Den Kastanien auf dem Penzberger Stadtplatz geht es schlecht. Sie bekommen zu wenig Wasser und können deshalb auch nicht ausreichend Nährstoffe aufnehmen. Zudem werden die Wurzeln schlecht durchlüftet. Die Bäume reagieren darauf mit reduziertem Wurzelwachstum, sie verlieren an Vitalität und sind anfälliger für Krankheiten und Parasiten. Die Abteilung Umwelt- und Klimaschutz im Rathaus möchte das ändern. Doch um den Kastanien in Zukunft etwas Gutes zu tun, müssten die Baumscheiben rund um die Bäume frei bleiben. Vor allem dürften sie nicht mehr betreten werden, um eine Versiegelung zu vermeiden. Das aber wollte der Bauausschuss nicht mittragen. Das Gremium befürchtet dadurch zu große Einschränkungen von Veranstaltungen auf dem Stadtplatz.
Als es im Jahr 2013 darum ging, die künftige Bepflanzung für den neuen Stadtplatz im Zentrum Penzbergs auszusuchen, fiel die Wahl auf rotblühende Rosskastanien. Die damals tätigen Landschaftsarchitekten favorisierten Silberlinden, wie sie auch an der Bahnhofstraße gepflanzt wurden. Der Bauausschuss entschied sich aber für Kastanien - was nicht von ungefähr kam, gehören diese Bäume doch zur Stadt. Nicht wenige Penzberger werden sich an ihre Kindheit erinnern, als es im Herbst dazugehörte, etwa am Bahnhof die braunen Nussfrüchte zu sammeln. Die rotblühende Variante wurde gewählt, da sie gegen die Miniermotte weitgehend resistent ist. Auch bevorzugte die frühere SPD-Mehrheit im Stadtrat die Farbe Rot. Bereits 2013 hatten das Stadtbauamt und die Landschaftsarchitekten Bedenken angemeldet, was die Gesundheit der Bäume betrifft. Falls die Rosskastanien absterben und ersetzt werden müssten, rechnete man vor neun Jahren mit einem "Kostenrisiko" in Höhe von 40 000 bis 50 000 Euro.

Im Optimalfall brauchen Kastanien einen humosen, frischen Lehmboden, der tiefgründig und gut durchlässig sein sollte. Aber genau daran hapert es auf dem Penzberger Stadtplatz. Zwar wurden die Bäume in besondere Wannen gesetzt, doch wurden die Baumscheiben mit einem "Stabilisator" aufgefüllt, der kaum Wasser einsickern lässt. Das Umweltamt wollte die Baumscheiben in diesem Jahr eingrünen. Ziel war, den Stadtplatz vor allem grüner werden zu lassen, aber auch, den Bäumen etwas Gutes zu tun. Das sei leider nicht geglückt, sagte Klimaschutzmanager Carl-Christian Wippermann im Bauausschuss. Die Baumscheiben würden nämlich bei Veranstaltungen, Märkten und ähnlichem genutzt - die Oberfläche werde somit immer mehr verdichtet. Auch hätten sich die Saatgutmischungen bei den heißen Temperaturen in diesem Jahr nicht "durchgesetzt". An drei Stellen wurden Samenmischungen ausgebracht und die Baumscheiben vor dem Betreten mit Holzpfosten und Seilen geschützt. Allein die Versuchsfläche hinter der öffentlichen Toilette zeigt sich noch saftig grün. 2023 soll nochmals mit regionalen Saatmischungen experimentiert werden. Aber nicht, ohne die verdichtete Oberfläche der Baumscheiben mit einem Saugbagger zu entfernen und stattdessen Humusorboden auszubringen. Das soll zusätzlich die Durchlüftung der Wurzeln garantieren.
Als der Penzberger Stadtplatz fertig war, übten zahlreiche Bürger Kritik an der kahlen Steinwüste. Ihnen entgegneten die Kommunalpolitiker, dass der Platz für Veranstaltungen geeignet sein sollte und alles besser werde, wenn erst einmal die Kastanien groß wären. Doch wachsen wollen die Bäume nicht. Der Klimawandel macht sich bemerkbar. Die Kastanien sind an ihrem Standort sehr der Hitze ausgesetzt. Es treten Blattfleckenkrankheiten auf, immer früher im Jahr verlieren sie die Blätter. Schon vieles wurde versucht, um den Bäumen zu helfen - etwa eine sogenannte Lanzendüngung. Damit werden Nährstoffe gezielt an die Wurzeln gebracht. Doch sie nutze nichts, wenn das Wasser fehle, sagte Wippermann auf Nachfrage der SZ. Nur in Wasser aufgelöst kann ein Baum den Dünger aufnehmen. Das Umweltamt schlägt daher vor, neben frischem Humus die Baumscheiben mit einer kleinen Einfriedung zu sichern.
Dass die Baumscheiben künftig nicht mehr betretbar sein sollen, gefiel dem Bauausschuss nicht. Während Armin Jabs (Bürger für Penzberg) sich dafür aussprach, die Kastanien auszutauschen, wollte Hardi Lenk (SPD) davon nichts wissen. Er sprach sich für einen "höheren Pflegeaufwand" aus, um den Bäumen ein "bisschen" zu helfen. Was nichts bringe, entgegnete Wippermann, denn nach zwei Tagen wäre die Oberfläche wieder verdichtet, wenn sie betreten werden dürfe. John-Christian Eilert (Grüne) wies darauf hin, dass die Jury der Landesgartenschau, die Penzberg als künftigen Austragungsort besichtigt hatte, die Bäume als "nicht gut aussehend" bezeichnet habe. Und Martin Janner (Penzberg Miteinander) nannte die grauen Kiesbeläge - so sehen die Baumscheiben derzeit aus - "unbefriedigend". Eine Entscheidung gab es nicht. Wippermann und seine Mitarbeiter müssen wohl noch Überzeugungsarbeit leisten.
