Penzberger Politik:Raumluftforscher

Örtliche Grundschulen nehmen an der Studie "Sicheres Klassenzimmer" teil

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Die Expertenmeinungen driften auseinander. Für die einen ist die Fensterlüftung die wirksamste Methode, für eine virenarme Luft in Klassenzimmern zu sorgen. Andere sehen in Luftreinigungsgeräten mit entsprechenden Filtern die Lösung, die Ansteckungsgefahr zu minimieren. In dieser Gemengelage haben sich bislang nicht alle Schulsachaufwandsträger durchringen können, solche Geräte anzuschaffen - obschon der Freistaat Bayern seit Oktober 2020 den Kauf zu 50 Prozent finanziell fördert und laut Kabinettsbeschluss jedes Klassenzimmer nach den Sommerferien mit einer mobilen Lüftung ausgestattet sein soll. Eine Antwort auf die Frage, ob es Lüftungsfilter braucht oder nicht, soll das Forschungsprojekt "Sicheres Klassenzimmer" liefern. Initiator Christian Schwarzbauer, Professor für Medizintechnik und Medizininformatik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München, möchte mit einem Team von Wissenschaftlern mit dieser Pilotstudie aufzeigen, wie groß der Nutzen verschiedener Lüftungsmethoden im realen Unterrichtsbetrieb tatsächlich ist. Die beiden Penzberger Grundschulen nehmen an der Studie teil.

Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) informierte den Stadtrat am Dienstag über das Projekt. Die Studie finanziert sich über Spenden. Mit diesen Mitteln könnte die entsprechende Ausstattung für 40 Klassenzimmer angeschafft werden. Somit könnten je Schule vier Klassenzimmer gleichzeitig untersucht werden. Aufgezeichnet werden sollen die Kohlendioxidkonzentration, die Temperatur und die relative Feuchte in den Räumen. Im Fokus der Untersuchungen stehen dabei folgende Fragen: Wie häufig und wie lange wird während des Unterrichts gelüftet? Wie effektiv ist der Luftaustausch im Klassenzimmer durch das Lüften? Welchen Einfluss haben Witterung und Jahreszeit auf das Lüftungsverhalten? Am Ende der Studie sollen belastbare Ergebnisse vorliegen, die als Entscheidungshilfe dienen, ob der Einsatz von Luftreinigungsgeräten sinnvoll ist - und das in allen Klassenzimmern oder nur partiell. Die Messdaten sollen zudem Aufschluss darüber geben, wie hoch das Infektionsrisiko in Klassenräumen ist. Sollte die auf zwölf Monate ausgelegte Studie ausgeweitet werden, habe auch die Penzberger Mittelschule ihr Interesse signalisiert, sagte Korpan. An den beiden Grundschulen würden seit Anfang Juli anonym Daten erfasst, im Herbst solle es einen Zwischenbericht geben. In den acht Klassenzimmern an der Süd- und an der Birkenstraße wurden handgroße Sensor-Boxen an den Wänden befestigt. Die Raumluft-Messwerte werden automatisch aufgezeichnet und über das Mobilfunknetz an die Hochschule München weitergeleitet.

Auch wenn es Zuschüsse für die Kommunen, also Landkreise, Städte und Gemeinden, gibt, bedeutet der Kauf der Lüftungsgeräte für die Sachaufwandsträger eine große Investition. Obendrein gibt der Freistaat keine Zusage, dass eben diese Investition künftig einen Distanzunterricht verhindern würde, sollte der Inzidenzwert wieder steigen. Korpan verwies in der Sitzung auf ein spezielles Problem der Südschule. Dort war in der Vergangenheit öfters der Strom ausgefallen. Ob die Leitung 30 Geräte verkrafte, müsse geprüft werden, sagte er.

© SZ vom 29.07.2021
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