahnhofstraße bleiben davon unberührt, wie auch der sogenannte Bahnbogen, ein neuer Fuß-und Radweg, der den Bahnhof mit der Seeshaupter Straße verbindet. Diese Anbindung spielt auch eine Rolle bei einem neuen Antrag der Bürger für Penzberg (BfP). Sie fordern, den jetzt schon zu kleinen Busbahnhof beim Bahnhofsgebäude zu verlegen und zu erweitern. Platz wäre ihrer Ansicht nach auf einem Grundstück zwischen dem Bahngleis

und südlich der Gärten an der Alpenstraße. Angebunden werden könnte der neue Busbahnhof an die Philippstraße. Ferner möchten die BfP geprüft wissen, ob eine Zu- und Abfahrtsmöglichkeit für Busse über den Bahnbogen möglich ist. Die Verwaltung wird den Antrag bearbeiten.

Noch einigen Diskussionsbedarf wird es bei der Frage geben, was auf dem Park&Ride-Parkplatz passieren soll. Das machten die Wortmeldungen in der jüngsten Stadtratssitzung deutlich. Seit Langem ist bekannt, dass die beiden Penzberger Drogeriemärkte in der Innenstadt gerne mehr Verkaufsfläche hätten. Doch die gibt es bislang nicht. Für die anderen Läden im Zentrum Penzbergs sind die Märkte geradezu überlebenswichtig, bringen sie doch laut Untersuchungen täglich zwischen 500 und 600 Kunden in die Innenstadt. Hinzukommt, dass sich viele Penzberger eine dritte Drogeriekette wünschen, nämlich DM. Sollte sich die Ketten im geplanten Gewerbegebiet von Sindelsdorf ansiedeln, ist die Sorge groß, dass Penzbergs Drogeriemärkte dichtmachen und die Innenstadt verödet. Es ist also Eile geboten, weshalb der Parkplatz an einen Investor verkauft werden soll. Die Stadt würde diesem vorgeben, was auf dem Areal realisiert werden soll: vom Drogeriemarkt, Biomarkt über weitere Einzelhandelsflächen, Büros und Wohnungen, ja sogar von einem Schulstandort war die Rede. Zwingend ist die Schaffung neuer Stellplätze, sei es in einer Tiefgarage oder in einem Parkhaus.

Aleksandar Trifunovic (CSU) regte an, mit der Bahn AG zu verhandeln, auf der Westseite einen weiteren Bahnsteig zu bauen, der den Pendlern das Einsteigen erleichtern würde. Momentan müssen sie von Parkplatz einen längeren Fußmarsch vor zur Hauptstraße über das Gleis zum Bahnsteig auf der Ostseite machen. "Es ist unser Grundstück. Wir können Akzente setzen", sagte er. Dass diese Akzente die richtigen sein werden, dafür setzte sich Anette Völker-Rasor (Penzberg Miteinander) ein. Das westliche Areal einem Investor zu übergeben, erscheine ihrer Fraktion zu überstürzt. Die Frage sei überdies, ob es um schnelles Geld oder um eine qualitätvolle Umsetzung mit einem überzeugenden Konzept gehe, sagte Völker-Rasor. Einen Widerspruch vermochte Stadtbaumeister Justus Klement darin nicht zu erkennen, denn der Stadtrat habe es über den Bebauungsplan und das Vergabeverfahren in der Hand, was ein finanzstarker Investor mit seinen Architekten dort umzusetzen hat, sagte er.

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