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Penzberger Politik:Neue Nutzung eines Industriedenkmals

Drohnenbild von der Layritzhalle in Penzberg

Seit 2008 steht die Layritzhalle, einst Maschinenhalle des alten Bundesbahnkraftwerks, leer. 2016 kaufte die Stadt das etwa 10 000 Quadratmeter große Areal für 1,26 Millionen Euro.

(Foto: FahtPix/oh)

Der Penzberger Stadtrat beschließt mehrheitlich, eine Fernwärmezentrale in der Layritzhalle zu realisieren

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Keine Rodung, keine Versiegelung und keine sonstigen Eingriffe in das Müllerholz - der Penzberger Stadtrat hat mehrheitlich die Weichen dafür gestellt, die von den Stadtwerken geplante Fernwärmezentrale nicht im Grünen zu bauen, sondern in der bestehenden Layritzhalle zu realisieren. Mit der Entscheidung ist das Blaulichtzentrum, also Feuerwehr, Rotes Kreuz, Berg- und Wasserwacht sowie Polizei in und um das Industriedenkmal vereint, voraussichtlich ad acta gelegt. Zur Sicherheit soll das Bebauungsplanverfahren für das Müllerholz fortgeführt werden.

Vorgestellt wurde am Dienstag eine Machbarkeitsstudie, die das Pro und Contra der beiden Standorte für die Fernwärmezentrale (Hackschnitzel) gegenüberstellt. Wie Stefan Sendl vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Peißenberg ausführte, seien beide Standorte geeignet. Allerdings komme, so Sendl, nach derzeitigen Berechnungen der Bau der Zentrale in der Layritzhalle günstiger. Die Umsetzung soll in zwei Stufen erfolgen. Stufe eins in der Halle wird auf 8,2 Millionen Euro geschätzt, auf 8,7 Millionen Euro der Neubau westlich des städtischen Bauhofs im Müllerholz. Die Gesamtkosten liegen in der Halle bei 10,6 Millionen Euro und bei 11,3 Millionen Euro für den Neubau.

Mit diesen Investitionen allein ist es nicht getan. Die Layritzhalle gehört der Stadt. Sie ist zuständig für den Gebäudeunterhalt. Ehe die 100 Meter lange, 30 Meter breite und 18 Meter hohe Halle genutzt werden kann, ist eine Grundsanierung notwendig. Stadtbaumeister Justus Klement bezifferte die Maßnahmen mit etwa 3,3 Millionen Euro. Wie Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) betonte, müsste diese Summe auf jeden Fall investiert werden, um die Layritzhalle nutzbar zu machen.

Man solle die Halle doch an die Stadtwerke verkaufen, warb Armin Jabs (Bürger für Penzberg). Somit lägen die Investitionen allein beim Kommunalunternehmen, die Stadt wäre außen vor. Das sei nicht möglich, erwiderte Korpan. Laut Notarvertrag, der beim Verkauf 2016 geschlossen wurde, dürfe die Halle erst nach zehn Jahren weiter veräußert werden. Der Notarvertrag sorgte für einen Eklat in der Sitzung. Für Korpans Vorgängerin Elke Zehetner (SPD), in deren Amtszeit der Kauf fiel, war das Blaulichtzentrum in der Layritzhalle das Prestigeprojekt schlechthin. Der Penzberger Architekt Stephan Jocher legte ein Konzept vor, das in dem Gebäude nicht nur die Feuerwehr vorsah, sondern weitere Nutzungen wie Büros und anderes. Bald war die Rede von gut 50 Millionen Euro Kosten - eine Summe, die vielen Stadträten den Atem stocken ließ. Zehetner warnte in der Sitzung, würde die Layritzhalle zu einem anderen Zweck als für ein Blaulichtzentrum verwendet, stelle dies einen Vertragsbruch dar. Sie forderte die Prüfung des Notarvertrages. Ihn störe, wenn Sätze nicht vollständig zitiert würden, konterte Korpan. Denn in dem Schriftstück sei die Rede davon, dass die Halle für kommunale Aufgaben und städtisch geprägte Zwecke verwendet werden dürfe. "Lesen kann ich auch", meinte Korpan und verwahrte sich gegen Zehetners Vorwürfe. Die SPD-Stadträtin soll am Montag bei einem internen interfraktionellen Info-Treffen zum Thema Fernwärmezentrale zum Bürgermeister gesagt haben, er trete mit der Umplanung das Ehrenamt mit Füßen. Was Zehetner wiederum bestritt und sich echauffierte, dass Korpan aus einem Sechs-Augen-Gespräch nun öffentlich berichten würde. "Es war ein Zehn-Augen-Gespräch", erklärte daraufhin Korpan. Solch einen Vorwurf könne er nicht stehen lassen.

Sorgen um die Kosten machten sich andere im Gremium. Jack Eberl (Freie Lokalpolitik Penzberg) etwa bat darum, dass mit "ehrlichen Zahlen" gearbeitet werde. Er hält die gut drei Millionen, die die Stadt für die Ertüchtigung des Industriedenkmals in die Hand nehmen muss, für zu niedrig. 2016 ließ die Stadt im Vorfeld des Kaufs ein Gutachten zu möglichen Altlasten machen. In diesem steht, dass möglichst keine Erdarbeiten durchgeführt werden sollten. Klement erwiderte, dass im jetzigen Stadium der Planung niemand sagen könne, welche Kosten für die Beseitigung des Erdaushubs anfallen werden. Auch Regina Bartusch (SPD) sagte, ihr seien die vorgelegten Zahlen zu wenig griffig. Ihr Fraktionskollege Adrian Leinweber mahnte an, dass die Penzberger Feuerwehr nicht den Kürzeren ziehen dürfe.

Die Idee, die neue Fernwärmezentrale in die Layritzhalle zu integrieren, geht auf einen Antrag der Fraktion Penzberg Miteinander (PM) zurück. Der Erhalt des Müllerholzes wie auch die adäquate Nutzung des Gebäudes als ehemaliges Kraftwerk waren dabei nur zwei Argumente. Beim Vorstoß von PM mag auch eine Rolle gespielt haben, dass der Neubau der Zentrale im Müllerholz den Protest der Penzberger samt Bürgerentscheid nach sich hätte ziehen können. 2023 soll die Fernwärmezentrale in Betrieb gehen. Die Blaulichtorganisationen sollen auf dem derzeitigen Lidl-Areal angesiedelt werden. Das Grundstück muss die Stadt allerdings erst noch erwerben.

© SZ vom 26.11.2020
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