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Penzberger Politik:Gesprächsbereit

Alter Schlachthof

Aus der Vogelperspektive ist zu erkennen, wie groß und grün das Areal des früheren Schlachthofs an der Karlstraße ist. Auch wenn der Penzberger Denkmalschutzverein den Abriss des historischen Gebäudes verhindern möchte, scheinen die Tage des Gebäudes gezählt.

(Foto: Verein für Denkmalpflege/oh)

Der geplante Abriss des ehemaligen Schlachthofs hat die Penzberger Denkmalschützer auf den Plan gerufen. Bürgermeister Stefan Korpan möchte sich mit ihnen zum Austausch treffen

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Die Stadt Penzberg hält weiterhin am Abriss des alten Schlachthofs an der Karlstraße fest. Allerdings möchte sich Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) mit Vertretern des Vereins für Denkmalpflege und Penzberger Stadtgeschichte baldmöglichst treffen. "Nicht allein wegen des Schlachthofs, sondern generell", wie er der SZ sagte. Ob es, wie vom Verein gewünscht, einen "Tag der offenen Tür" geben wird, werde noch verwaltungsintern geprüft. Die Penzberger Denkmalpfleger hatten diesen Wunsch geäußert, damit sich die Bürger selbst eine Meinung über den baulichen Zustand des historischen Gebäudes bilden können. Der Abriss soll nächstes Jahr über die Bühne gehen.

Gute 120 Jahre ist der Schlachthof alt. Zuletzt befand sich in dem Haus eine Wäscherei. Seit etwa zwei Jahren steht es leer. Nach dem Auszug der Firma habe die Stadt das Gebäude auf Schadstoffe hin untersuchen lassen. "Es gibt Nachweise", sagt Stadtbaumeister Justus Klement. Diese Altlasten müssten saniert werden - mit ein Grund, warum der alte Schlachthof keiner zeitnahen Umnutzung zugeführt werden könne.

Würde das historische Gebäude saniert, so müssten mit Sicherheit das Dach oder die Heizung komplett erneuert werden, erklärt der Bauamtsleiter. Dabei bliebe es nicht. Der Schlachthof sei zwar nicht einsturzgefährdet, aber "man müsste deutlich Geld in die Hand nehmen, um das Haus auf einen modernen Standard zu bringen". Korpan sprich von bis zu drei Millionen Euro, die eine solche Maßnahme kosten würde.

Die kostspielige Sanierung ist für das Rathaus aber nur ein Grund, weshalb sich der Erhalt nicht lohnt. Klement verweist auf das städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK). Dort sei der alte Schlachthof in der entsprechenden Karte rot markiert. Das bedeute, dass es sich um ein historisches Gebäude handle, mit dem "bewusst umgegangen" werden müsse. "Der Schlachthof ist nicht irgendein Haus", betont Klement. Erhalten würde er es dennoch nicht. Der Schlachthof sei ein "Solitär" in der Innenstadt, der nicht zu der ihn umgebenden Bebauung passe. "Er ist nicht mehr recht logisch an dieser Stelle, sondern ein Relikt", meint Klement.

Natürlich sei es immer schade, ein historisches Gebäude abzureißen. Aber die Stadt habe sich über dieses Gebäude hinweg entwickelt und passe nicht mehr zum Standort. Wie vom Stadtrat gewünscht, soll das Areal für gewisse Zeit als Parkfläche genutzt werden. Den 120 Jahre alten Schlachthof allein dem Thema "Parken" zu opfern, wäre die falsche Entscheidungsgrundlage, sagt der Stadtbaumeister. Die Stellplätze dürften nur eine Zwischenlösung sein, um den Parkdruck aus der Innenstadt zu nehmen. Ziel müsse eine zukunftsorientierte Lösung sein, etwa Seniorenwohnen, Wohnbebauung oder Kindertagesstätte.

Mit einer Aufwertung des Areals einhergehen sollte, so Klement, die Aufwertung des Grünraums. Das Grundstück des alten Schlachthofs grenzt an den Bürgerpark Gustavstraße. Die Wege entlang des Säubachs sollten aufgewertet werden, sagt Klement. Ein Abriss-Auftrag wurde noch nicht erteilt. Das Bauamt bereitet derzeit die Ausschreibung dafür vor.

© SZ vom 20.11.2020
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